Die deutsche Wirtschaft soll sich bis zum kommenden Jahr erholen.

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Die führenden Institute senken ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft für heuer wegen der dritten Coronawelle deutlich. Sie rechnen nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 3,7 Prozent, wie aus der aktuellen Gemeinschaftsdiagnose für die Regierung hervorgeht. Im Herbst waren sie noch von 4,7 Prozent ausgegangen, doch ist Europas größte Volkswirtschaft wegen der Coronabeschränkungen wohl schwächer als erwartet ins Jahr gestartet.

Die heute veröffentlichten Schätzungen dienen der deutschen Regierung als Basis für ihre eigenen Projektionen, die wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden. Der deutsche Bund geht bisher von 3 Prozent Wachstum im laufenden Jahr aus.

Normalauslastung erst 2022

Sobald die Infektionsgefahren in erster Linie durch das Impfen gebannt seien, werde eine kräftige Erholung einsetzen, erklären die Ökonomen in ihrem Frühjahrsgutachten. Für 2022 erhöhten sie deshalb ihre Wachstumsprognose, und zwar von 2,7 auf 3,9 Prozent. Dann solle vor allem der private Konsum zur Erholung beitragen, während heuer besonders die Exporte die Konjunktur stützen dürften – vor allem wegen der höheren Nachfrage aus den USA und China. 2020 war das Bruttoinlandsprodukt wegen der Coronakrise um 4,9 Prozent eingebrochen. Etwa Anfang kommenden Jahres dürfte die Wirtschaft zur Normalauslastung zurückkehren, erwarten die Institute.

"Die Entwicklung der Pandemie ist weiterhin das bedeutendste Abwärtsrisiko für die Prognose", warnen die Forscherinnen und Forscher. "Nach wie vor kann es bei der Lieferung von Impfstoffen und Tests zu Engpässen und Verzögerungen kommen." Auch könnten neue Virusmutation die Öffnung der Wirtschaft stoppen, was die Erholung abermals zurückwerfen würde.

Ab Mai soll Zahl der Arbeitslosen sinken

Mit den erwarteten Lockerungen dürfte die Erholung der Beschäftigung an Fahrt gewinnen. Die Zahl der Erwerbstätigen soll in diesem Jahr um 26.000 zulegen, 2022 um mehr als eine halbe Million. Dabei soll das Vorkrisenniveau im ersten Halbjahr 2022 erreicht werden. Bereits ab diesem Mai soll die Zahl der Arbeitslosen verstärkt sinken. Die öffentlichen Haushalte dürften heuer ein Defizit aufweisen, das mit 159 Milliarden Euro etwas größer wäre als 2020. Zwar sollten konjunkturellbedingt die Steuereinnahmen zunehmen. Dem stünden jedoch Ausgaben für Impfungen und Tests gegenüber.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben sich angesichts der in der Coronakrise steigenden Staatsschulden für ein höheres Pensionsalter in Deutschland ausgesprochen. Es werde eine Herausforderung, die Staatsfinanzen nach der Pandemie wieder auf eine solide Basis zu stellen, heißt es in der am Donnerstag vorgelegten Frühjahrsprognose. Angesichts der älter werdenden Bevölkerung spiele dabei vor allem die Pensionsversicherung eine Rolle. Ein höheres Pensionsalter könne die Staatsfinanzen stützen.

Risiko besteht weiter

Trotz aufgehellter Konjunkturperspektiven sehen die Wirtschaftsforscher Risiken für die Banken und die internationale Finanzstabilität. Die Geldhäuser seien bisher zwar glimpflich durch die Krise gekommen, heißt es in dem am Donnerstag vorgelegten Gutachten. Die Forscher warnen zugleich: "Ein beträchtliches Risiko geht aber vor allem davon aus, dass mit dem Zurückfahren staatlicher Stützungsmaßnahmen die Zahl der Unternehmensinsolvenzen spürbar steigt und dann immer mehr Kredite uneinbringlich werden."

Eine weitere Gefahr bestehe darin, dass in vielen Ländern die Regulierungsbehörden die Anforderungen hinsichtlich der Hinterlegung der Darlehen mit Eigenkapital gesenkt haben, damit die Banken die Kreditgewährung aufrechterhalten. Teils seien die Mindestanforderungen unter die Standards gemäß dem Basler Abkommen zur Regulierung der Geldhäuser gesenkt worden. Dies sehen die Forscher um das Essener Institut RWI kritisch: "Es besteht das Risiko, dass dadurch die Glaubwürdigkeit der international vereinbarten Standards beeinträchtigt wird, was die Finanzstabilität gefährden kann." (APA, 15.4.2021)