Auch große Konzerne wie Burger King versprechen sich viel vom neuen Kuhfutter. Umweltschutzorganisationen sind bei den Versprechen aber skeptisch.

Foto: AP Photo/Charlie Neibergall

Sie meinen es sicher nicht böse. Immerhin sind wir es, die es auf ihre Milch und ihr Fleisch abgesehen haben. Trotzdem steht für Wissenschafter fest: Kühe gehören durchaus zu den Klimasündern. Das Methan, das sie bei der Verdauung sowie durch Rülpsen und Furzen ausstoßen, ist als Treibhausgas zwanzigmal so wirksam wie CO2, wenn auch nicht so langlebig. Mehr als 300 Liter Methan produziert eine durchschnittliche Kuh davon am Tag, bei 1,5 Milliarden Tieren weltweit kommt da schon etwas zusammen – Tendenz durch die global wachsende Tierhaltung steigend.

Wissenschafter und Unternehmer machen sich deshalb schon seit Jahren Gedanken zum Methanproblem. Sie haben herausgefunden, dass der Methanausstoß einer Kuh unter anderem von Rasse und Fütterung abhängt. Damit ist für die Experten auch klar, dass sich die Fleisch- und Milchproduktion künftig durchaus etwas klimafreundlicher gestalten ließe, beispielsweise durch neue Futtermittel.

Zitronengras für die Verdauung

Einen Versuch haben Forscher der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft (HBLFA) Raumberg-Gumpenstein vor kurzem gewagt. Nachdem sie Rindern Zitronengras zum Futter hinzugaben, soll sich deren Methanausstoß um durchschnittlich rund 15 Prozent verringert haben. Dafür waren laut den Forschern 100 Gramm Zitronengras pro Tier und Tag ausreichend. Auf den Verdauungsprozess der Tiere habe diese geringe Menge laut Studie keinen negativen Einfluss.

Die Forscher und beteiligten Landwirte sind nicht die Ersten, die mit neuen "Kuh-Diäten" experimentieren. Auch das Ennser Futtermittelunternehmen Fixkraft will mit dem Zusatz von Ölen und Kräutern den Methanausstoß von Kühen zumindest um zehn Prozent reduzieren. Laut dem Unternehmen ist zudem der Eiweißgehalt der Milch mit dem Futterzusatz besser. Allerdings werde das Futter dadurch insgesamt teurer für die Landwirte.

Seegras und Kräuter

Auf internationaler Ebene geht die Entwicklung des neuen Kuhfutters noch einen Schritt weiter. Laut Ermias Kebreab, Forscher an der University of California, kann beispielsweise die Zugabe von Seegras zum Kuhfutter die Methanproduktion bei der Verdauung um die Hälfte reduzieren. Dem Futter müsste demnach nur ein halbes bis ein Prozent der roten Alge zugeführt werden, um den Effekt zu erzielen. Allerdings wird die Alge derzeit noch nirgendwo kommerziell angebaut.

Auch das Schweizer Unternehmen Mootral hat es auf die Verdauung der Wiederkäuer abgesehen. Mit einem Naturextrakt, das aus Orangenschalen und Knoblauch besteht, soll der Methanausstoß von Kühen um 30 Prozent reduziert werden. Zudem sollen die Kühe insgesamt weniger Futtermittel benötigen. Allerdings stößt das Unternehmen unter anderem beim Knoblauch auf Hindernisse, da dieser in der Schweiz seit Jahrzehnten als Futtermittel verboten ist – unter anderem deshalb, weil eine Veränderung im Geschmack von Milch und Fleisch befürchtet wird.

Keine schnelle Klimalösung

Die neuen Technologien sind vor allem bei großen Konzernen beliebt, denn sie versprechen, mit der Fleischproduktion und dem damit verbundenen Geschäft trotz des drohenden Klimawandels weitermachen zu können wie bisher. Aber so vielversprechend die Hoffnungen der Wissenschafter und ihrer Kooperationspartner in der Industrie klingen mögen, eine schnelle und einfache Lösung für das Klimaproblem der Landwirtschaft werden sie aller Voraussicht nach nicht liefern können.

Denn die Praxis zeigt für viele der angebotenen Lösungen schnell Grenzen auf. Für eine großflächige Veränderung müsste das Futter auch in großem Stil verfügbar sein – was sich, wie bei den Algen, als schwierig herausstellen könnte. Die Produktion neuer Futtermittel könnte zudem zu neuen ökologischen Problemen führen. Bisherige Studien sind meist auf einen relativ kleinen Rahmen begrenzt – in vielen Fällen ist unklar, wie unterschiedliche Tiere über einen längeren Zeitraum auf das Futter reagieren. Zudem besteht laut einigen Studien die Gefahr, dass sich die Därme der Kühe einfach an das neue Futter anpassen und sich schlussendlich wenig am Methanausstoß ändern würde.

Nicht zuletzt stellt sich für viele die Frage: Wollen und können die Landwirte auch auf die anderen Futtermittel umsteigen? Wenn sie mehr Geld für die neuen Futtermittel ausgeben müssten, ohne dafür mehr Geld beim Verkauf einzunehmen, dürften die Anreize für den Umstieg eher gering ausfallen.

Weniger Fleisch essen

Für viele Umwelt- und Klimaschützer ist klar: Solange der Fleischhunger weltweit so hoch ist, wird sich an dem Problem der klimaschädlichen Kuh wenig ändern – Futterzusätze hin oder her. Bis einige der vorgestellten Futterlösungen tatsächlich marktreif sind und in großem Stil zum Einsatz kommen, könnte es für den Kampf gegen den Klimawandel schon zu spät sein, warnen sie.

Einen Beitrag könnten die neuen Futtermittel natürlich leisten, sagen viele Experten. Aber bis es so weit ist, sollten wir laut Umweltschutzorganisationen auf Lösungen setzen, die bereits heute verfügbar sind: weniger Fleisch essen und stattdessen auf pflanzliche Ernährung umstellen. (Jakob Pallinger, 19.4.2021)