Chrome 90 ist da.

Foto: Mark Lennihan / AP

Es gab eine Zeit, da war der Umgang mit Datensicherheit noch etwas – freundlich gesagt – naiver, als es heute der Fall ist. Doch dann folgten die Snowden-Enthüllungen, die klarmachten, in welch umfassendem Ausmaß Geheimdienste wie NSA oder GCHQ das weltweite Netz und somit die dort transportierten Informationen überwachen. Die Folge war auch bei manch großem IT-Konzern kaum versteckte Empörung – und ein technisches Aufrüsten, um zumindest solch massenhafte Überwachung zu erschweren. Ein wichtiges Puzzlestück bildet dabei der Wechsel auf HTTPS, also die verschlüsselte Variante des Hypertext Transfer Protocol (HTTP), die seitdem von mehreren Unternehmen massiv forciert wurde.

Eine der umtriebigsten Firmen in diesem Bereich war von Anfang an Google, mittlerweile erfolgen 95 Prozent des Datenverkehrs zu Google-Servern transportverschlüsselt. Den Rest verursachen dann vor allem veraltete Geräte oder Webseiten, aber auch Länder, die versuchen, den HTTPS-Verkehr zu blockieren. Was aber besonders erfreulich ist: Von den weltweit hundert am meisten besuchten Webseiten bieten mittlerweile alle eine HTTPS-Variante an, 97 nutzen diese sogar bereits als Standardoption.

Umdenken

Angesichts dieser Realität hat sich Google nun zu einem symbolischen Schritt entschlossen. Mit dem neuen Chrome 90 wird HTTPS als Default-Wahl genutzt. Das heißt, der Browser probiert immer zuvor aus, ob es eine HTTPS-Version gibt; nur wenn eine solche nicht vorhanden ist, wird auf HTTP zurückgefallen. Bislang musste ein solches Verhalten über Browser-Erweiterungen wie HTTPS Everywhere erzwungen werden. Ein positiver Nebeneffekt dieser Änderung ist, dass der erste Zugriff auf HTTPS-Seiten nun schneller erfolgt, da eben die vorherige Frage nach einer HTTP-Version ausbleibt.

AV1

Eine zweite große Neuerung in Chrome 90 ist die Aufnahme eines AV1-Encoders. Damit können direkt im Browser Videos in dem noch recht neuen – und von einem großen Teil der Industrie unterstützten – Format erstellt werden. Mit diesem Schritt will Google die AV1-Verbreitung beschleunigen, vor allem mit dem Blick auf Videotelefonie. Soll doch das neue Codec diese Aufgaben deutlich datensparsamer als seine Vorgänger erledigen. So sollen Videoübertragungen bereits ab einer Übertragungsrate von 30 kbit/s möglich sein.

Sicherheit

Parallel dazu bereinigt Chrome 90 auch wieder eine ganze Reihe von Sicherheitslücken. Ein vor kurzem bekannt gewordener, besonders kritischer Bug wurde noch kurz zuvor über ein Notfall-Update für Chrome 89 ausgeräumt.

Wie gewohnt wird die neue Version automatisch an sämtliche Nutzer ausgeliefert – egal ob sie unter Windows, Linux oder macOS zu finden sind. Auch eine neue Version für Android wurde bereits veröffentlicht. (apo, 15.4.2021)