Der Fußball gibt einmal mehr ein moralisch verheerendes Bild ab. Zwölf europäische Spitzenklubs haben in der Nacht auf Montag bekanntgegeben, sich eine eigene, elitäre Welt schaffen zu wollen. In der sogenannten Super League wollen sie nur noch Duelle untereinander austragen; nervige Spiele gegen finanziell haushoch unterlegene Teams fallen weg. Das Motto lautet: Die Reichen sind unter sich, an den Rest wird kein Gedanke mehr verschwendet.

Auch Fans halten nichts von einer Super League.
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Nun trugen die Entwicklungen im europäischen Klubfußball schon seit längerem dazu bei, dass die Schere zwischen großen und kleineren Vereinen größer wurde. In der Champions League sind mehr Plätze für Klubs aus den Top-Ligen reserviert. Der Weg in die Königsklasse für Außenseiter aus kleineren Ländern wird damit härter. Jetzt ist eine neue Ebene erreicht. Dass die Großklubs offen und unverschämt zugeben, lieber unter sich bleiben zu wollen, ergibt einen neuen Höchststand an Dreistigkeit. Es ist ihnen nicht einmal mehr peinlich.

Die Super League ist ein Hochglanz-Premiumprodukt. Das ist kein Sport mehr. Den Schwächeren werden Chancen genommen und damit Grundpfeiler des Wettbewerbs im sportlichen Sinn eingerissen. Der Punkt ist erreicht, an dem die Elite endgültig unerreichbar sein soll.

Grundsatzfrage

Der europäische Dachverband Uefa fährt große Geschütze auf. Er droht, Super-League-Teilnehmer aus ihren nationalen Ligen auszuschließen, zudem sollen Spieler nicht mehr für ihre Nationalmannschaften auflaufen dürfen. Damit stellt die Uefa die Grundsatzfrage: Wie ernst meinen es die Vereine mit der neuen Liga? Die Causa wird zur Zerreißprobe.

Die Argumentation der Mitglieder der Eliteliga ist simpel: Wir nehmen, was uns zusteht. Fußball ist global die beliebteste Sportart. Nun will die Speerspitze der Sportart dafür entlohnt werden. Zunächst soll es Solidaritätszahlungen an den "europäischen Fußball" geben, wie es heißt, damit sich der Sport insgesamt weiterentwickelt. Doch die Klubs machen ihre eigenen Regeln, sie können sie jederzeit umschreiben.

Selbstverständlich sind in der Super League keine Absteiger vorgesehen. Einmal Super League, für immer Super League. Das Prinzip der Vielfalt und Inklusion wird mit Füßen getreten, die Geldgier steht im Vordergrund. Die Liga bietet die volle Fußball-Dröhnung in einer geschlossenen Gesellschaft, die mit Sport nichts mehr zu tun hat. (Lukas Zahrer, 19.4.2021)