Zwischen 9. Dezember 2020 und 30. März 2021 unternahmen Techniker des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX vier Starship-Teststarts. Die riesige Schwerlastrakete, die laut Firmengründer Elon Musk noch vor 2030 auf dem Mars landen wird, soll einst vollständig wiederverwendbar sein. Bei den aktuellen Falcons von SpaceX landet nur ein Teil der Rakete wieder auf der Erde, um erneut eingesetzt zu werden.

Höhenflüge mit unsanfter Rückkehr

Bereits der erste Testflug war ein Teilerfolg: Der Prototyp SN8 war von der Teststation Starbase in Boca Chica, Cameron County, im südlichen Texas abgehoben und bis in eine Höhe von rund 12,5 Kilometern aufgestiegen. Doch dann habe "niedriger Druck" im Treibstofftank zu einer zu hohen Geschwindigkeit beim Landeanflug geführt und die Rakete explodierte beim Aufsetzen. Auch bei den Prototypen SN9 bis SN11 schaffte man keine Landung ohne Totalverlust der Rakete.

Damit das Recycling-Konzept aufgeht, muss die in ihrer Vollversion 120 Meter hohe Starship-Rakete aber sicher landen können. Das ist dem Unternehmen nun erstmals gelungen: Am Mittwoch ist der Prototyp SN 15 der Starship-Rakete des US-Unternehmens SpaceX nach einem Testflug sicher und in einem Stück wieder auf dem Erdboden aufgesetzt.

Lift-Off!
Foto: AFP/SPACEX

Flammen gelöscht

Starship stieg dabei mithilfe von drei Raptor-Triebwerken bis in eine Höhe von etwa zehn Kilometern auf, ehe sie sich für den freien Fall quer legte und erst kurz vor der Landung wieder in die Vertikale ging. Kurz nach dem Touchdown waren in der Video-Übertragung noch Flammen am Fuß der Rakete zu sehen, die ein Kommentator von SpaceX jedoch als nicht ungewöhnlich bezeichnete. Die Flammen wurden nach dem Aufsetzen zügig gelöscht. Bei den Tests war eine sanfte vertikale Landung der in dieser Version 50 Meter langen Rakete das Ziel gewesen, das auch erreicht wurde. Musk kommentierte den Erfolg via Twitter mit: "Starship landing nominal!"

Nach der letzten "harten" Landung hat SpaceX an der Rakete umfangreiche Modifikationen vorgenommen. Vor allem bei der Treibstoffzufuhr, bei den Raptor-Triebwerken selbst und bei ihrer Anordnung wurde nachjustiert. Aus diesem Grund klafft bei der Prototypen-Zählung eine Lücke SN11 und SN15.

Ehrgeiziger Zeitplan

Die hohe Frequenz der Testflüge passt zu Musks ehrgeizigem Zeitplan: Schon im Jahr 2023 soll Starship bei einer Mondumrundung zum Einsatz kommen, an der sich unter anderem der japanische Milliardär Yusaku Maezawa beteiligen will. Auch für den "Lokaltransport" wäre Starship geeignet. Nach den Plänen von SpaceX kann die Rakete über 100 Tonnen Fracht in den niedrigen Erdorbit heben, und immer noch 21 Tonnen strebt man für eine geostationäre Transferbahn an.

Kurz vor der zerstörungsfreien Landung.
Foto: REUTERS/Gene Blevins

Landefähre von SpaceX

Aus diesem Anlass hatte Musk jüngst betont, dass die Starship-Rakete in zwei Jahren "sicher genug" für den Transport von Menschen sei. Davon ist offenbar auch die Nasa überzeugt: Im April verkündete die US-Raumfahrtbehörde, dass SpaceX die Ausschreibung zur Entwicklung einer neuen Landefähre für bemannte Mondmissionen gewann. Das eingereichte Konzept heißt Human Landing System (HLS) Starship und soll zwei Astronauten zum Mondoberfläche und wieder zurück in den Mondorbit bringen.

Um den Auftrag hatten sich auch das Raumfahrtunternehmen Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos und die Rüstungsfirma Dynetics beworben. Blue Origin ist mit dieser Vergabestrategie der Nasa freilich unzufrieden und will gegen die Entscheidung vorgehen. (tberg, red, 6.5.2021)