Der Tschechische Innenminister Jan Hamacek geht gegen kritische Journalisten vor und wirft ihnen üble Nachrede vor.

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Prag – Der tschechische Innenminister Jan Hamacek stellt wegen eines kritischen Artikels Strafanzeige gegen zwei Journalisten. Das kündigte der Sozialdemokrat am Mittwoch in Prag an. Der 42-Jährige beschuldigt die beiden Autoren des Nachrichtenportals Seznamzpravy.cz der üblen Nachrede und der Verbreitung einer Falschmeldung. Außerdem will er den Herausgeber zivilrechtlich auf zehn Millionen Kronen (knapp 400.000 Euro) Schadensersatz verklagen.

Das Nachrichtenportal hatte berichtet, Hamacek sei bereit gewesen, eine Geheimdienstaffäre zu vertuschen, wenn Russland dafür im Gegenzug eine Million Sputnik-V-Impfstoffdosen liefert. Zu dem angeblichen Tauschhandel kam es indes nicht. Prag warf vor kurzem russischen Agenten vor, für Explosionen in einem Munitionslager mit zwei Toten im Jahr 2014 verantwortlich gewesen zu sein. Der Kreml dementierte das. Beide Länder wiesen gegenseitig Diplomaten aus.

"Wir lehnen persönliche Angriffe auf unsere Reporter und unsere Redaktion ab", teilte Seznamzpravy-Chefredakteur Jiri Kubik mit. Die Beweise, auf die man sich stütze, seien "absolut glaubwürdig". Hamaceks Sozialdemokraten kämpfen fünf Monate vor der Parlamentswahl in Tschechien um ihr politisches Überleben. Umfragen sahen die Partei zuletzt unter der Fünf-Prozent-Hürde. (APA, dpa, 5.5.2021)