Sechs Fälle von Blutgerinnseln führen zu einer Aussetzung von Impfungen mit dem Vakzin von Johnson & Johnson.

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Washington – Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen verschiebt der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson die Auslieferung seines Corona-Impfstoffs in Europa. "Wir haben die Entscheidung getroffen, die Markteinführung unseres Impfstoffs in Europa aufzuschieben", erklärte der Konzern am Dienstag. In Österreich traf am Montag eine erste Lieferung des Vakzins ein. Diese Dosen werden nun vorerst nicht verimpft. Die EU-Kommission will nun eine Erklärung des Konzerns, wie es zu dieser kurzfristigen Entscheidung kam.

Zuvor hatten die Behörden in den USA eine vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson empfohlen, nachdem bei sechs Menschen im Land nach der Impfung Sinusvenenthrombosen diagnostiziert worden waren. Das teilten die Gesundheitsbehörde CDC und die Arzneimittelbehörde FDA am Dienstag in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Die Fälle würden nun genauer untersucht. Bis ein Ergebnis vorliege, werde als Vorsichtsmaßnahme die vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit Johnson & Johnson empfohlen.

Sechs Fälle bei knapp sieben Millionen Impfungen

Bei den sechs Fällen handelt es sich um Frauen im Alter zwischen 18 und 48 Jahren. Bei diesen traten Sinusvenenthrombosen und ein Mangel an Blutplättchen sechs bis 13 Tage nach der Impfung auf. Eine Frau ist gestorben, eine weitere befindet sich laut FDA in einem kritischen Zustand.

Der Infektiologe Amesh Adalja vom Johns Hopkins Center in Baltimore sprach dennoch von einem sehr geringen Risiko. "Sechs Fälle bei etwa sieben Millionen Dosen – geringer als das Risiko von Blutgerinnseln mit oralen Kontrazeptiva (Antibabypille, Anm.) – sind kein Grund zur Panik." Bisher sind mehr als 6,8 Millionen Dosen des Impfstoffes, der Ende Februar in den USA zugelassen worden war und von dem es nur eine Dosis braucht, in den USA gespritzt worden.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hatte vergangene Woche mitgeteilt, Fälle von Thrombosen nach einer Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson zu prüfen. Es seien vier ernsthafte Fälle von Blutgerinnseln aufgetreten, eine Person sei gestorben. Die Behörde hatte betont, dass ein Zusammenhang mit dem Impfstoff des US-Herstellers noch nicht festgestellt worden sei.

Impfstoff in Österreich nicht verteilt

Am Montag hatte Johnson & Johnson mit der Lieferung seines im März zugelassenen Impfstoffes in die EU-Staaten begonnen. Auch Österreich erhielt 16.800 Dosen. Diese wurden allerdings noch nicht weiterverteilt, sondern liegen noch beim Großhandel. "So lange, bis Klarheit über allfällige Nebenwirkungen herrscht, werden diese Dosen nicht an die Impfstellen ausgeliefert und auch nicht verimpft", hieß es seitens des Gesundheitsministeriums. Bestellt wurden 2,5 Millionen Dosen.

Die nächste Lieferung von 31.200 Vakzinen wird für die Kalenderwoche 17 erwartet. Die folgenden Auslieferungen sind noch nicht fixiert. Zuletzt gab der Konzern bekannt, dass 15 Millionen Dosen versehentlich kontaminiert wurden.

Ähnliche Probleme bei Astra Zeneca

Seltene Thrombosefälle hatten in den vergangenen Wochen schon für Unruhe gesorgt, was den Impfstoff von Astra Zeneca angeht. Mehrere Länder schränkten den Einsatz des Impfstoffs deshalb ein, unter anderem Deutschland. Die EMA erklärte in der vergangenen Woche, dass zwar ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und sehr seltenen Thrombose-Fällen festgestellt worden sei. Der Nutzen der Impfung sei aber weiter größer als das Risiko.

Das Vakzin von Johnson & Johnson ist wie das von Astra Zeneca ein sogenannter Vektorimpfstoff, der auf einem harmlosen Erkältungsvirus basiert. Auf dieser Technologie beruht auch der russische Corona-Impfstoff Sputnik V. Die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna basieren dagegen auf der sogenannten Boten-RNA (mRNA). Bei den mRNA-Impfstoffen wurden nach Angaben eines Vertreters der US-Behörde CDC noch keine Thrombose-Fälle mit einem Mangel an Blutplättchen festgestellt. (APA, red, 13.4.2021)