In einem kleinen Land im Norden der EU geht vergleichsweise friktionsfrei über die Bühne, was anderenorts zu großen Debatten führt: Der "Coronapas", das dänische Pendant des grünen Passes der heimischen Bundesregierung, genießt Umfragen zufolge hohe Zustimmung.

Eine satte Mehrheit von 67 Prozent der Befragten hat sich Mitte April für die Einführung der Handy-App namens "MinSundhed" ("Meine Gesundheit") ausgesprochen, die mit dem zentralen Personenregister des Landes verbunden ist und Auskunft über den Corona-Status gibt.

Dank des "Coronapas" kann in Kopenhagen wieder gefeiert werden.
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Seit 21. April sind zwischen Padborg und Skagen Gastronomie und Sportstadien nach vier Monaten Lockdown wieder offen – nur für jene freilich, die den "Coronapas" in der App oder ausgedruckt dabeihaben. Im Kopenhagener Zoo oder im Vergnügungspark Tivoli wirkt die Pandemie, was den Andrang betrifft, an manchen Tagen wie längst vergessen. Dort stieg die Generalprobe für den "Coronapas": Wer ein negatives Testresultat – nicht älter als 72 Stunden – oder eine komplette Impfung nachweisen kann, durfte feiern und Tiere bestaunen.

Ende Mai, wenn der dänische "Coronapas" voll ausgerollt ist, gilt auch der Nachweis einer positiven Testung samt Genesung innerhalb der vergangenen 180 Tage als Eintrittskarte ins öffentliche Leben.

Rebellisches Südtirol

Ähnlich temporeich geht es in Südtirol zur Sache, wo man sich das dänische Modell genau angesehen hat. Die Regierung der autonomen Provinz im Norden Italiens hat einmal mehr nicht die langsamen Entscheidungsprozesse in Rom abgewartet (dort will man sich im Gleichtakt mit den anderen EU-Partnern bewegen), sondern hat seit 26. April ihre eigene Handy-App in Betrieb genommen. So wie in Dänemark können geimpfte Personen damit Zugangshürden überwinden und unter anderem auch im Inneren von Gastronomiebetrieben speisen und trinken.

Die Südtiroler App ist schon in Betrieb.
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In Bozen und rund 90 weiteren Gemeinden der Provinz kann gratis getestet werden, die Gesundheitsbehörde pflegt das Ergebnis innerhalb weniger Minuten in eine entsprechende Datenbank ein, die via QR-Code auf dem Handy abgefragt werden kann. Erscheint auf dem Display des Gastrobetreibers ein grünes Hakerl, darf der Gast das Lokal betreten. Ganz einfach.

Die meisten Südtiroler Restaurantbetreiber machen zurzeit noch eine zusätzliche Reservierung zur Voraussetzung, um auf diese Weise Probleme mit den nach wie vor strengen Platz- und Abstandsregeln zu vermeiden.

Gute Erfahrungen

Die Wirtinnen und Wirte sammelten in den zwei Wochen seit Freigabe dieser App gute Erfahrungen, ab Ende Mai soll die App dann auch für geimpfte und genesene Personen einsetzbar sein. Bisher müssen diese ihren Gesundheitsstatus als Papierausdruck mitführen – der Rest der Prozedur ist allerdings gleich wie für die Getesteten.

Bedenken von der Datenschutzbehörde in Rom weist die Regionalregierung in Bozen zurück: Es gebe keine Anhaltspunkte für konkrete Probleme mit dem "Corona-Pass Südtirol", heißt es laut Nachrichtenagentur Ansa, die Landeshauptmann Arno Kompatscher zitiert: "Wir glauben beweisen zu können, dass wir alle Normen befolgen. Daher garantieren wir die Vertraulichkeit der Personendaten." Gemeint ist: Sobald die App für alle qualifizierten Personengruppen – Geimpfte, Genesene, Getestete – freigegeben ist, kann nicht nachvollzogen werden, welcher Gruppe die betreffende Person zuzuordnen ist. Hauptsache: sicher für die Allgemeinheit.

Das Angebot an Gratistests in den Südtiroler Gemeinden wird mittlerweile laut Medienberichten sehr gut angenommen – wohl auch, weil sie den Zugang zu Sportstätten und Musikproben ermöglichen. Der Zustrom auf Innenräume von Restaurants blieb – bis auf ein kurzweiliges Intermezzo während einer Schlechtwetterphase Ende April – vorerst aber noch verhalten.

Und auf Kritik, Südtirol möge doch lieber auf die gesamtitalienische Umsetzung der App warten, sagte Landeshauptmann Kompatscher am Dienstag: "Wir haben einfach früher begonnen, damit die Geimpften nicht benachteiligt werden." (Florian Niederndorfer, Gianluca Wallisch, 5.5.2021)