Auch die Berufsfeuerwehr von Los Angeles hat Löschfahrzeuge von Rosenberger, dem Weltmarktführer, im Einsatz.


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Die Betroffenheit durch Corona ist bei Unternehmen unterschiedlich ausgeprägt, auch verschieden stark und abhängig von der Branche, in der sie tätig sind. Das zeigt das Beispiel Rosenbauer.

Der Feuerwehrausrüster aus Leonding bei Linz hat 2020 nicht nur einen Rekordumsatz von mehr als einer Milliarde Euro erzielt, sondern auch mehr Gewinn. Das Unternehmen ist als Weltmarktführer bei Löschfahrzeugen im sicherheitskritischen Infrastrukturbereich tätig, der relativ gut gefeit ist vor konjunkturellem Auf und Ab. Flughafenbetreiber etwa müssen darauf achten, dass im Fall eines Brands genug Löschfahrzeuge bereitstehen, auch wenn weniger geflogen wird, wie das im Vorjahr der Fall war.

Volle Auftragsbücher

In das Jahr 2021 ist Rosenbauer mit vollen Auftragsbüchern gestartet. Die Unternehmensleitung rechnet heuer mit ähnlich viel Umsatz wie 2020 und einer anhaltend guten operativen Marge – sprich Gewinn. 2020 hat Rosenbauer in Summe 2238 Feuerwehrfahrzeuge ausgeliefert, darunter erstmals auch einige elektrisch betriebene.

Für die elektrischen "RT", die in Amsterdam, Berlin und Dubai als Vorserienfahrzeuge im Einsatz sind, brauche es noch drei, vier Jahre, bis die Nachfrage anspringen werde, sagte Rosenbauer-Chef Dieter Siegel bei der Bilanzpräsentation am Freitag. Heuer werde man diese E-Fahrzeuge in niedriger zweistelliger Stückzahl zu bauen beginnen. In zehn Jahren sollten dann höhere Anteile bei elektrisch betriebenen Löschfahrzeugen erreicht werden.

Kunden könnten Städte wie Los Angeles, Tokio, Peking, London, Berlin oder Wien sein. Der Weltmarkt für elektrisch betriebene Feuerwehrautos könnte im Jahr 2030 rund 3000 Stück ausmachen. Zum Vergleich: Aktuell werden in Summe weltweit an die 20.000 Löschfahrzeuge pro Jahr verkauft.

Starke Marktdynamik in USA

Im zweiten Halbjahr 2020 habe sich die Nachfrage nach Feuerwehrtechnik erholt, sodass nach dem leichten Wachstum im Vorjahr heuer mit einer Seitwärtsbewegung der globalen Branche zu rechnen sei. Wachstumschancen sieht Siegel insbesondere in Europa und im Mittleren Osten. Die Nachfrage in Nordamerika erwartet er stabil. Siegel: "Wir haben eine sehr gute Marktdynamik in den USA, der größte Markt der Welt bietet gutes Zukunftspotenzial für uns."

In den USA hofft Rosenbauer, am Konjunkturprogramm der Regierung Biden mitzunaschen. Von diesem könnten an die 60 Milliarden Dollar (50,5 Milliarden Euro) in Richtung E-Mobilitätsförderung gehen.

Ebit auf All-Time-High

2020 hat Rosenbauer in keiner Region Umsatz verloren. Mit 1,044 Milliarden Euro lag das Umsatzplus bei 6,8 Prozent. Den Gewinn (Periodenergebnis) konnte Rosenbauer um 18,7 Prozent auf 41,1 Millionen Euro steigern. Das operative Ergebnis (Ebit) wuchs von 51,9 auf 57,9 Millionen Euro – ein All-Time-High. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren – die Dividende wird vorbehaltlich der Zustimmung der Hauptversammlung von 0,80 auf 1,50 Euro je Aktie angehoben.

Nein zu Impftourismus

Zum Thema "Impfungen" hat Siegel eine andere Meinung als manch anderer Firmenchef. Er halte es für keine gute Entwicklung, dass sich "einige 100.000 Unternehmen" eigene Impfkontingente besorgen, wenn sich 190 Länder weltweit ebenfalls darum bemühen würden. Da werde man "unterm Strich die Gesellschaft nicht geordneter durchimpfen können", sagte Siegel.

Er "bewundere" jede Firma, die das Risiko für einen Impfstoff und die möglichen Nebenwirkungen übernehme. Er sehe das "nicht als die Rolle von Unternehmen". Ja, in den USA seien an einzelnen Standorten von Rosenbauer "schon fast alle" geimpft. "Aber wir streben deshalb keinen Reisetourismus in die USA an."

(Günther Strobl, 10.4.2021)