Laut Verteidigungsminister Sergej Schoigu (hier auf einem Bild des russischen Verteidigungsministeriums) haben die Soldaten ihre "Fähigkeit, das Land zu verteidigen, bewiesen".

Foto: Vadim Savitsky/Russian Defense Ministry Press Service via AP

Im Konflikt in der Ostukraine, der sich zuletzt gefährlich zugespitzt hatte, regte sich am Donnerstag die Hoffnung auf Entspannung. Russland hat angekündigt, seine Soldaten bis zum 1. Mai in ihre Kasernen im Landesinneren zurückzuschicken. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur RIA sei die "spontane Inspektion" von Truppen an der Grenze zur Ukraine erfolgreich abgeschlossen worden. Die Soldaten hätten laut Verteidigungsminister Sergej Schoigu ihre "Fähigkeit, das Land zu verteidigen, bewiesen". Zunächst blieb allerdings unklar, ob alle Soldaten von dem Abzugsbefehl betroffen sind.

US-Außenamtssprecher Ned Price äußerte sich zurückhaltend: "Wir haben die Worte gehört. Ich denke, worauf wir warten, sind Taten."

Putin will Selenskyj in Moskau treffen

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich indes zu einem Treffen mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj bereit gezeigt – allerdings nicht wie von Selenskyj vorgeschlagen in der Ostukraine, sondern in der russischen Hauptstadt Moskau. Selenskyj hatte dem Kremlchef zuvor ein Treffen im Konfliktgebiet Donbass vorgeschlagen.

Der dortige Konflikt zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten herrscht seit 2014. Die Verstärkung russischer Truppen entlang der Grenze zur Ukraine hatte zuletzt die Sorge vor einer Eskalation dieses Konflikts genährt.

EU-Außenbeauftragter Josep Borrell hatte noch am Montag von etwa 100.000 Soldaten gesprochen, die Russland an der Grenze zusammengezogen habe. Die Skepsis der EU gegenüber Russland war zuletzt auch im Zusammenhang mit der Inhaftierung des Kremlkritikers Alexej Nawalny angewachsen, Brüssel hat – wie auch die USA – Sanktionen gegen Moskau verhängt.

STANDARD-Korrespondent André Ballin über die aktuelle Lage in Russland
DER STANDARD

Prag verschärft den Ton

In einem weiteren Konflikt, nämlich jenem zwischen Russland und dem EU- und Nato-Mitglied Tschechien, war am Donnerstag keine Entspannung in Sicht: Nachdem zu Mittag ein Ultimatum an Moskau ausgelaufen war, beschloss die tschechische Regierung nach der jüngsten wechselseitigen Ausweisung von Diplomaten eine weitere Reduktion des Personals an der russischen Botschaft in Prag. Dort dürften künftig nicht mehr Diplomaten tätig sein als umgekehrt in der tschechischen Botschaft in Moskau, sagte der neue Außenminister Jakub Kulhánek, der erst am Mittwoch angelobt worden war.

Der Konflikt war am vergangenen Samstag öffentlich geworden, als Premier Andrej Babiš und Innenminister Jan Hamáček schwere Anschuldigungen gegen Moskau erhoben. Demnach sollen zwei Explosionen in einem südostmährischen Munitionsdepot, bei denen 2014 zwei Menschen getötet wurden, auf das Konto russischer Geheimdienstagenten gehen. Russland bestreitet die Vorwürfe. (Gerald Schubert, 22.4.2021)