Die Bayern konnten es nicht fassen, sie vermissten den Killerinstinkt von Lewandowski.

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Die Pariser bedankten sich bei Mbappe.

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München – Teil eins der Finalrevanche ist Paris Saint-Germain gelungen. Titelverteidiger Bayern und David Alaba stehen nach der 2:3-Heimniederlage im Viertelfinal-Hinspiel der Fußball-Champions-League am Mittwoch vor dem Aus, die Münchner gaben sich aber kämpferisch. "Wir wollen ins Halbfinale, daran ändert auch dieses Ergebnis nichts", betonte Coach Hansi Flick nach der ersten Champions-League-Niederlage der Bayern seit März 2019.

Flick lobte seine Mannschaft für ihr unermüdliches Anrennen, konnte freilich die Abwehrschwächen nicht wegdiskutieren. "Wir haben auch Fehler gemacht, die schmerzen ganz besonders, alle drei Tore waren zu verhindern", sagte er.

Mangelhafte Effizienz

Zwei Tore von Kylian Mbappe (3., 68.) und eines von Kapitän Marquinhos (28.) ließen das gnadenlose PSG-Ensemble mit Vorlagengeber Neymar jubeln, dagegen fehlte den Münchnern ohne ihren verletzten Weltfußballer Robert Lewandowski diese Effizienz. Dass die Chancen vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag eher schlecht stehen, haben sich die Münchner freilich selbst zuzuschreiben. 31:6 Torschüsse, 15:1 Eckbälle – aber nur Treffer von Eric Maxim Choupo-Moting (37.) und Thomas Müller (60.). Paris dagegen nutzte seine wenigen Chancen, die ihnen die Bayern durch ihr schlechtes Abwehrverhalten boten, eiskalt aus.

"Wenn wir den Killerinstinkt an den Tag legen, den wir oft sonst zeigen, sähe alles anders aus", haderte Müller, der wie Lewandowski-Ersatz Choupo-Moting nach 0:2-Rückstand für die Bayern auf dem Weg zum 2:2-Zwischenstand traf. "Wir haben uns das Ei selbst ins Nest gelegt. Jetzt müssen wir dem Rückstand hinterherlaufen."

"Vor allem die Effizienz hat den Ausschlag gegeben", sagte Mbappe, bei dessen 1:0 der im Finale von Lissabon 2020 herausragende Manuel Neuer im Bayern-Tor unglücklich aussah. "Aber noch ist nichts gewonnen, es gibt noch das Rückspiel", sagte der schon im Achtelfinale gegen Barcelona treffsichere Mbappe.

Statistik gegen Bayern

In 34 Fällen erreichte eine Mannschaft noch die nächste Runde der Königsklasse, wenn sie das Hinspiel mit einem Tor Rückstand verlor. Bei einer Heimniederlage mit einem Tor Unterschied kamen aber nur vier Teams weiter, bei einem 2:3 zu Hause noch keines. Im Rückspiel am Dienstag in Paris könnten den Bayern bei der Kür des Halbfinalgegners für Manchester City oder Borussia Dortmund aber gleich vier Leistungsträger fehlen. Nachdem Flick im Hinspiel außer auf den am Knie verletzten Lewandowski auch auf Serge Gnabry nach einem positiven Corona-Test verzichten musste, plagen sich nun die schon in der ersten Spielhälfte ausgewechselten Leon Goretzka und Niklas Süle mit muskulären Problemen herum.

"Ich weiß nicht, wie es nächste Woche ausschaut", sagte Flick. Mit einer überraschenden Blitz-Rückkehr von Lewandowski rechnet der 56-Jährige zudem ebenso wenig wie der Super-Torjäger selbst. "Nein, das ist immer noch zu früh", versicherte Lewandowski. Bayern-Vorstand Oliver Kahn gab sich kämpferisch. "So ist das im Fußball: Die Mannschaft hat sich nicht belohnt, und Paris – brutalst effektiv", betonte der 51-jährige. "Aber wir sind Bayern München, und es gibt noch ein Rückspiel."

Chelsea wieder auf Kurs

Neben PSG jubelte am Mittwoch auch Chelsea. Das 2:0 über den FC Porto im Hinspiel, das ebenso wie das Rückspiel coronabedingt in Sevilla ausgetragen wird, kam nach dem 2:5 gegen Abstiegskandidat West Bromwich Albion gerade richtig. Torschütze Mason Mount, einer der Besten bei den Blues, lobte seine Teamkollegen. "Wir haben viel Charakter und Leidenschaft gezeigt, der Job ist aber erst halb erledigt", sagte der 22-jährige Engländer. Coach Thomas Tuchel resümierte: "Wir sind glücklich, aber nicht zu glücklich." (APA, dpa, sid, red, 8.4.2021)

PRESSESTIMMEN (zu Bayern vs. Paris SG)

  • Frankreich

L'Equipe: "Das perfekte Verbrechen. Wenn man vernünftig wäre, würde man sofort daran erinnern, dass es nichts zu feiern gibt und das der Sinn dieses verrückten und wunderbaren Spiels darin liegt, es fortzusetzen und noch eine Woche eine Heidenangst zu haben, dass die Geschichte noch schlecht ausgeht. Aber wenn man vernünftig wäre, würde man diese fiebrigen Abende, diesen Geruch eines Heldengedichtes, diese Mythologie eines Spieles im Schnee und diese Siege, die jeder Logik widersprechen, nicht lieben."

Ouest France: "Als Sieger von München reist Paris jetzt 1. Klasse."

Liberation: "Mbappe war furchterregend. Nach den letzten Ergebnissen beider Mannschaften könnte man meinen, der Fußball sei in München auf den Kopf gestellt worden. Aber nein, der Fußball gehört den Spielern, und die machen mit ihm, was sie wollen."

Le Monde: "Der Sieg an diesem 7. April stellt alle meteorologischen und statistischen Wahrscheinlichkeiten auf den Kopf. Bei Bedingungen, die eher einem Biathlon-Rennen glichen als einem Champions-League-Viertelfinale. Auf den Dauerbeschuss haben die Pariser mit klinischer Präzision reagiert."

Le Figaro: "Spielerische Klasse, Solidarität, Erfolgswille – das sind die Schlüssel zum Pariser Wunder von München. Paris hatte den kleinen Schubs des Schicksals, der in den letzten Jahren so oft gefehlt hat."

  • Spanien

Marca: "Mbappe und Neymar schlagen den Meister in einem epischen Spiel. Einfach ein herausragendes, brillantes, denkwürdiges und spektakuläres Spiel. Vielleicht wäre mit Lewandowski ein anderes Ergebnis zustande gekommen."

As: "Mbappe ist eine Bestie. Mbappe erobert München. Man braucht niemandem zu sagen, dass man die Bayern nie für tot erklären soll. Bayern vermisste Lewandowski schmerzlich."

Sport: "Süße Rache von PSG. Bayern war ein offensiver Wirbelsturm gegen die Gallier, doch Keylor Navas hielt hinten den Laden zusammen. PSG nimmt eine wertvolle Beute mit nach Paris, doch der Meister ist lange nicht tot."

El Mundo Deportivo: "Mbappe lässt die Bayern zu Eis erstarren und ebnet die Revanche von PSG."