Die Waggons hängen von der Brücke.

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Die Passagiere werden mit Leitern geborgen.

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Großeinsatz für die Rettungskräfte.

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Ein Luftbild der Unglücksstelle.

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Mexiko-Stadt – In Mexiko-Stadt sind beim Einsturz einer U-Bahn-Brücke zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Zwei der neun Waggons eines Zugs der Linie zwölf stürzten am Montagabend einige Meter in die Tiefe und stießen zusammen.

Unter dem eingestürzten Abschnitt der Überführung ist zumindest ein Auto eingeklemmt. Rettungskräfte holten Passagiere mit einer Leiter aus den herabhängenden Waggons. Nach Behördenangaben kamen mindestens 23 Personen ums Leben, 49 wurden verletzt.

Ein Video des Unglücks.

Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum schrieb auf Twitter, sie sei am Ort des Vorfalls am Bahnhof Olivos am südöstlichen Rand der Metropole. Ein Teil der Brücke habe nachgegeben.

Die Rettungsarbeiten wurden durch zahlreiche Schaulustige behindert, die den Einsatzkräften den Weg verstellten. Die Behörden riefen dazu auf, die Unfallstelle weiträumig zu umfahren. Wegen der Gefahr, dass noch mehr Teile der Bahn-Überführung und weitere Zugwaggons auf die Straße stürzen könnten, mussten die Arbeiten mehrmals unterbrochen werden,.

Seit Jahren klagen Passagiere über den schlechten Zustand der erst 2012 eröffneten U-Bahn-Linie zwölf.

Der als Hochbahn geführte südöstliche Streckenabschnitt zwischen den Stationen Tláhuac und Atlalilco musste bereits ab März 2014 für 18 Monate dauernde Sanierungsarbeiten gesperrt werden. Beim Erdbeben im September 2017 wurde die Strecke beschädigt, konnte aber bald wieder in Betrieb gehen.

Szenen aus Mexiko-Stadt nach dem Unfall.
DER STANDARD

Schienen und Züge inkompatibel

Die Schienen zeigten außerordentliche Abnutzungserscheinungen, was wiederum zu Schäden an den Zügen führte: Sechs von 30 Garnituren waren zu dem Zeitpunkt außer Betrieb. Untersuchungen ergaben, dass die Schienen und das rollende Material nicht kompatibel waren.

TÜV Rheinland begleitete Reparaturen der Gleisanlage

Die Reparaturarbeiten an der Gleisanlage überwachte der deutsche Prüfdienstleister TÜV Rheinland, der laut "Forbes Mexiko" bestätigte, dass der Betrieb der Strecke sicher sei. TÜV Rheinland erklärte auf Anfrage des STANDARD, tatsächlich bei der Sanierung eingebunden gewesen zu sein, jedoch nur im Bereich des Gleise und des rollendes Materials, nicht jedoch für Fragen des Zustandes der Brückeninfrastruktur: "TÜV Rheinland hat vor Jahren an der Metrolinie zwölf in Mexiko-Stadt die Entwicklung von Verbesserungsmaßnahmen zur Behebung von technischen Problemen in der Systemtechnik – an der Schnittstelle Rollmaterial/Gleistechnik – überwacht. Unsere damaligen Tätigkeiten standen in keinerlei Zusammenhang mit der Brückeninfrastruktur oder der Strukturfestigkeit von Bestandsbauwerken. Zudem arbeiten wir seit Ende 2017 nicht mehr in diesem Projekt oder an der Metrolinie zwölf."

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Anrainer hatten Berichten zufolge bereits vor Jahren Schäden an Pfeilern entlang der Strecke der U-Bahn-Linie zwölf angeprangert. Es hatte demnach auch Vorwürfe der Korruption beim Bau der Strecke gegeben. (bed, vos APA, 4.5.2021)