Das Militär setzt nicht nur Tränengas gegen Demonstranten ein, sondern schießt mit scharfer Munition. Manche Straßen in Yangon oder Mandalay gleichen einem Schlachtfeld.

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Das Ausmaß der Gewalt vom Wochenende wird erst langsam deutlich. Mindestens 59 Menschen wurden allein in Yangon bei Protesten gegen die Militärjunta am Sonntag getötet, fast 140 gelten als verletzt. Offizielle Angaben gibt es nicht, aber die Daten aus drei Spitälern der größten Stadt Myanmars lassen befürchten, dass die tödliche Bilanz letztlich noch viel erschreckender ausfällt.

Den brutalen Ereignissen zum Trotz gingen aber auch am Montag wieder zahlreiche Menschen auf die Straßen aller größeren Städte des Landes, wieder gab es mindestens sechs Tote. Als Reaktion auf die Militärgewalt sieht man an manchen Orten immer häufiger sogenannte menschenlose Proteste, bei denen Demonstrierende ein Meer an Schildern aufstellen.

In Yangon haben Aktivisten am Montag unzählige "Pyit Tine Htaung" aufgestellt – traditionelle burmesische Puppen, die von selbst wieder aufstehen, wenn man sie umwirft. Die Aktion ging sofort viral. "Auch wir werden niemals aufgeben, um unser Ziel zu erreichen", schrieb ein User auf Twitter.

Khin Maung Zaw, der Anwalt von Aung San Suu Kyi, durfte sie bisher nicht vor Gericht vertreten.
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In Teilen Yangons wurde bereits am Sonntag das Kriegsrecht verhängt, nachdem chinesische Fabriken Ziele von Brandanschlägen geworden waren. China, das als juntatreu gilt, hat sich nach dem Putsch bisher mit Kommentaren zurückgehalten. Nun fordert das chinesische Außenministerium in Peking aber die burmesischen Behörden dazu auf, "effektive Maßnahmen" zu setzen, um die Sicherheit seiner Landsleute zu gewährleisten.

Am Montag hätte die nächste Anhörung von Aung San Suu Kyi virtuell stattfinden sollen. Weil das Internet aber nicht funktionierte, wurde sie auf den 24. März vertagt, gab ihr Anwalt Khin Maung Zaw an. Telekombetreiber waren laut Insidern angewiesen worden, den mobilen Datenverkehr landesweit zu unterbinden, berichtete Reuters. (Anna Sawerthal, 15.3.2021)