Man kann Ethereum nicht kaufen, Ether hingegen schon.

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Der Kurs der Digitalwährung Ether (ETH) ist zuletzt regelrecht explodiert. Dabei gibt es für Menschen außerhalb der Krypto-Community einige offene Fragen rund um den kleinen Bruder des Bitcoin: Was ist Ethereum? Was unterscheidet es von Bitcoin? Wofür wird es verwendet? Und wo kann man die Kryptowährung kaufen? DER STANDARD hat daher einen Frage-Antwort-Guide für Ethereum-Einsteiger erstellt.

Frage: Was ist Ethereum?

Antwort: Ethereum ist eine dezentrale Blockchain mit Smart-Contract-Funktionalität. Die dazugehörige Kryptowährung nennt man Ether (ETH). In Sachen Marktkapitalisierung ist ETH die zweitgrößte Kryptowährung nach Bitcoin.

Frage: Okay, das war jetzt etwas viel Technik-Kauderwelsch ... Daher etwas anders gefragt: Was unterscheidet Ethereum von Bitcoin?

Antwort: Vieles. Da wäre zunächst einmal die Frage der Urheberschaft. Denn Bitcoin gibt es seit 2008, der Erfinder ist nach wie vor anonym. Bei Ethereum wiederum ist die Gründungsgeschichte weniger mysteriös: Die Idee dazu hatte der Programmierer Vitalik Buterin 2013, 2014 gab es ein Crowdfunding für Ethereum, und am 30. Juli 2015 ging Ethereum mit 72 Millionen Coins online.

Frage: Coins? Da klingelt es ... also ist Ether eine Kryptowährung wie Bitcoin?

Antwort: Jein. Denn Buterins primäres Ziel mit Ethereum war nicht, ein digitales Zahlungsmittel zu erschaffen, sondern eine Möglichkeit, Werte aus der realen Wert – etwa Wertanlagen oder Immobilien – an die Blockchain zu koppeln. Das bringt uns auch zurück zu den eingangs erwähnten Smart Contracts ("schlaue Verträge"): Auch Verträge können mithilfe von Ethereum auf der Blockchain festgehalten werden.

Frage: Jetzt drängt sich eine Auffrischungsfrage auf: Wie funktioniert die Blockchain eigentlich?

Antwort: Die einfachste und mit Abstand kürzeste Erklärung für die Blockchain lautet: Es ist eine Datenbank. Fertig. Aber es ist eben keine gewöhnliche Datenbank, in der jeder nach Belieben jedes Feld editieren kann, sondern es werden "Blöcke" in einer "Kette" aneinandergereiht. Kommt ein neuer Block an die Kette, können die vorherigen Blöcke nicht mehr geändert werden. Die Blöcke wiederum werden generiert, indem auf der ganzen Welt verteilte Rechner komplexe Aufgaben lösen – daher die Bezeichnung "dezentral". Als "Belohnung" für die Lösung der Aufgabe werden sie in Bitcoin beziehungsweise in Ether bezahlt. Diesen Prozess bezeichnet man auch als "Mining" und den Nachweis der erbrachten Leistung als "Proof of Work".

Frage: Und was macht jetzt Ethereum mit der Blockchain?

Antwort: Jedes Programm, das auf Ethereum läuft, überprüft regelmäßig den Status der Ethereum-Blockchain. Bei Bitcoin werden lediglich Finanzwerte in der Blockchain gespeichert. Bei Ethereum hingegen auch andere Werte – und wie sich diese nach einer Buchung verändern.

Frage: Erklär mir bitte noch einmal das mit dem "dezentralen Netzwerk".

Antwort: Da niemandem die Datenbank gehört, sondern sie auf einem Netzwerk aus weltweit verteilten Rechnern beruht, können Inhalte nicht von einzelnen Institutionen gelöscht oder zensiert werden – dafür müsste man das gesamte Netzwerk abschalten, was bei so vielen weltweit verteilten Rechnern nicht möglich ist. Einen einzelnen Server könnte man hingegen rasch vom Netz nehmen, wenn es eine zentrale Speicherung gäbe.

Frage: Kurze Zwischenfrage: Woher kommt der Name Ethereum eigentlich?

Antwort: Auf Wikipedia steht, dass Buterin sich für den Namen entschied, als er auf Wikipedia Beiträge über Science-Fiction las: Dabei habe ihm die Idee des "Äthers" gefallen – also der einstige Glaube an ein unsichtbares Medium, über das sich Licht im Universum ausbreitet. So soll nämlich auch Ethereum das Medium sein, auf dem verschiedene Applikationen laufen.

Frage: Weil es ein bisschen verwirrend ist: Was ist jetzt genau Ethereum, und was ist Ether?

Antwort: Das wird oft verwechselt. Richtig ist: Ethereum ist das Netzwerk, Ether ist die Währung.

Frage: Und jetzt noch einmal zurück zur Anwendung: Wofür kann Ethereum verwendet werden?

Antwort: Zum Beispiel für einen sogenannten Smart Contract für eine Ferienwohnung oder im Carsharing: Hier kann einem Menschen kurzfristig der Zugang zu einem Auto oder zu einer Wohnung gewährt werden. Dieser Status wird in der Blockchain festgehalten, wo er nicht durch Betrüger nachträglich manipuliert werden kann. Zugleich experimentieren zahlreiche IT-Konzerne damit, ihre Software auf Ethereum laufen zu lassen. Und dann gibt es noch die Möglichkeit, sogenannte Non-Fungible Tokens (NFTs) zu erstellen.

Frage: NFTs? Das kommt mir bekannt vor ...

Antwort: Vermutlich, weil DER STANDARD zu diesem Thema bereits unter diesem Link ein Frage/Antwort veröffentlicht hat. Beziehungsweise haben wir unter diesem Link eine "Thema des Tages"-Podcastfolge über NFTs aufgenommen. Das Prinzip von NFTs hier kurz zusammengefasst: Die meisten Token sind fungibel, also absichtlich so konstruiert, dass sie gleichartig, zerteil- und austauschbar sind wie eine Währung. Nichtfungible Token hingegen sind einzigartig. Jeder NFT existiert in der Blockchain nur einmal und repräsentiert den Besitz an etwas ganz Bestimmtem – zum Beispiel an einem Kunstwerk, das es nur ein einziges Mal gibt.

Frage: Und die NFTs sind nun der Grund dafür, warum der ETH-Preis so stark gestiegen ist?

Antwort: Ja, zumindest sagen das einige Finanzanalysten. Denn in den vergangenen Monaten ist um NFTs und digitale Kunstwerke ein regelrechter Hype entstanden. Auch die anderen Anwendungsfälle – etwa Smart Contracts – gewinnen an Bedeutung, es werden immer mehr Anwendungen entwickelt. Ende April hat die Europäische Investitionsbank (EIB) sogar eine digitale Anleihe auf Ethereum gestartet. All das treibt das Interesse an ETH. Außerdem ist der Bitcoin-Kurs zuletzt regelrecht explodiert, was auch andere Kryptowährungen zunehmend ins Licht der Öffentlichkeit rückt.

Frage: Ich will mit Ethereum spekulieren. Wo kann ich es kaufen?

Antwort: Man kann Ethereum nicht kaufen.

Frage: Okay ... wo kann ich Ether kaufen?

Antwort: Es gibt zahlreiche Anbieter, die neben Bitcoin auch diverse andere Kryptowährungen zum Handel anbieten – darunter auch Ether. Zwei dieser Anbieter sind zum Beispiel das mittlerweile börsennotierte Coinbase oder das in Wien ansässige Bitpanda.

Frage: Und wenn ich diesen Plattformen nicht vertraue?

Antwort: Dann besteht noch immer die Möglichkeit, indirekt über einen herkömmlichen Broker zu investieren. Das geschieht über sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), die den Ethereum-Kurs abbilden. Den ETF findet man dann im eigenen Portfolio, ähnlich wie Aktien und andere Wertpapiere.

Frage: Wie wird sich der Kurs weiter entwickeln?

Antwort: Das weiß niemand. Und wer etwas anderes behauptet, der lügt. (Stefan Mey, 6.5.2021)