Ein großflächiges Porträt des verstorbenen Herzog von Edinburgh in einem Fenster in Windsor.

Foto: AP / Alastair Grant

In den vergangenen Tagen haben britische Medienkonsumenten viel lernen können über die Besonderheiten militärischer Landrover, die Zusammenhänge des europäischen Hochadels und alte Traditionen der Royal Navy. Vor der Trauerfeier für Prinz Philip an diesem Samstag auf Schloss Windsor hat der höchste anglikanische Geistliche die Briten aber an das Wesentliche dieses Tages erinnert: die öffentliche Trauer der engsten Angehörigen, vor allem aber einer 94-jährigen Witwe um ihren Mann nach mehr als 73 Ehejahren. Queen Elizabeth II stehe "ein Moment tiefen Schmerzes" bevor, sagte Erzbischof Justin Welby und bat die Bevölkerung, ob gläubig oder nicht, um ihre Anteilnahme für die Monarchin.

Schlanke Zeremonie

Der am vergangenen Freitag 99-jährig verstorbene Herzog von Edinburgh hatte das ihm zustehende Staatsbegräbnis schon vor langer Zeit abgelehnt. Doch wären die Trauerfeierlichkeiten für den Abkömmling des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg unter normalen Umständen deutlich reichhaltiger ausgefallen als die schlanke Zeremonie, auf die sich das Königshaus wegen der Covid-Pandemie beschränken muss.

"Operation Forth Bridge", so der Codename, orientiert sich in vielerlei Hinsicht an der Beisetzung der legendären Queen Mum ("Tay Bridge"), die 2002 im 102. Lebensjahr gestorben war. Damals wie heute wurde dem Land eine siebentägige Staatstrauer verordnet. Von ihr war diese Woche wenig zu spüren, sieht man von den schwarzen Krawatten der Politiker im Unterhaus und der Verlegung einiger Fußballspiele an diesem Samstag ab – und von der Gleichschaltung der BBC-Fernsehkanäle an Philips Todestag, für die sich der öffentlich-rechtliche Sender mehr als 110.000 Beschwerden einhandelte.

Prozession mit Landrover

Die Berichterstattung am Samstag vom frühen Nachmittag an dürfte deutlich weniger Anstoß erregen, zumal der Buckingham-Palast der Bevölkerung ausdrücklich von der Reise ins Städtchen Windsor dreißig Kilometer westlich von London abriet. Ohnehin spielt sich das Geschehen innerhalb des Schlossbezirks ab.

Der Sarg mit den sterblichen Überresten des Prinzen wird kurz vor dem Trauergottesdienst in der Schlosskirche St. Georg, der um Punkt 16 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit beginnt, aus dem Schloss selbst überführt. Während die betagte Königin den kurzen Weg im königlichen Bentley zurücklegt, folgen Kinder und Enkel des Verstorbenen sowie Angehörige des Hofstaats dem Sarg zu Fuß. Dieser ruht auf einem Landrover, dessen Umbau für den feierlichen Zweck der damals 82-jährige Prinz 2003 in Angriff nahm.

Engster Familienkreis

Dass die Prinzen William und Harry auf dem etwa sieben Minuten dauernden Weg ihren Vetter Mark Phillips, Philips ältesten Enkel, zwischen sich haben werden, galt den britischen Medien als weiteres Indiz für das Zerwürfnis der beiden Söhne von Thronfolger Prinz Charles. Harrys hochschwangere Frau Meghan blieb auf Anraten ihrer Ärzte in Kalifornien. In dem gewaltigen, spätgotischen Gotteshaus selbst, in dem zu normalen Zeiten 800 Menschen Platz finden – die Weltöffentlichkeit kennt den Schauplatz von der Trauung des Prinzen Harry und Meghan Markle im Mai 2018 –, bleiben gemäß der geltenden Corona-Regeln die 30 nächsten Angehörigen des Herzogs unter sich. Sogar Premierminister Boris Johnson hatte auf seine eigentlich obligatorische Teilnahme verzichtet, um der erweiterten Familie – neben der Witwe vier Kinder, neun Enkel und zehn Urenkel sowie Cousins – Platz zu schaffen.

Die Trauernden werden im prächtigen Chorgestühl Platz nehmen. Zu ihnen gehören auch drei Großneffen des Verstorbenen, Abkömmlinge seiner älteren Schwestern, die allesamt deutsche Adelige geheiratet haben. Er empfinde die Einladung als "ungeheure Ehre", teilte Philipp Prinz von Hohenlohe-Langenburg der Presse mit – eine Einschätzung, die vom Erbprinzen Bernhard von Baden sowie dem Landgrafen Donatus von Hessen geteilt werden dürfte.

Marine-Musik im Gottesdienst

Die Einzelheiten des etwa 50 Minuten dauernden Trauergottesdiensts hielt der Palast bis Freitagabend geheim, darunter auch die Musik zum Tage. Immerhin stand schon vorab fest, dass die 30-köpfige Trauergemeinde keine eigenen Choräle würde anstimmen dürfen – auch dies verbieten die Corona-Vorschriften. In deutlicher Distanz von den Trauernden wird stattdessen ein Quartett, bestehend aus drei Mitgliedern des professionellen Kirchenchors sowie einem Gemeindemitglied, die üblichen Kirchenlieder singen. Kenner der Pläne zu "Forth Bridge" prophezeien, es werde der in der Royal Navy beliebte Choral "Eternal Father, strong to save" dazugehören. Dessen Text kulminiert in der flehentlichen Bitte: "Erhöre uns, wenn wir Dich anrufen im Namen all jener, die auf hoher See in Gefahr schweben."

Auch der Schlusspunkt der Trauerfeier, so viel ist bekannt, spielt auf die Marine-Karriere des Verstorbenen an: Hornisten der Royal Marines lassen das Signal "Action Station", also gefechtsbereit, erklingen. Man wird dem Prinzen nicht zu nahe treten, indem man die Fanfare als kaum verhülltes Signal an die Hinterbliebenen wertet, sich die Tränen abzuwischen und wieder zu den Alltagsgeschäften überzugehen, wie es der Herzog selbst in langen Jahrzehnten praktiziert hatte. (Sebastian Borger aus London, 17.4.2021)