Das am Dienstag veröffentlichte iOS-Update macht Werbetreibenden wie Facebook das Tracking über mehrere Plattformen schwieriger.

Foto: Reuters/Stephen Lam

Facebook ermöglicht es Unternehmen offenbar, Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren gezielt Werbung für Rauchen, extremes Abnehmen oder Glücksspiel anzuzeigen. Das zeigte eine Untersuchung von Reset Australia, einer Organisation, die daran arbeitet, "das Bewusstsein für digitale Bedrohungen der australischen Demokratie zu schärfen".

Die Organisation wollte herausfinden, welche Möglichkeiten zum Werbe-Targeting Facebook bereitstellt. Deshalb erstellten die Aktivisten eine Facebook-Seite und ein Werbekonto unter dem Namen "Ozzie news network". Dabei fanden sie heraus, dass explizite Werbung für zum Beispiel Alkohol laut der Plattform nicht an Personen unter 18 Jahren ausgespielt werden darf. Lässt sich allerdings aus den Profilen der Jugendlichen ein Interesse an solchen Inhalten herauslesen, werden Werbetreibende laut Reset Australia nicht daran gehindert, diese anzusprechen – zumindest wenn sich die Inhalte nicht explizit auf das Thema zu beziehen scheinen, berichtet der "Guardian".

Werbung an Minderjährige

Mit ihrer Facebook-Seite war es möglich, mit Werbung etwa 740.000 australische Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren zu erreichen. Bei Verfeinerung der Interessen stellten die Aktivisten dann fest, dass auch bei Minderjährigen Interessen wie Alkohol, Rauchen, Glücksspiel, extremer Gewichtsverlust, Fastfood und Onlinedating-Dienste zur Auswahl stehen.

52.000 Jugendliche zu erreichen, die sich für Alkohol interessieren, hätte dabei bloß 3,03 Dollar gekostet, 14.000 Jugendliche mit dem Interesse Glücksspiel hingegen 11,24 Dollar. Für 1.000 junge Erwachsene, die sich für Zigaretten und elektronische Zigaretten interessieren, müssten hingegen zwischen 138,50 und 210,97 Dollar bezahlt werden.

Ausprobiert, aber nicht verschickt

Schlussendlich probierte die Organisation das Ganze aus, indem sie eine Reihe von Anzeigen erstellte, in denen zum Beispiel Gewinnpreise oder Cocktails erwähnt wurden. Diese ließ sie sich dann für die obengenannten Zielgruppen genehmigen. Verschickt wurden sie allerdings nicht.

Die australische Regierung forderte Reset Australia wegen ihres Funds dazu auf, die Sammlung und Nutzung der Daten junger Menschen klar zu regeln. Demnach sollte es eine ausdrückliche Zustimmung der Jugendlichen und ihrer Eltern geben. Außerdem fordert die Organisation volle Transparenz darüber, wie die Daten verwendet werden.

"Facebook scheint die Daten von Jugendlichen auf die gleiche Weise zu nutzen wie die von Erwachsenen", sagte Chris Cooper, Geschäftsführer von Reset Australia. Das werfe etliche Fragen darüber auf, wie Facebook von den Daten Minderjähriger profitiert und welchen Schutz es vor unangemessenem Targeting gebe. "Sollte ein 13-Jähriger, der seinen Singlestatus angibt, Werbung für einen Sugardaddy-Datingservice erhalten? Sollte ein 15-Jähriger, der sich als alkoholinteressiert outet, Werbung sehen, die Cocktailrezepte vorschlägt? Wollen wir, dass ein 16-Jähriger Werbung für Glücksspiel oder politischen Extremismus erhält?"

Schutz junger Menschen bedeutend

In einer Stellungnahme erwiderte ein Facebook-Sprecher, dass der Konzern jede Anzeige prüfe, bevor sie live geschalten wird. Aber auch nach ihrer Schaltung könne diese geprüft werden, um herauszufinden, ob sie mit lokalen Gesetzen konform ist. "Der Schutz junger Menschen auf Facebook und Instagram ist von entscheidender Bedeutung", so der Sprecher. Dafür kämen sowohl automatisierte Systeme als auch menschliche Prüfer zum Einsatz.

Ein entsprechendes Werbetracking über mehrere Onlinedienste dürfte Facebook seit Dienstag allerdings schwerer fallen. Apple veröffentlichte nämlich ein iOS-Update für iPhone und iPad. Nutzer können ab sofort selbst entscheiden, ob Apps sie zu Marketingzwecken über mehrere Anwendungen hinweg verfolgen dürfen oder nicht. Bedenkt man, dass Facebooks Haupteinnahmequelle gezielt ausgespielte Werbung ist, leistete das Unternehmen im Vorfeld lauten Widerstand. Der STANDARD berichtete. (mick, 28.4.2021)