Die Nasa-Drohne Ingenuity ist am Montag um 9:34 Uhr MESZ von der Marsoberfläche abgehoben und hat damit einen historischen Test absolviert: Es war der erste Flug eines Luftfahrzeugs auf einem anderen Planeten. Das Nasa-Team vom Jet Propulsion Laboratory übertrug live seit 12.15 Uhr MESZ von der Ankunft der gesammelten Daten.

Diese Daten und vor allem die ersten Bilder bestätigten zweifelsfrei den Erfolg des Experiments. Insgesamt befand sich die Drohne 39,1 Sekunden in der Luft; wie geplant verbrachte die Drohne dabei 30 Sekunden in rund drei Metern Höhe. Ingenuity war vor wenigen Tagen vom Rover Perseverance auf der Marsoberfläche abgesetzt worden. Danach war es zu mehrfachen Verzögerungen beim anvisierten Starttermin gekommen.

Das Ingenuity-Team am Jet Propulsion Laboratory jubelt über die empfangenen Daten.
Foto: Reuters/NASA/JPL-Caltech/ASU

Erste Daten ausgewertet

"Es ist wahr, es ist wirklich wahr", jubelte Ingenuity-Projektmanagerin MiMi Aung im Nasa-Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena während das Team applaudierte, nachdem die Daten des Hubschraubers auf der Erde angekommen und ausgewertet worden waren – rund drei Stunden nachdem der Flug auf dem Mars stattgefunden hatte. "Wir können jetzt sagen, dass Menschen einen Drehflügler auf einem anderen Planeten geflogen haben."

Technische Probleme

Der erste Flug des kleinen Hubschraubers, der gemeinsam mit Perseverance im Februar auf dem Mars gelandet war, hätte bereits am 11. April stattfinden sollen. Ein Software-Problem zwang das Team, den Test aber zunächst auf den 14. April und dann erneut zu verschieben.

Ingenuity soll nun in den kommenden Wochen weiter getestet werden. "Lasst und diesen Moment genießen und danach lasst uns wieder an die Arbeit gehen", sagte Projektmanagerin Aung. "Mehr Flüge."

Drei Meter, 30 Sekunden

Die rund 1,8 Kilogramm leichte von Lithium-Ionenakkus und Solarpanelen mit Energie versorgte Drohne sollte bei ihrem ersten Testflug auf eine Höhe von etwa drei Metern steigen, dort für 30 Sekunden auf der Stelle schweben, um schließlich wieder zum Boden zurückzukehren – und das möglichst sanft. Der Hubschrauber muss dabei extremen Bedingungen trotzen: Auf dem Mars ist es nachts bis zu minus 90 Grad kalt, zudem ist die Anziehungskraft des Planeten geringer und die Atmosphäre wesentlich dünner.

An der Entwicklung der Drohne hat auch ein aktueller Mitarbeiter der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU) mitgewirkt: "Wir haben Geschichte geschrieben" – mit diesen Worten kommentierte der Schweizer Forscher Stephan Weiss den historischen Erstflug. Er habe noch nie in seinem Leben derart gebannt auf eine Grafik geschaut, wie heute auf die Aufzeichnung des Höhen-Sensors der Drohne, die den ersten Flug auf einem anderen Planeten belegt, sagte Weiss am Montag.

Die mehrfachen Verschiebungen haben den nunmehrigen Leiter des Instituts für Intelligente Systemtechnologien der AAU "schon nervös" werden lassen. Dass es etwas gedauert hat, sei aber als Zeichen dahin gehend zu werten, dass die Kollegen vom JPL, wo Weiss zwischen 2012 und 2015 einer der Entwickler der technologischen Grundlagen des Erfolges war, "die Sache wirklich ernst nehmen".

Der Schatten von Ingenuity, aufgenommen vom Kamerasystem der Drohne.
Foto: AP/Nasa

Algorithmus zur Orientierung

Die Vorsicht und Akribie "hat sich geloht, denn der Flug ist ja soweit erfolgreich gewesen". Der weiterhin in das spektakuläre Projekt involvierte Wissenschafter hat den Algorithmus zur Orientierung von Ingenuity auf Basis von Kameraaufnahmen entscheidend mitentwickelt. Dass es nun tatsächlich geklappt hat, sei "ein ganz, ganz spezieller Moment", betonte Weiss.

Vor dem ersten Bild, das den Flug letztlich bezeugte, zeigte schon ein Plot der Sensor-Aufzeichnungen, dass der Abflug erfolgt ist: "Ich habe in meinem Leben noch nie so gespannt und erfreut auf einen so einfachen Graphen geschaut. In diesem Moment passiert dann das ganze Projekt so ein bisschen Revue." Ein erster großer Höhepunkt war die Frage des damaligen JPL-Chef Charles Elachi in Richtung des nunmehrigen Professors an der Uni Klagenfurt: "Können wir das auf dem Mars fliegen?" Dies könne man jetzt endgültig mit einem "Ja" beantworten.

Merkliches Schwanken

Die Ideen für weitere Flüge bekommen nun entsprechend Auftrieb. Zusätzliche Tests sollten jetzt ausloten, wie stabil am Roten Planeten geflogen werden kann. "Man hat auch im Video gesehen, dass der Helikopter aus meiner Sicht doch merklich hin und her geschwankt ist", so Weiss. Auf die Erklärungen dieses Effekts sei der Forscher nun sehr gespannt. "Dann muss man natürlich langsam vorgehen" und die nächsten Manöver sorgfältig planen.

Nach seinem ersten Einsatz soll der kleine Flieger in den nächsten Wochen weitere und vor allem längere Rundflüge unternehmen.
Foto: AFP / NASA/JPL-Caltech/MSSS

Suche in Milliarden Jahre altem Seegrund

Der Mini-Helikopter war im "Bauch" von Perseverance Ende Februar – nach 203 Flugtagen und 472 Millionen zurückgelegten Kilometern – bei einer nervenaufreibenden Landung in einem ausgetrockneten Marssee im Jezero-Krater aufgesetzt. Diesen See mit einem Durchmesser von etwa 45 Kilometern soll Perseverance in den kommenden zwei Jahren untersuchen. (red, APA, 19.4.2021)