Die Bienen haben ihre Winterruhe beendet und sind wieder unterwegs. Wie sie sich vor Krankheiten schützen, untersuchen Grazer Forscher.
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Die Gesundheit von Bienenvölkern wird von Insektengiften, Viren und Bakterien bedroht. Um die Honigproduzenten besser vor Krankheiten zu schützen, erforschen Zoologen der Universität Graz die Schutzmechanismen der Insekten. Nun haben sie herausgefunden, wie die körpereigenen Abwehrkräfte der Bienen gegen Erreger schon vor der Geburt aktiviert werden und welche Rolle die Bienenkönigin und Gelee Royal bei der Immunisierung spielen.

Gefährliche Bienenseuchen

Die Amerikanische Faulbrut ist eine Bienenseuche, die alljährlich Bienenvölker dahinrafft. Die von Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit befällt die Brut und zerstört sie. Umso wichtiger ist es grundsätzlich zu verstehen, wie sich Insekten vor Infektionen mit Erregern schützen. Die entsprechenden biologischen Prozesse erforscht die Zoologin Dalial Freitak vom Institut für Biologie der Universität Graz gemeinsam mit Forschenden in den USA, Finnland und Norwegen. Dazu haben sie einen besonderen Blick auf die Ernährung der Bienen geworfen.

Im Bienenstaat wird eine Bienenkönigin ihr Leben lang von den Arbeiterinnen mit Gelee Royal gefüttert. Dieses mattgelbe puddingartige Sekret der Futtersaftdrüse und der Oberkieferdrüse entsteht aus dem gesammelten und verstoffwechselten Pollen und Nektar. Es besteht zum überwiegenden Teil aus Wasser, Proteinen, Kohlehydraten und Fetten – und manchmal auch aus winzig kleinen Teilen von Krankheitserregern.

Immunisierungseffekt für die Nachkommen

Werden die kleinsten Einheiten von Krankheitserregern in das Gelee eingebaut, wird dieses der Königin verabreichte "Superfood" sozusagen mit antibakteriellen Substanzen versetzt. "Diese gibt dann einen Immunisierungseffekt an ihre Nachkommen weiter", erklärte Freitak.

Das Gelee Royal fungiert somit gleichsam als Impfstoff, um den Nachwuchs vor Erkrankung zu schützen. Das Drüsensekret, das von Arbeiterbienen produziert und an die Königin sowie die jungen Larven im Stock verfüttert wird, erfüllt somit eine wichtige Transportfunktion. Ihre aktuellen Erkenntnisse haben die Forscher in der jüngsten Ausgabe des "Journal of Experimental Biology" veröffentlicht.

Mit der Klärung dieses Mechanismus sei ein wichtiger Grundstein gelegt, um Bienenseuchen wie die Amerikanische Faulbrut zu bekämpfen, zeigten sich die Forscher überzeugt. Ihr Ziel ist es, Vakzine gegen Bienenseuchen zu entwickeln. Ein Start-up ("Dalan Animal Health") wurde bereits gegründet. (APA, red, 26.3.2021)