Laut Gerald Tatzgern, dem Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität im Bundeskriminalamt, gehört Österreich mittlerweile zu den Zielländern von Schleppern.

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Die Eckdaten zur Schlepperkriminalität im Vorjahr weisen ein deutliches Plus in der kriminalpolizeilichen Anzeigenstatistik aus. Das mag auf den ersten Blick überraschend sein, weil die Lockdowns im ersten Jahr der Pandemie die sonstige Kriminalität stark gebremst haben. Doch es war genau die Corona-Krise, die 2020 dazu geführt hat, dass Festnahmen von mutmaßlichen Schleppern verglichen mit 2019 um fast ein Drittel zugenommen haben. In absoluten Zahlen waren es 311 (2019: 242).

Insgesamt wurden 2020 in Österreich 21.600 Menschen aufgegriffen, die sich irregulär in Land befanden. Das entspricht im Vergleich zu 2019 einer Zunahme von zwölf Prozent, wie Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Donnerstag bekanntgab. 4.800 Personen davon sagten aus, dass sie die Dienste von Schleppern in Anspruch genommen hätten. 2019 lag diese Zahl bei 2.500.

Mehr Kontrollen, mehr Aufgriffe

Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität im Bundeskriminalamt, hat mit dem Anstieg schon gerechnet. Denn erstens wurden die Kontrollen an den Grenzen und in deren Umland im Vorjahr immer wieder wegen Corona verschärft – und mehr Kontrollen bedeuten immer mehr Aufgriffe. Zweitens haben die Schlepper gerade in Pandemiezeiten die medizinische Versorgung besonders stark als Verkaufsargument missbraucht.

Die Corona-bedingten innereuropäischen Einschränkungen der Reisfreiheit haben außerdem dazu geführt, dass Österreich mittlerweile als Zielland für Schleppungen gilt. Bisher war die Alpenrepublik eher ein Transitland, quasi das Tor zum reichen zentraleuropäischen Raum.

Drohnen gegen neuen Modus Operandi

Laut Tatzgern haben Schlepper auch den Modus Operandi angepasst: Für den illegalen Menschenschmuggel über die Grenzen würden nur mehr selten Pkws und Kleintransporter verwendet, sondern wieder hauptsächlich Lkws, weil der Güterverkehr auch in Zeiten der Pandemie weiter rollt. Immer häufiger gelinge es Schleppern, Menschen in den Laderaum von großen Lkws zu schmuggeln, ohne dass die Lenker davon wüssten. In Fahrpausen werde beispielsweise die Plane an der Oberseite aufgeschnitten. Deshalb setzt das Bundeskriminalamt vermehrt Kameradrohnen ein, um verdächtige Manipulationen an der Oberseite, die von unten nicht zu sehen sind, zu erkennen.

Die Rangliste der Nationalitäten von Schleppern, die im Vorjahr festgenommen wurden, führen syrische Staatsbürger an. Danach folgen Österreicher, Iraker, Rumänen und Türken.

72 Stunden-Schnellverfahren

Das Bundeskriminalamt beherbergt seit fünf Jahren das Joint Operation Office, eine operative tätige Dienststelle zur Koordinierung der Schleppereibekämpfung im gesamten südosteuropäischen Raum. Derzeit werde die Plattform gegen illegale Migration mit Standort in Wien aufgebaut, so Nehammer. Damit sollen in Schnellverfahren für Personen ohne Bleibewahrscheinlichkeit negative Entscheidungen binnen 72 Stunden ermöglicht werden. (Michael Simoner, 25.3.2021)