Das Epizentrum des jüngsten Bebens lag erneut in der Nähe von Neunkirchen. Die Seismographen schlugen aus, wurden dabei aber nicht fotografiert. Sie sehen ein Symbolbild.

Foto: Reuters / Mike Blake

Wien – Etwa eine Stunde nach Mitternacht hat im Osten Österreichs schon wieder die Erde gebebt. Wie aus Daten der der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hervorgeht, lag das Epizentrum des Bebens in der Nähe der Stadt Neunkirchen. Dort wurde nach vorläufigen Messungen die Stärke 4,4 für das Beben ermittelt. Ermittelt wurde auch eine Tiefe von sechs Kilometern. Die ZAMG teilt auf ihrer Homepage aber auch mit, dass es sich bei den Angaben um vorläufige Daten handelt. Vorübergehend war auch ein Wert von 2,4 zu lesen, später wurde dies aber korrigiert: Es dürfte es sich um ein Nachbeben rund zehn Minuten später gehandelt haben.

Die Erschütterungen waren bis nach Wien, Hollabrunn, ins Burgenland und nach Salzburg zu spüren. "Es wurden erwartungsgemäß einige leichte Schäden im Epizentrum gemeldet, etwa feine Haarrisse im Verputz", sagte der Seismologe Anton Vogelmann von der ZAMG der APA. "Bisher sind an die 10.000 Wahrnehmungsmeldungen aus der Bevölkerung eingegangen." Auf das Erdbeben der Stärke 4,4 um 0.57 Uhr folgten bis 7.16 Uhr elf Nachbeben in der Region Neunkirchen und Wiener Neustadt mit der Stärke 1,5 bis 3,2. Mit weiteren Nachbeben musste laut Vogelmann gerechnet werden. Darunter können auch erneut spürbare Erschütterungen sein. "Eine Nachbebentätigkeit von zwei bis drei Wochen ist zu erwarten", sagte der Experte.

Ebenfalls nahe Neunkirchen hatte es Ende März schon einmal ein Erdbeben gegeben. Damals wurde die Stärke 4,7 ermittelt, die Erschütterungen wurden auch in zahlreichen anderen Bundesländern registriert. Schäden gab es keine. Für das Ereignis von Montagnacht lagen vorerst keine genauen Angaben vor, laut einem Bericht der APA ist zunächst nichts Gravierendes festzustellen gewesen.

Eigentlich seltenes Ereignis

Erdbeben vergleichbarer Stärke, erzählte Wolfgang Lenhardt, Leiter der Abteilung Geophysik an der ZAMG, dem STANDARD damals, ereignen sich in dieser Region etwa alle zehn bis 20 Jahre. Zuletzt kam es 2013 in Ebreichsdorf zu einem Beben mit einer Stärke von 4,3. Überraschend sei das nicht, erklärte der Geophysiker: "Ursache ist eine Bruchzone, die im Raum der alpinen Gebirgsbildung entstanden ist. Das zieht sich schon seit über 40 Millionen Jahren."

Neben dem Wiener Becken und dem Semmeringgebiet seien auch das Rheintal in Vorarlberg, das Inntal und seine Seitentäler sowie das Mur- und Mürztal tektonisch besonders aktive Zonen in Österreich, sagte Lenhardt. Die weitaus größte Zahl der vom seismologischen Messnetz registrierten Erdstöße sei aber nicht spürbar. Rund 12.000 weltweite Ereignisse pro Jahr werden in heimischen Messstationen detektiert, darunter fallen etwa 1.500 tektonische Bewegungen auf österreichischem Boden.

Österreicher kaum vorbereitet

Lenhardt war auch just am Montag in der Ö1-Sendung "Punkt eins" zu Gast, die diesmal den Titel "Es bebt" trug. Und auch das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) hatte erst jüngst mit einer Studie zum Thema Erdbeben in Österreich für Aufmerksamkeit gesorgt, wonach die Gefahr in Österreich eher unter- als überschätzt werde. Rund 98 Prozent der Befragten sahen Erdbeben nicht als relevante Gefahr in Österreich an, ging aus der Studie hervor.

Das sei allerdings nur zum Teil haltbar. Zwar seien Erschütterungen selten, allerdings seien rund 23 Prozent aller Gebäude im Ernstfall nicht erdbebensicher gebaut. Entsprechende Normen – sie unterscheiden sich zwischen den Bundesländern – gibt es zwar mittlerweile. Bauwerke aus der Zeit vor 1945 erfüllen sie oft aber nicht. Außerdem kennen viele Menschen in Österreich die wichtigsten Verhaltensregeln nicht, teilt das KFV mit.

Kuratorium für Verkehrssicherheit

Drei Punkte sind dem Kuratorium besonders wichtig: Erstens sollte man möglichst nicht in Panik aus dem Haus laufen, da draußen die Gefahr bestehe, von herunterfallenden Teilen getroffen zu werden. Stattdessen solle man, zweitens, unter einem Türstock Schutz suchen. Drittens sei es wichtig, sich von Fenstern fernzuhalten. Diese Regeln, betont das KFV, seien nicht nur für Österreich wichtig – auch vor möglichen Urlauben in Erdbebengebieten empfehle es sich dringend, sich damit vertraut zu machen. (Manuel Escher, 20.4.2021)