"Menschenrechte schützen", stand auf dem Transparent.

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Dänische Demütigung: Österreich verliert in der WM-Qualifikation mit 0:4

Wien – Das österreichische Herren-Fußball-Nationalteam hat vor dem Qualifikationsmatch zur WM 2022 gegen Dänemark ein Zeichen gesetzt. Die ÖFB-Auswahl hielt am Mittwochabend im Ernst-Happel-Stadion während der Nationalhymne ein Banner hoch, auf dem geschrieben stand: "Menschenrechte schützen".

Damit macht Österreichs Nationalmannschaft auf die Situation um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2022 in Katar aufmerksam. Laut einem Bericht des Guardian sind bei den Bauarbeiten zum Großevent im Winter kommenden Jahres bereits 6.500 Gastarbeiter verstorben. Die Menschenrechtssituation im Austragungsland der Endrunde 2022 ist prekär.

In Kauf genommen

"Natürlich ist die Situation nicht mit der in Ländern in der freien demokratischen Welt vergleichbar, das hat man aber bei der Vergabe an Katar mitbedenken müssen und offensichtlich in Kauf genommen", hatte ÖFB-Präsident Leo Windtner am Samstag gesagt. Einen Boykott bei einer möglichen Qualifikation zur WM schloss der Funktionär vorerst aber aus. Dies wurde in anderen Ländern, allen voran Norwegen, zuletzt offen debattiert.

Der Verband von ÖFB-Gegner Dänemark hatte schon vor seinem vergangenen Quali-Spiel gegen die Republik Moldau (8:0) eine Stellungnahme abgegeben, die WM in Katar auszurichten nicht für die richtige Entscheidung zu halten. Die dänischen Spieler trugen auch in Wien beim Mannschaftsfoto Aufwärmshirts mit der Aufschrift "Football Supports Change" (Fußball unterstützt Veränderung).

Wir für 30

Parallel zum Ländermatch Österreich gegen Dänemark setzte auch Deutschlands Nationalteam ein Zeichen. Vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Nordmazedonien am Mittwoch in Duisburg versammelten sich die Spieler hinter einem Transparent mit der schwarz-rot-goldenen Aufschrift "Wir für 30" – ein neuerlicher Hinweis auf die 30 Artikel der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen.

DFB-Spieler Toni Kroos hat den kommenden WM-Gastgeber in bisher nicht gehörter Deutlichkeit kritisiert und will auch während der Endrunde seine Stimme für Menschenrechte erheben. "Die Gastarbeiter haben da ein pausenloses Arbeiten bei 50 Grad Hitze, sie leiden unter mangelnder Ernährung, fehlendem Trinkwasser, was bei den Temperaturen ein Wahnsinn ist", sagte der Mittelfeld-Star von Real Madrid im Podcast "Einfach mal luppen" mit seinem Bruder Felix.

Kroos, der bereits vor dem Island-Spiel verletzt abgereist war, nannte die Vergabe ans Emirat im Jahr 2010 "falsch" und sprach auch die Verfolgung Homosexueller an. Einen Boykott der WM befürwortet er wie der DFB nicht. (red, APA, sid, 31.3.2021)