Auf Yangons Straßen zeigen Protestierende ihre Unterstützung für die neue Armee.

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Zivilisten im Karen-Staat fliehen vor Luftangriffen.

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Über 500 Tote, eine Vielfaches an Verletzten, Tausende festgenommen: Die blutige Bilanz in Myanmar wird mit jedem Tag seit dem Militärputsch verheerender. Gleichzeitig schwinden die Chancen auf ein baldiges Ende der Gewalt. Denn das mächtige Militär, die Tatmadaw, macht kaum Anstalten, auf Forderungen der Protestbewegung einzugehen.

Gleichzeitig vernetzen sich Vertreter der abgesetzten Regierungspartei im Untergrund und aus dem Exil immer besser. Die unter dem Namen CRPH bekannte Schattenregierung hat angekündigt, eine eigene Armee zu gründen, und zwar eine "Bundesarmee" ("Federal Army") CRPH steht für Committee Representing Pyidaungsu Hluttaw, also das Parlament des Landes. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht endlich handle, sei "ein Bürgerkrieg unausweichlich", sagte Dr. Sa Sa, internationaler CRPH-Sprecher, zu Reuters. "Weitere blutige Tage, Wochen und Monate liegen vor uns", sagte Sa Sa.

Gemeinsam mit einigen der vielen Rebellenarmeen des Landes habe man sich auf eine neue Übergangsverfassung geeinigt, kündigte er bei einem Online-Event am Wochenende an. Bereits mit rund zwölf Rebellenarmeen konnte man sich auf militärische Kooperation einigen. Unter ihnen sind so mächtige Einheiten wie die der Karen im Südosten des Landes oder die der Kachin im Norden. Auch die Arakan Army in der Unruheregion Rakhine hat angekündigt, sich den Oppositionellen anzuschließen, sollte das Töten nicht aufhören.

Bürgerkrieg in den Grenzregionen bricht erneut aus

Einheiten der Karen-Armee haben eigenen Angaben zufolge Stellungen der Tatmadaw angegriffen, nachdem diese Luftangriffe in der Region geflogen hat. Die Tatmadaw hat das Land nach 70 Jahren fast durchgehender Macht zwar fest im Griff, auch durch viele Unternehmensbeteiligungen. Doch immer mehr internationale Firmen kündigen ihre Kooperationen auf, darunter allein am Donnerstag zum Beispiel der Modehersteller Primark oder das französische Energie-Unternhmen Voltalia. Außerdem werden immer mehr Tatmadaw-Gelder im Ausland – etwa durch Sanktionen – eingefroren.

Daher sind die Hoffnungen vieler Protestierender groß, dass der Landesarmee vielleicht doch der Atem ausgeht. Eine Bundesarmee, die die verschiedenen Rebellen vereint, könnte in den Hoffnungen er CRPH-Vertreter der Tatmadaw echten Widerstand leisten. So ein Zusammenschluss wäre in der Tat historisch. Denn es ist vor allem die Uneinigkeit unter den vielen ethnischen Gruppen, die das Land seit Jahrzehnten nicht zur Ruhe kommen lässt. Gleichzeitig fürchten andere, dass so ein militärischer Widerstand bloß mit noch mehr Blutvergießen endet.

Anwalt: Aung San Suu Kyi bei guter Gesundheit

Die bisherige defacto-Staatschefin Aung San Suu Kyi, hat am Donnerstag unterdessen erstmals juristischen Beistand erhalten – wenn auch bloß über Videokonferenz. Suu Kyi wurde im Zuge des Putschs, in den frühen Morgenstunden des 1. Februars, von Militärs unter Hausarrest gestellt. Seitdem wartet sie auf weitere Anhörungen, die in den vergangenen Wochen immer wieder wegen Internetproblemen verschoben wurden.

Das Militär wirft ihr sowohl illegalen Besitz von Walkie Talkies als auch Korruption vor. Den Angaben ihrer Anwältin nach sei Suu Kyi bei guter Gesundheit. Wo genau sich die Demokratieikone des Landes aufhält, ist weiterhin unklar. Seit dem Umsturz wurde sie nicht mehr öffentlich gesehen. (Anna Sawerthal, 31.3.2021)