"Potenzielle Arbeitnehmer bewerten potenzielle Arbeitgeber. Das ist natürlich weitgehend eine Imagefrage", sagt Studienleiterin Martina Sturmair.

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Ein guter Arbeitsplatz? Irgendwas mit Tieren. Da muss doch ein gutes Betriebsklima herrschen! Etwa im Schönbrunner Tiergarten. Keinem anderen Arbeitsplatz in Wien wird ein so gutes Betriebsklima zugetraut. Das geht aus der aktuellen Studie "Beste Arbeitgeber Wien" des Linzer Market-Instituts hervor. Auf dem zweiten Platz dieser Kategorie landen die Wiener Sozialdienste, auf dem dritten Platz die Münze Österreich.

Wie man zu solchen Bewertungen kommt? Market-Studienleiterin Martina Sturmair holt weit aus, um das Verfahren zu erklären: Zunächst gehe es darum, die richtigen Personen zu befragen. Wenn man also wissen will, wen die Arbeitnehmer für den besten Arbeitgeber Wiens halten, dann muss man eine repräsentative Stichprobe von Bewohnern der Ostregion ziehen und aus dieser die "für den Arbeitsmarkt relevante Bevölkerung" herausfiltern.

Gefragt wird, wer am Arbeitsmarkt teilnimmt

Sturmair: "Uns interessiert da die Bevölkerung von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland im Alter von 15 bis 60 Jahren, die für einen Arbeitsplatz in Wien infrage kommen. Menschen, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr nach einem neuen Arbeitsplatz suchen werden, weil sie eher bald in Pension gehen werden oder schon in Pension sind, sind für diese Befragung nicht relevant. Auch wer Hausmann oder Hausfrau ist, steht dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung und scheidet aus. Andererseits darf man nicht nur Beschäftigte befragen, sondern muss auch anschauen, wen Menschen in Ausbildung oder auf Arbeitssuche für einen guten Arbeitgeber halten."

Auf diese Weise wurde eine Stichprobe von 5.675 Personen gezogen, denen in elf strukturierten Befragungszellen eine Liste mit insgesamt 370 großen Arbeitgebern in Wien vorgelegt wurde. Sodann sollten die Befragten angeben, wie gut sie diese Unternehmen als Arbeitgeber einschätzen können.

"Potenzielle Arbeitnehmer bewerten potenzielle Arbeitgeber. Das ist natürlich weitgehend eine Imagefrage", sagt Sturmair. Um beim Beispiel des Schönbrunner Tiergartens zu bleiben: Den kennen zwar viele dem Namen nach. Es trauen sich aber nur 21 Prozent der Befragten ein qualifiziertes Urteil zu, wie es denn wäre, dort zu arbeiten – etwa weil man jemanden dort kennt oder als Zoobesucher einen Einblick in die Arbeit der Tierpfleger bekommen hat. So kommt dann etwa die Einschätzung zustande, dass im Tiergarten ein besonders gutes Arbeitsklima herrsche.

Fünf Kategorien mit insgesamt 1.500 Punkten

Um nun zu beurteilen, wer für den besten Arbeitgeber gehalten wird, wird aber nicht nur das Betriebsklima herangezogen. Es sind fünf Hauptkategorien, in denen wiederum je drei Teilbereiche abgefragt und bis zu 100 Punkte vergeben werden. Damit ist theoretisch eine Punktezahl von 1.500 erreichbar – aber nicht alle Unternehmen punkten in allen Kategorien gleich stark.

"Neben Arbeitsbedingungen und atmosphärischen Faktoren vor Ort ist es für ein Unternehmen entscheidend, welches Renommee ihm zugesprochen wird", heißt es etwa in der Studie. Da wird etwa gefragt, welcher Betrieb eine gute Referenz im Lebenslauf darstellen würde – hier liegt Siemens mit 75 von 100 Punkten knapp vor KPMG (74 Punkte) und Ernst & Young (je 72 Punkte). Auch die Einschätzung, ob das Unternehmen einen guten Ruf als Lehrlingsausbildner hat, spielt eine Rolle: Da punkten die Wiener Stadtwerke, Wien Energie und Wiener Linien – aber wiederum auch Siemens, Kapsch und OMV.

Ein Gesamtbild ergibt sich dann aus regionaler Relevanz, (vermuteten) Arbeitsbedingungen, Wohlbefinden (Betriebsklima, Work-Life-Balance, flexibe Arbeitszeiten), der Reputation und der Zukunftsfitness, zu der etwa die Krisensicherheit zählt. Dieses Bild hänge zwar mit der allgemeinen Wahrnehmung zusammen– "je bekannter ein Unternehmen ist, desto eher wird es auch für relevant gehalten", sagt Sturmair.

"Employer-Branding"

Aber für das "Employer-Branding" sei vor allem wichtig, ob man gerne dort arbeiten würde – "diese Unternehmen können sich die besten Leute aussuchen. Umgekehrt ist ja nicht jeder qualifiziert, etwa in einem Hochtechnologieunternehmen zu arbeiten. Für den wegen seiner hohen Bezahlung gefragten Job bei Microsoft kommt nicht jeder infrage", kommentiert die Studienleiterin.

So ergibt sich in der Zusammenschau, dass städtischen Betriebe drei der fünf Spitzenplätze belegen: Die Wiener Linien kommen auf 279 Punkte, relativ knapp vor der Wien Energie (261) und deutlich vor Siemens AG (197), Wiener Netze (192) und ÖBB (178). (Conrad Seidl, 2.4.2021)