Viele Geräte, ein Standard: Künftig wollen Amazon, Google und Apple bei der Smart-Home-Steuerung an einem Strang ziehen.

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Das mit dem Smart Home ist so eine Sache: Das Angebot an passenden Geräten ist mittlerweile riesig, die Zahl der dabei verwendeten Standards allerdings auch. Das resultiert in eine für die Nutzer wenig optimale Situation: Nur weil ein Gerät direkt Anbindung an Apples Homekit hat, heißt das noch nicht, dass es auch mit dem Google Assistant oder Amazons Alexa integriert ist. Und der gute alte Zigbee-Standard wird auch längst nicht mehr von allen Herstellern unterstützt.

Neuer Standard gegen das Standard-Chaos

Dass dies der Popularisierung des smarten Zuhauses nicht unbedingt zuträglich ist, haben irgendwann auch die großen Anbieter in diesem Bereich eingesehen. Also hat man sich zusammengesetzt und genau das getan, was die Techbranche am besten kann: sich auf einen neuen Standard geeinigt. Eine Herangehensweise, die in der Vergangenheit bereits trefflich durch den Webcomic XKCD persifliert wurde, hier aber durchaus eine gewisse Chance zur Besserung birgt. Immerhin sind nicht nur praktisch alle relevanten Firmen mit dabei, es wird jetzt auch tatsächlich ernst mit diesem Unterfangen.

Startschuss für CHIP

Noch dieses Jahr sollen die ersten smarten Geräte mit direkter Unterstützung für das Project Connected Home over IP (CHIP) auf den Markt kommen. Dies geht aus einem Webinar der Zigbee Alliance hervor, das vor wenigen Tagen abgehalten wurde, wie Smart-Home-Expertin Stacey Higginbotham berichtet. So soll es rechtzeitig für die Weihnachtssaison eine breite Palette an Geräten mit CHIP-Support geben – von Lampen über Schlösser bis zu Jalousien. Der zugehörige Zertifizierungsprozess soll im September starten.

Treibende Kraft hinter CHIP sind – neben der Zigbee Alliance – vor allem Amazon, Apple und Google, deren Geräte für viele längst zur Steuerzentrale des Smart Homes geworden sind. Durch einen gemeinsamen Standard soll garantiert werden, dass entsprechende Geräte direkt – also ganz ohne Umwege über einen Hub oder eigene Apps – angesprochen werden können. Nicht zuletzt profitieren davon die kleineren Gerätehersteller, die künftig nur mehr CHIP unterstützen müssen, statt Homekit, Alexa und Google Assistant separat warten zu müssen. Für die Nutzer bedeutet dies wiederum, dass in Zukunft mehr Geräte rein lokal steuerbar sein sollten – also ganz ohne den Umweg über die Cloud auskommen.

Aufbau

Auf der technischen Seite setzt sich CHIP aus drei Bestandteilen zusammen: Zum Setup wird Bluetooth LE benutzt, was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass sich diese Technologie auch in sämtlichen Smartphones findet. Für größere Datenübertragungen – etwa den Videostream einer Sicherheitskamera – kommt WLAN zum Einsatz. Zusätzlich wird aber auch noch das Mesh-Netzwerk-Protokoll Thread verwendet, das vor allem für kleinere Devices und Kommunikation mit geringer Bandbreite gedacht ist.

Die gute Nachricht dabei: Alle drei Technologien sind bereits in aktuellen Geräten der drei großen Firmen verbaut. So bieten etwa Apples Homepod Mini sowie der neue Google Nest Hub, aber auch aktuelle Eero-Router von Amazon Support für Thread. Das heißt, dass die CHIP-Unterstützung über ein simples Firmware-Update nachgereicht werden kann.

Dass die Unternehmen hier so vorausschauend gehandelt haben, mag allerdings auch an den Zeitplänen liegen. Immerhin hätte das 2019 erstmals vorgestellte CHIP eigentlich schon im Vorjahr starten sollen. Durch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie wurde der Starttermin aber verschoben, während die neue Hardware dieser Firmen natürlich schon in Entwicklung war.

Kooperation

Neben den erwähnten Firmen haben mittlerweile 180 andere Hersteller aus dem Bereich Smart Home ihre Unterstützung zugesagt. Wer sich bereits ein smartes Zuhause aufgebaut hat, muss dann übrigens nicht alle seine bereits erstandenen Devices austauschen. So wird es auch Kompatibilitätslösungen – also Bridges – geben, um dann etwa Geräte ohne entsprechenden Support in ein Netzwerk einzubinden.

Sicherheit mit Blockchain-Komponente

Fortschritte soll CHIP zudem in Sicherheitsfragen bringen. So sieht der Standard vor, dass alle Geräte sich von außen – also "Over the Air" (OTA) – aktualisieren lassen müssen. Besonders interessant ist, dass man dies mit einer Blockchain-Komponente kombiniert. Diese soll dazu genutzt werden, alle Geräte in einem Haushalt sowie deren Herkunft zu tracken, um leicht überprüfen zu können, wie es mit der Sicherheit des eigenen Smart Homes aussieht. (apo, 19.4.2021)