Capri – Capri, das glamouröse Touristenziel mit seinen prächtigen Villen, erstklassigen Restaurants und Weltklasse-Einkaufsmöglichkeiten, hofft darauf, den Pandemie-Blues abzuschütteln. Ein Jahr lang haben Schließungen die Wirtschaft der "blauen" Mittelmeerinsel immer wieder belastet. Nun kehrt ein Hauch von Optimismus zurück.

"Ich spüre einen positiven Geist, einen Geist der Erholung", sagt etwa Paolo Federico, General Manager des Fünf-Sterne-Hotels Punta Tragara. "Vielleicht wird die Angst bald nicht mehr Teil unseres Lebens sein." Capri, wie der Rest von Italien, öffnet sich langsam wieder. Essen im Freien ist seit dem 26. April wieder möglich, Essen im Innenbereich wird Anfang Juni erlaubt sein.

Vor Corona haben drei Millionen Menschen Capri besucht.
Foto: REUTERS/Yara Nardi

Der Tourismus auf der Insel, die im letzten Jahrhundert durch Superstars wie Audrey Hepburn und Sophia Loren und später durch Tom Cruise und Jennifer Lopez berühmt wurde, brach um etwa 70 Prozent gegenüber der Zeit vor der Pandemie ein, als jährlich bis zu drei Millionen Menschen das Eiland besuchten.

È bella ma non balla

Der Optimismus sickert gleichsam von Luxusmodegeschäften und Spitzenrestaurants wie La Capannina, wo ein Foto von Jackie Kennedy und Aristoteles Onassis, die dort vor 50 Jahren aßen, an der Wand hängt, zu bescheideneren Lokalen sowie zu Fischern und Bootsbetreibern hinunter.

Vincenzo Iaccarino, Präsident der Bootsfahrer der Blauen Grotte auf der Insel, fand es gewöhnungsbedürftig, dass die Capresi – wie die Einheimischen der Insel genannt werden – den Ort größtenteils für sich hatten, fast so, als ob eine wichtige Zutat in einem Rezept fehlte. "Es ist schön, aber es tanzt nicht" ohne Besucher, sagte er, indem er die populäre italienische Redewendung "È bella ma non balla" verwendet.

Die Bootsfahrer in der berühmten Blauen Grotte hatten im letzten Jahr kaum Kundschaft.
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Iaccarino, 57, ein Bootseigner, der autorisiert ist, Touristen in Capris berühmte Blaue Grotte zu führen, hat sie 33 Jahre lang an der engen, niedrigen Öffnung vorbeigeführt, genau wie sein Vater vor ihm. Das Sonnenlicht, das durch eine Unterwasserhöhle fällt, erzeugt eine so magisch blaue Reflexion, dass der römische Kaiser Tiberius, der eine Villa auf der Insel besaß, sie vor 2.000 Jahren als seinen privaten Schwimmplatz genutzt haben soll.

Urlaubssaison retten

Vierzehn der 20 Regionen Italiens, darunter auch die Region Kampanien, in der Capri vor der Küste Neapels liegt, wurden als gelbe Zonen mit einem relativ geringen Covid-Risiko ausgewiesen. Fünf sind als orange und eine als rot eingestuft. "Ich bin optimistisch und hoffe, dass alles gut geht, denn ein weiteres Jahr wie das letzte werden wir nicht überleben", sagt Iaccarino. Er setzt seine Hoffnung auf amerikanische Touristen, bei denen Capri traditionell hoch im Kurs steht. Geht es nach dem Willen der Europäischen Union, können amerikanische Besucher diesen Sommer in die Mitgliedsländer reisen, wenn sie geimpft sind. Der "Grüne Pass" soll das seine dazu tun, die Urlaubssaison zu retten.

Capri wurde durch Superstars wie Audrey Hepburn und Sophia Loren und später durch Tom Cruise und Jennifer Lopez berühmt.
Foto: REUTERS/Yara Nardi

Capris Bürgermeister, Marino Lembo, hofft daher, dass das Schlimmste für die 14.000 Einwohner der Insel vorbei ist: "Wir sind optimistisch, die Welt hat sich verändert und viele negative Dinge sind passiert, aber mit Blick auf die Zukunft glaube ich, dass wir langsam aus dieser Situation herauskommen werden, indem wir die Regeln einhalten." (Reuters, 4.5.2021)