Tencent habe Firmenzukäufe und Übernahmen in der Vergangenheit nicht ordnungsgemäß angegeben und verschleiert, lautet der Vorwurf.

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Die Anzeichen mehren sich, dass Chinas Führung nach Alibaba nun auch gegen Chinas anderen Tech-Giganten Tencent vorgeht. Wie die Nachrichtenagentur Reuters exklusiv erfahren haben will, plant die chinesische Marktaufsicht eine Strafe gegen den Konzern in Höhe von zehn Milliarden Yuan, rund 1,3 Milliarden Euro. Der Grund: Tencent habe Firmenzukäufe und Übernahmen in der Vergangenheit nicht ordnungsgemäß angegeben und verschleiert. Und im Bereich Musik-Streaming habe der Konzern sich nicht wettbewerbsgerecht verhalten.

Tencent ist vor allem bekannt für seine Super-App Wechat. Wechat befindet sich auf so ziemlich jedem chinesischen Handy. Aus dem Alltag von einer Milliarde Menschen ist sie kaum mehr wegzudenken, da sie einerseits Funktionen von Whatsapp, Facebook, Instagram in sich vereint, andererseits aber auch zum bargeldlosen Bezahlen benutzt wird. Hinzu kommen andere Anwendungen wie Spiele und Musik-Streams. Auch der Health-Code, mit dem in China Corona-Infizierte getrackt werden, basiert auf Wechat.

Der Konzern machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 480 Milliarden Yuan, rund 60 Milliarden Euro. Gegründet wurde er 1998 von Pony Ma in Shenzhen.

Zu groß, zu mächtig

Tencent scheint mit dem anderen chinesischen Tech-Riesen Alibaba nicht nur den Nachnamen des Gründers zu teilen, sondern auch das Problem, dass die Unternehmen in den Augen der Führung in Peking zu groß und mächtig geworden sind.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte Alibaba-Gründer Jack Ma bei einer Rede vor dem chinesischen Bankenverband den Unmut einiger Kader auf sich gezogen. Ma wollte mit seiner Fintech-Sparte den chinesischen Kreditmarkt revolutionieren, in dem er ein rasant wachsendes Peer-2-Peer-Lending aufgebaut hatte. Ein für Oktober geplanter Börsengang des Ablegers Ant Group bliesen die Entscheider in Peking kurzer Hand ab. Ma selbst verschwand für einige Wochen aus der Öffentlichkeit. Der Konzern Alibaba wurde vor zwei Wochen zu einer Rekordstrafe in Höhe 2,2 Milliarden Euro verdonnert, weil er Anti-Monopol-Gesetze missachtet habe.

Vorgeladen

Und es trifft nicht nur Tencent und Alibaba: Dass man in Peking der Ansicht ist, dass die einst gehätschelten Tech-Konzerne zu mächtig geworden sind, zeigt auch ein Ereignis vom Donnerstag. Die chinesische Marktaufsicht die Führung bat die CEOs von JD Finance, Bytedance und elf weiteren Unternehmen zum Gespräch. Es soll um Finanzierungsmethoden und Expansionspläne gegangen sein.

Auch der Lieferdienst Meituan steht in der Kritik. Meituan, in den wieder Tencent investiert ist, ist mit 65 Prozent Marktanteil die Nummer eins nach dem von Alibaba gestützten Eleme. Den Behörden ist dies zu wenig Wettbewerb. Dafür wiederum hat man kürzlich das Personal der Marktaufsichtsbehörde aufgestockt.

Die Vorgänge zeigen auch Pekings schwieriges Verhältnis zur freien Marktwirtschaft. In den vergangenen zehn Jahren drängte man zuerst ausländische Tech-Giganten aus dem Land, um dann heimische Unternehmen mit staatlicher Unterstützung groß werden zu lassen. Weil man die positiven Effekte eines Wettbewerbs aber durchaus erkannt hat, ließ man in vielen Branchen meist zwei Unternehmen gegeneinander antreten. Mittlerweile aber sind die Quasi-Monopole der Unternehmen der politischen Führung zu mächtig geworden. Peking zieht die Handbremse und setzt auf staatliche Eingriffe. (Philipp Matteis, 1.5.2021)