In einem nächsten Schritt will man sich in Vorarlberg die Auswirkungen der Coronakrise auf das Suchtverhalten ansehen.

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Bregenz – In den ländlichen Gebieten Vorarlbergs werden deutlich weniger illegale Drogen konsumiert als in den urbaneren, am wenigsten in den touristischen Regionen. Das zeigt eine österreichweit einzigartige Studie, die auf Abwasserspuren von legalen und illegalen Drogen aus dem Februar 2020 basiert, teilte das Land Vorarlberg am Mittwoch mit. Häufigstes illegales Suchtgift blieb demnach Cannabis.

Alkohol wurde laut der Studie im ländlichen Bereich mehr als im (semi)urbanen konsumiert, der Nikotinkonsum war vor allem in den vom Tourismus geprägten Regionen niedrig. "Die Studie zeigte, dass die ländlichen Regionen Vorarlbergs einen deutlich niedrigeren Pro-Kopf-Verbrauch an illegalen Drogen als urbane Regionen aufweisen. Die niedrigsten Pro-Kopf-Umsätze wurden in den vom Tourismus dominierten Regionen beobachtet", sagte Herbert Oberacher, wissenschaftlicher Leiter der Studie.

Alle Bevölkerungsschichten

Unter den illegalen Drogen ist Cannabis dem mehrjährigen Trend entsprechend die führende Substanz im Land, schreibt die Stiftung Maria Ebene – Vorarlbergs Kompetenzzentrum für alle Suchtfragen. Unter den stimulierenden illegalen Substanzen dominierte Kokain, gefolgt von Amphetaminen und MDMA (Ecstasy). Beim Heroin zeigte sich ein weiter rückläufiger Trend. Die Studienergebnisse deckten sich mit den Erfahrungen aus der Drogenberatung ebenso wie mit den Ergebnissen österreichweiter Untersuchungen.

"Für uns ist diese Untersuchung sehr wertvoll, weil Proben über den Zeitraum von einer ganzen Woche untersucht wurden. Die Ergebnisse zeigen somit auch, dass Tourismus in Vorarlberg in dieser Hinsicht keine wesentliche Rolle zu spielen scheint. Der Suchtmittelkonsum stellt damit klar ein Vorarlberger Problem dar und ist kein temporäres oder importiertes Phänomen", erklärte Philipp Kloimstein, Primar und ärztlicher Leiter der Stiftung Maria Ebene. Problematisches Suchtverhalten finde nicht nur am Rand der Gesellschaft, sondern in allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen statt, hieß es in der Aussendung des Landes.

Corona-Krise spürbar

Das Abwasser der 17 größten Vorarlberger Kläranlagen wurde für die Studie im Auftrag des Landes am Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Innsbruck unter der wissenschaftlichen Verantwortung von Herbert Oberacher, Leiter des forensisch-toxikologischen Forschungslabors, untersucht. Kläranlagen-Mitarbeiter entnahmen über jeweils 24 Stunden Abwasserproben. An die untersuchten Anlagen sind 78 Gemeinden angeschlossen, in denen mit knapp 380.000 Einwohnern 96 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung leben.

"Wir brauchen gute Datenerhebungen, um in bewährter Zusammenarbeit mit Gesundheits- und Sozialeinrichtungen weiterhin rasch, flexibel und gezielt auf mögliche Veränderungen der lokalen Drogensituation reagieren zu können. Der vorliegende Abwasserbericht ist in diesem Sinne ein umfassendes und in dieser Breite nahezu einzigartiges Projekt", so Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP). Die Stiftung Maria Ebene hoffte auf eine Fortführung der Untersuchung – auch, um Auswirkungen der Corona-Krise feststellen zu können, die in der Suchtberatung bereits spürbar seien. (APA, 7.4.2021)