Sie sollen ein Gegengewicht zu renommierten US-Universitäten und Orte exzellenter Forschung und Lehre werden: die European-Universities-Allianzen der Europäischen Union. 41 Netzwerke wurden 2019 und 2020 genehmigt, acht der 279 beteiligten Hochschulen sind aus Österreich: die Fachhochschulen St. Pölten, Vorarlberg, das Management Center Innsbruck sowie die Unis Graz und Innsbruck, die Montanuni Leoben, die Wirtschaftsuni und Uni für Bodenkultur.

Nachhaltige Innovationen sollen von den Hochschulen in die Gesellschaft getragen werden.
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Nun soll das Projekt mehr Gestalt annehmen. Die FH St. Pölten soll mit dem Netzwerk Eudres (Engaged and Entrepreneurial European University as Driver for European Smart and Sustainable Regions) ein Pilotprojekt erarbeiten, wie die European Universities in der Praxis aussehen könnten. Und als Koordinatorin gemeinsam mit 43 Fakultäten von kleinen und regional verankerten Hochschulen in Belgien, Lettland, Portugal, Rumänien und Ungarn überlegen, wie smarte und nachhaltige Regionen entwickelt werden können.

Inhaltlich will das Projekt nämlich zum "Treiber für intelligente und nachhaltige europäische Regionen" werden, sagt Hannes Raffaseder, Projektleiter und Chief Research and Innovation Officer der FH St. Pölten, zur APA. Immerhin lebt der Großteil der europäischen Bevölkerung in kleinen oder mittelgroßen Städten und deren Umland. Dort soll die hohe Lebensqualität erhalten bleiben und gleichzeitig in den regional verankerten KMUs zukunftsweisende und nachhaltige Arbeitsplätze entstehen.

Nachhaltige Forschungsprojekte

Die drei Themenfelder in der Forschung: Kreislaufwirtschaft, Wohlbefinden humane Nutzung künstlicher Intelligenz. Dazu wurden institutsübergreifende Forschergruppen eingerichtet, die etwa auch gemeinsam europäische Forschungsanträge stellen können.

So will man vom Bild der Hochschulen als akademischer Elfenbeinturm wegkommen. Die Kluft zwischen dem, was die Hochschulen beforschen, und dem Bedarf der lokalen Wirtschaft sei laut Raffaseder teilweise noch groß. Während sich etwa Forschende mit Blockchain und künstlicher Intelligenz beschäftigen, habe ein großer Teil der KMUs noch nicht einmal einen Webauftritt, der dem State of the Art entspricht. In Europa müsse die Geschwindigkeit, mit der Innovationen von den Hochschulen in die Märkte oder in die Gesellschaft gebracht werden, noch deutlich gesteigert werden, sagt Raffaseder.

Auch bei der Wissensvermittlung an den Hochschulen soll das EU-Projekt Besserungen schaffen. Hier gibt es laut Raffaseder eine intensive Zusammenarbeit zu neuen didaktischen Konzepten, die weit über das hinausgehe, was im Rahmen der bisherigen Austauschprogramme für Studierende und Mitarbeiter passiert sei. Auch gemeinsam konzipierte Lehrveranstaltungen (Joint Modules) stehen in diesem Semester und im nächsten Wintersemester bereits zur Wahl, wenn auch noch lange nicht flächendeckend.

Mittel- bis langfristig soll Eudres zu einer Europäischen Universität werden, bei der die Institutionen zwar eigenständig bleiben, aber zu einem gemeinsamen Campus mit mehreren über Europa verteilten Standorten zusammenwachsen. Studierende sollen sich an einer Hochschule einschreiben und an allen an der Allianz beteiligten studieren können. Als Abschluss soll es ein European Degree geben. Derzeit verhindern das aber noch die unterschiedlichen nationalen Gesetze. Mehr als ein Vermerk im Diploma Supplement des Abschlusszeugnisses ist vorerst nicht möglich. (APA, set, 14.4.2021)