John McGinn bejubelt das 2:2, Christoph Baumgartner reklamiert Abseits. Letzterer hat es aber aufgehoben.

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Glasgow – Die Reise zur WM nach Katar begann für Österreichs Fußballnationalmannschaft eher holprig. Trotz zweimaliger Führung gab es in Glasgow gegen Schottland nur ein 2:2. Es war letztendlich eine sehr durchwachsene Vorstellung gegen die Nummer 48 der Weltrangliste. Aber der Ball rollt weiter.

Es ist die Zeit des Improvisierens, das liegt in erster Linie an der Pandemie aber auch an den Unberechenbarkeiten des Fußballs. Marcel Sabitzer hatte am Vormittag im lockeren Training einen Schlag gegen den Knöchel bekommen, der Legionär von Leipzig konnte zwar gehen, aber am Abend nicht spielen.

Ein Fallrückzieher von John McGinn besorgte im Finish das 2:2.
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Und so musste Teamchef Franco Foda eine weitere Stammkraft vorgeben (Hinteregger, Baumgartlinger, Laimer, Arnautovic fehlten ja aus unterschiedlichen Gründen). Es ehrt ihn, dass er nicht um Mitleid heischte. Das Tor hütete jedenfalls Alexander Schlager vom LASK. David Alaba führte die Mannschaft als Kapitän in den leeren Hampden Park, er agierte links im Mittelfeld, also vor der von Stefan Ilsanker, Philipp Lienhart und Aleksandar Dragovic gebildeten Dreierkette.

Doppelspitze

Es wurden gleich zwei Stürmer nominiert, der zwei Meter große Sasa Kalajdzic, der Stuttgart mit seinen Toren verzückt, und Adrian Grbic. Fodas Auftrag lautete: Aggressivität, die Schotten unter Druck setzen, die zweiten Bälle erkämpfen, die Tiefe suchen und finden, schnell umschalten.

Kalajdzic hatte bereits in der ersten Minute eine passable Chance, er schoss nach Pass von Christoph Baumgartner gar nicht so weit daneben. Schottland operierte mit langen Bällen, zeigte Zweikampfstärke und Robustheit, was überhaupt keine Überraschung war.

Kein Tempo

Die Österreicher hatten mehr Ballbesitz, waren spielerisch leicht dominant, großartige Möglichkeiten wurden kaum kreiert. 17. Minute: Der quirlige Baumgartner prüft Goalie David Marshall, der besteht den Test. Es fehlten mitunter (eigentlich permanent) die Präzision, der Geistesblitz, das Tempo, das Timing, die Lösung. 25. Minute: Alaba gelingt ein Schüsschen.

Die Schotten ihrerseits geizten auch mit Gefahrenmomenten, Schlager konnte nicht zeigen, ob er eine würdige Nummer eins ist. 42. Minute, die Ausnahme: Ein schlampiges Abspiel, Lyndon Dykes fängt den Ball ab, Schlager bessert den eigenen Patzer aber aus, wehrt gegen Ryan Christie spektakulär ab. Erst unwürdig, dann würdig, nix passiert. Halbzeitfazit: ausbaufähig,

Kalajdzic, Kalajdzic

Und es wurde in der Tat etwas besser. 55. Minute: Florian Grillitsch zieht aus großer Distanz ab, Marshall kann den Aufsetzer nur kurz abwehren, Kalajdzic staubt zum 1:0 ab. Der 23-Jährige riecht das Tor, es war sein Premierentreffer im dritten Länderspiel.

Das 1:0, festgehalten auf halbem Wege.
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Im Gegenzug hat Österreich großes Glück: Ilsanker reißt im Strafraum Christie nieder, der spanische Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande reagiert nicht. Ein Segen, dass es in der WM-Qualifikation keinen Videobeweis gibt, nach Studium der Bilder hätte er auf Elfmeter entscheiden müssen. 71. Minute, der Ausgleich: Freistoßflanke, Schlager bleibt auf der Linie picken, Ilsanker lässt Grant Hanley entwischen, der köpfelt im strömenden Regen unbedrängt das 1:1.

Aber es gibt ja noch Sasa Kalajdzic. 80. Minute: Maßflanke von Stefan Lainer, der lange Mittelstürmer schraubt sich in den Glasgower Nachthimmel und köpfelt auf wunderbare Weise das 2:1. Nun entzückt er auch Österreich. Es wurden trotzdem nicht drei Punkte, denn Schottland bewies Moral.

Das 2:1, festgehalten auf halbem Wege.
Foto: REUTERS/Russell Cheyne

85. Minute: Ein spektakulärer Fallrückzieher von John McGinn beschert das 2:2. Der Schütze ist knapp nicht im Abseits gestanden, der starke Baumgartner hatte es aufgehoben. Dieser sagte: "Bitter, aber grundsätzlich ist das Ergebnis nicht schlecht." Kalajdzic trauerte den Punkten nach, fügte aber an: "Den Tag werde ich nie vergessen."

Heimflug

Österreichs Auswahl fliegt erst Freitagnachmittag zurück nach Wien, um sich seriös auf den Hit am Sonntag im Happel-Stadion gegen die Färöer vorzubereiten. Die Färinger erreichte in der Republik Moldau ein beachtliches 1:1, Gruppenfavorit Dänemark, Gast am Mittwoch in Wien, siegte in Tel Aviv vor 5000 geimpften Zuschauern gegen Israel samt Teamchef Willi Ruttensteiner souverän mit 2:0. (Christian Hackl, 25.3.2021)

Ergebnis:

Schottland – Österreich 2:2 (0:0)
Glasgow, Hampden Park, keine Zuschauer erlaubt (wegen Coronavirus-Pandemie), SR Del Cerro Grande (ESP)

Tore:
0:1 (55.) Kalajdzic
1:1 (71.) Hanley
1:2 (80.) Kalajdzic
2:2 (85.) McGinn

Schottland: Marshall – Hendry, Hanley, Tierney – O'Donnell, McTominay, McGinn, Armstrong (66. Adams), Robertson – Dykes (78. McGregor), Christie (88. McLean)

Österreich: A. Schlager – Ilsanker, Dragovic, Lienhart – Lainer, Baumgartner, Grillitsch, X. Schlager, Alaba – Kalajdzic, Grbic (68. Schaub)

Gelbe Karten: Hanley, Christie, Dykes, O'Donnell bzw. Kalajdzic, Grillitsch, Ilsanker