Keine Ferienmesse, keine Kataloge, dafür viel angestaute Reiselust: Der Sommerurlaub 2021 ist noch mit viel Unwägbarkeiten behaftet. Einiges deutet darauf hin, dass die Öffnungskommission kommende Woche grünes Licht für das Aufsperren der Hotels ab Pfingsten geben wird. Noch wird verhandelt, ob der Termin in Teilen Westösterreichs mit niedriger Inzidenz vorgezogen werden kann.

Laut Oliver Fritz vom Wirtschaftsforschungsinstitut würde sich Pfingsten, das heuer auf den 23. Mai fällt, "ideal für die Hotelöffnung anbieten". Sollten mit fortschreitenden Impfzahlen und dem grünen Pass als Grenzöffner bestehende Reisewarnungen im Juni fallen, könnte es für Österreichs Tourismus ein vergleichsweise guter Sommer werden. 2020 gab es in der verkürzten Sommersaison ein Nächtigungsminus von 25,8 Prozent, was weniger war als befürchtet, und vor allem dank einer größeren Zahl an inländischen Gästen zustande kam. Von diesem niedrigeren Niveau könnte es, wenn alles so läuft wie prognostiziert, ein Plus von gut zehn Prozent geben, glaubt Fritz.

Reise ans Meer

Bei Wegfall der Reisewarnungen würden zwar wieder vermehrt Österreicher, die im Vorjahr zu Hause geurlaubt haben, ans Meer reisen. Noch viel wichtiger für die heimische Tourismuswirtschaft sei, dass Auslandsgäste nach Österreich kommen, weil das deutlich mehr sind. Fritz: "Inländer allein retten uns den Sommer nicht wirklich."

Einen Sommer, wie er früher war, wird es auch heuer nicht geben. Aber auf ein bisschen mehr Normalität darf man wohl hoffen.
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Die Vorausbuchungen für den Sommer sind jedenfalls vielversprechend. Das spüren auch Thermenbetreiber. Klaus Hofmann von der St.-Martins-Therme im Burgenland sorgt sich weniger um Gäste, die die Zimmer füllen, als um genügend Mitarbeiter. "Viele tragen sich mit dem Gedanken, in andere Branchen zu wechseln, wenn sie nicht bereits gewechselt sind", sagt Hofmann. "Das wird noch eine schwere Bürde für uns in der Branche."

Gudrun Peter, Chefin des Weissen Rössl am Wolfgangsee im Salzkammergut, sperrt am 21. April zumindest für Geschäftsreisende auf. Jeder Tag früher, den sie für alle anderen Gäste öffnen dürfe, sei gut, aber am Ende mache wohl eine Woche früher oder später das Kraut nicht fett, sagt Peter. Seit 2. November hat sie ihre Häuser geschlossen. Allzu hoch sind ihre Erwartungen für den Sommer nicht. "Am Anfang wird es einen kleinen Boom geben, dann kommt wohl die Ernüchterung", sagt die Rössl-Chefin. Denn wie die Erfahrung aus dem Vorjahr zeige, konzentriere sich – solange die Gäste aus dem Ausland fehlen – alles aufs Wochenende. Von Planbarkeit sei jedenfalls nicht zu reden, sagt Peter:"Das Einzige, was fix ist, ist, dass es unberechenbar bleibt."

Starke Nachfrage

Das gilt für die gesamte Branche. Die Frage "Daheim bleiben oder ab in den Urlaub nach Griechenland, Kroatien, Türkei oder anderswohin" stellen sich derzeit wohl viele. Mancher Reiseveranstalter entnimmt den Onlinezugriffen auf seiner Buchungsplattform eine Nachfrage wie zur Hauptbuchungszeit um Weihnachten. "Die Menschen wollen raus", ist auch Josef Peterleithner, Präsident des Österreichischen Reiseverbandes (ÖRV), überzeugt.

Derzeit gibt es viele Hindernisse für Reisewillige – von erforderlichen PCR-Tests, die ins Geld gehen, über Quarantäne bis mehr oder weniger starke Einschränkungen vor Ort.
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Die Buchung für den Sommer wird für viele wohl dennoch eine Last-minute-Entscheidung. Vor dem letzten Klick, um dann tatsächlich zu buchen, schrecken viele angesichts hoher Auflagen wie kostenpflichtige PCR-Tests, Quarantäne bei der Rückkehr oder Reisewarnungen zurück. "Es wird gebucht, aber verhalten", sagt Peterleithner.

Griechenland will Touristen aus EU-Ländern die Entscheidung erleichtern. Ab kommendem Montag soll mit der einwöchigen Quarantänepflicht bei der Einreise zumindest eine Hürde fallen. Auch für Airlines wie die AUA zählt die Destination neben Zypern, Italien, Spanien und der Türkei zu den Hoffnungsträgern.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger will die heimische Tourismuswirtschaft wieder zum Fliegen bringen. Bis Sommer soll unter Beteiligung aller relevanten Kräfte ein Plan auf den Tisch, wie die Branche langfristig krisenfit gemacht werden kann. Ein großes Thema dabei: Stärkung der Eigenkapitalbasis. (Regina Bruckner, Günther Strobl, 17.4.2021)