Zwar gibt es mehrere Beschwerden, ob diese erfolgreich sein werden, ist allerdings anzuzweifeln.

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Apple hat Montagabend trotz des Widerstands von Onlinekonzernen wie Facebook und Firmen der Medien- und Werbebranche deutlich strengere Datenschutzregeln für das iPhone eingeführt. Nach einem Update auf iOS 14.5 können Nutzerinnen und Nutzer dank der App Tracking Transparency (ATT) nämlich selbst entscheiden, ob Apps sie zu Marketingzwecken über mehrere Anwendungen hinweg verfolgen dürfen oder nicht.

Das Vorhaben kündigte Apple bereits vergangenen Sommer an, und es dauerte nicht lange, bis Facebook-Chef Mark Zuckerberg dem Unternehmen vorwarf, mit der ATT nur die eigenen Geschäftsziele zu verfolgen. Der iPhone-Hersteller wolle nur kostenlosen Apps, die durch Werbung finanziert werden, das Wasser abgraben, um an Bezahl-Apps und kostenpflichtigen Software-Abos im App Store mitverdienen zu können. Laut ihm würde die Maßnahme vor allem kleine und mittlere Unternehmen treffen, wiederholte Zuckerberg mehrmals.

Haupteinnahmequelle Werbung

In Wirklichkeit dürfte es ihm um die Sicherung des eigenen Geschäftsmodells gehen: Facebooks primäre Einnahmequelle ist nämlich gezielt ausgespielte Werbung. Erst Ende Februar versuchte die Social-Media-Plattform deshalb, mit einer Werbekampagne das eigene Vorgehen in ein positives Licht zu rücken: "Jedes Geschäft startet mit einer Idee, und diese Idee mit personalisierter Werbung ausspielen zu können ist ein Meilenstein für Unternehmen", heißt es in einem Video. Dieses dürfte unter anderem eine Reaktion auf Apples ATT-Pläne sein, Facebook befürchtet nämlich massive Einbrüche beim Werbegeschäft – und bereitet deshalb eine Kartellklage vor, berichtete der STANDARD.

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Das Netzwerk startete Anfang Februar außerdem den Versuch, User mit ganzseitigen Dialogen für sich zu gewinnen. In diesen verwies man darauf, dass das Tracking notwendig sei, um besser personalisierte Werbung anzeigen zu können – aus der auch die Nutzer einen Vorteil ziehen würden, so Facebooks Nachricht.

Unfairer Wettbewerb?

Kurz vor Veröffentlichung des iOS-Updates warf außerdem eine Gruppe deutscher Verbände aus der Medien- und Werbewirtschaft Apple unfairen Wettbewerb vor. Acht von ihnen reichten eine Missbrauchsbeschwerde beim Bundeskartellamt ein. "Wir schauen sie uns jetzt erst einmal an", kommentierte dies ein Sprecher der Behörde.

Apple entgegnete auf die Beschwerde: "Wir glauben, dass Privatsphäre ein grundlegendes Menschenrecht ist." Die Daten gehörten den Nutzern, "und sie sollten selbst entscheiden können, wie ihre Daten verwendet werden und von wem". Man habe Unterstützung von Behörden und Datenschützern für die Funktion bekommen.

Die Verbände kritisieren, der Konzern schließe "faktisch alle Wettbewerber von der Verarbeitung kommerziell relevanter Daten im Apple-Ökosystem aus". Gleichzeitig nehme Apple seine eigenen Dienste jedoch von den geplanten Änderungen aus und sammle selbst erhebliche Mengen Nutzerdaten. Der für Datenschutz bei Nutzern zuständige Apple-Manager Erik Neuenschwander konterte: "ATT gilt gleichermaßen für alle Entwickler weltweit – und das schließt auch Apple mit ein."

Mit diesen Dialogen warb Facebook bei Nutzern um die Aktivierung des Werbetrackings.
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Die Beschwerde reichten unter anderem der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW, die Organisation der Mediaagenturen OMG, der Markenverband sowie die Verlegerverbände BDZV und VDZ ein.

Kein unerwünschtes Tracking mehr

Nach Durchführung des Updates auf iOS 14.5 können Nutzer beim erstmaligen Öffnen einer App auswählen, ob Tracking erwünscht ist oder nicht. Außerdem kann im Menü "Datenschutz" eingestellt werden, dass man den installierten Programmen gar nicht erst die Möglichkeit gibt, die Erlaubnis für ebendieses anzufragen. In der auftauchenden Abfragebox können die Anbieter kurz begründen, warum sie eine Einwilligung möchten. Die deutschen Verbände beklagen jedoch, dass aufgrund des Platzmangels nur eine oberflächliche Erklärung möglich sei. Sie seien deshalb nicht in der Lage, die Vorteile für den Verbraucher zu erläutern.

Den ATT-Tracking-Schutz führt Apple nebst dem iPhone auch auf den iPads und auf Apple TV ein. Nicht inbegriffen sind die diversen Computer des Konzerns, auf denen die Installation von Software nicht zwingend über den hauseigenen App-Store abläuft.

Datenschutzlabel

Die Einführung ist Teil einer umfassenderen Datenschutz-Initiative des Unternehmens. Seit Anfang Dezember müssen App-Anbieter beim erstmaligen Einreichen oder einer Aktualisierung ihrer Anwendung bereits ein sogenanntes Datenschutzlabel veröffentlichen. Dort müssen all jene Daten aufgelistet sein, die erfasst werden sollen. Beispielsweise geht es dabei um Standortdaten, den Browser-Verlauf oder Kontaktdaten. Apple verlässt sich bei diesen Etiketten auf die Angaben der Entwickler selbst.

Google, der zweite große Anbieter von Online-Werbung, scheint einem STANDARD-Bericht zufolge hingegen einen anderen Weg einzuschlagen: Da der Konzern überzeugt ist, dass kaum Nutzer einer Tracking-Anfrage zustimmen werden, beugt man sich den Spielregeln und verzichtet unter iOS auf entsprechende Formen der Nachverfolgung.

Doch nicht nur das: Laut eines "Bloomberg"-Artikels will Google selbst dem Vorbild Apples folgen und auch unter Android vergleichbare Beschränkungen einführen. Weitere Details sind hierzu noch nicht bekannt, diese würden derzeit noch intern diskutiert. Eine Umsetzung in derselben Härte wie Apples App-Tracking-Transparency scheint jedoch unwahrscheinlich.

Dass die in Deutschland eingereichte kartellrechtliche Beschwerde erfolgreich sein wird, darf zudem bezweifelt werden. Apple kann nämlich stets argumentieren, dass die Maßnahmen im Interesse der Nutzer seien, da sie ihre Privatsphäre stärken. (mick, APA, dpa, 27.4.2021)