Der Konzernchef Johann Strobl blickt wegen Corona wenig optimistisch ins erste Halbjahr.

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Wien – Nach dem Coronajahr 2020 dürfte auch heuer kein allzu leichtes Jahr auf die Raiffeisen Bank International (RBI) zukommen. Zumindest für das erste Halbjahr rechnet die Bank nur mit einem geringen Kreditwachstum, erst in der zweiten Jahreshälfte sei Besserung in Sicht. Konjunkturell dürfte es aber heuer wieder etwas bergauf gehen, nach den BIP-Einbrüchen 2020 rechnet die RBI für die für sie relevanten Märkte wieder mit einem Wirtschaftswachstum zwischen drei bis fünf Prozent.

Das erste Halbjahr werde noch stark von den Corona-Infektions- und -Impfzahlen bestimmt sein, sagte Konzernchef Johann Strobl am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz. Das dürfte sich in einem weiterhin schwachen Kreditwachstum niederschlagen. Für das zweite Halbjahr hofft Strobl dann auf eine Beschleunigung der Dynamik.

Neuer Fokus auf Tschechien

Ein dynamisches Kreditwachstum erwartet die Bank unter anderem in Tschechien, das Land soll ein neuer Schwerpunktmarkt werden. Im vergangenen Jahr sei in dem Land besonders auf die Kosten geachtet worden, die Personalkosten konnten um 15 Prozent reduziert werden, auch das Filialnetzwerk wurde gestrafft. In Tschechien werde auch das digitale Banking stark genutzt, 89 Prozent der Kunden würden die digitalen Kanäle nützen.

Die RBI will sich vor allem durch organisches Wachstum in Tschechien weiterentwickeln, in den vergangenen Wochen wurden aber mit der Equa Bank und dem Zahlungsverkehrsanbieter Akcenta auch Zukäufe getätigt. Darüber hinaus darf die RBI die tschechischen Privatkunden der ING-Bank, die sich aus dem Land zurückzieht, übernehmen. Mittelfristig, bis 2023, will die Bank ihre Kundenzahl in Tschechien auf 1,75 Millionen steigern. Tschechien ist nicht der einzige Markt, in dem sich die RBI Wachstum erhofft. Auch in Ungarn, Russland und Serbien sieht Strobl noch Potenzial für ein solides Kreditwachstum.

Unterm Strich verdiente die Bank 804 Millionen Euro, das war in etwa ein Drittel weniger als im Vorjahr. Der Zinsüberschuss ging um fünf Prozent auf 3,2 Mrd. Euro zurück und der Provisionsüberschuss fiel um 3,3 Prozent auf 1,7 Mrd. Euro. Das Kundenkreditvolumen lag Ende 2020 bei 90,7 Milliarden Euro (minus 0,6 Prozent zum Jahr 2019). (APA, 17.3.2021)