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Gestern ist eine Lehrerin weinend in ihrem Büro gestanden, erzählt Ursula Wischounig. "Sie pflegt seit Jahren ihre Schwester, jetzt geht es auf das Ende zu." Für Wischounig ist klar: "Ich muss ihr den Rücken freihalten." Sie muss also eine rechtlich korrekte Lösung finden, die es der Lehrerin ermöglicht, ihren Unterricht und die Pflege der Schwester unter einen Hut zu bringen.

Zuständig für fast alles

Wischounig ist Administratorin am Gymnasium Contigasse in Wien im 22. Bezirk. Das heißt, sie unterstützt die Direktorin ihrer Schule bei Verwaltungsaufgaben. Was recht trocken klingt, ist gerade in der Pandemie zu einer existenziellen Aufgaben für die Schulen geworden. Administratoren erstellen den Stundenplan, organisieren die Matura, erheben und dokumentieren Schülerdaten und sind für die korrekte Besoldung der Pädagogen am Schulstandort zuständig. Und das sind nur einige der Aufgaben: "Wir sind die eierlegende Wollmilchsau", sagt Wischounig und lacht.

Das Coronavirus hat das Tätigkeitsprofil der Administratoren um ein Vielfaches erhöht. Überstunden sind die Regel. "Ich kriege auch Mails am Sonntag um 21 Uhr, in dem mir eine Mutter mitteilt, dass sie am Montag einen Platz für ihren Sohn braucht", nennt Wischounig ein Beispiel aus der Zeit, als Schulen nur für jene geöffnet waren, deren Eltern Betreuung brauchen.

Eine Umarmung mit Folgen

Auch Daniela Huber-Krimplstätter ist mehr als ausgelastet. Sie ist Administratorin an der "hakzwei" – einer Handelsakademie in der Stadt Salzburg. Derzeit beschäftigt sie eine Umarmung vor dem Schulgebäude. Drei Mädchen haben den vorgeschriebenen Abstand nicht eingehalten – eine davon war später beim Test Covid-positiv. Für Huber-Krimplstätter heißt das: Dokumentieren, mit wem die Mädchen sonst noch engen Kontakt hatten. Die Liste schickt sie an die Gesundheitsbehörde, die entscheidet, wer in Quarantäne muss. "Mittlerweile ist das Routine", sagt Huber-Krimplstätter. Auch die Behörde sei schneller geworden. Trotzdem passiere es, dass sie manchmal noch am Abend nicht wisse, welche Schülerinnen und Schüler am nächsten Tag die Schule besuchen dürfen und welche nicht.

Drohende Väter

Vor allem der Schichtbetrieb stellt die Administratoren vor große Herausforderungen. "Zuerst hieß es, wir sollen die Teilung alphabetisch machen. Aber was mache ich dann, wenn nur ein Kind aus Gruppe A den Italienischunterricht mit der Gruppe B besucht?", erzählt Wischounig. Sie habe sich also bemüht, eine pädagogische sinnvolle Teilung zu finden. Daraufhin beschwerte sich ein Vater bei ihr, der ihr mitteilte, dass ihn pädagogische Überlegungen nicht interessierten – wichtig sei nur, dass das Kind mit dem Freund in die gleiche Gruppe komme. Probleme dieser Art liegen am Ende in der Verantwortung und Zuständigkeit der Direktion. "Das ist manchmal gut, dass die Endverantwortung nicht bei uns liegt", sagt Wischounig.

Direktoren an Pflichtschulen – also etwa an Volksschulen und Mittelschulen – dürfen keine Administratoren bestellen. Diese Unterstützung fehlt an allen Ecken und Enden, weiß die Pädagogin. Natürlich sei die Lage bei kleinen Schulen anders, dennoch wundere es sie nicht, wenn sich nur mehr wenige für diese Leitungsfunktionen bewerben. "Das ist eine Zumutung", sagt sie.

Permanent Neues lernen

Auch ihr Ehemann, Michael Wischounig, ist Administrator – am Bernoulligymnasium, ebenfalls im 22. Bezirk. Die beiden unterrichten gemeinsam werdende Administratoren an der Pädagogischen Hochschule Wien. "Es gibt kein Kompendium, dass wir denen überreichen können", sagt er. "Es hilft jedenfalls, wenn man keine Panikattacke beim Anblick von Excel-Tabellen kriegt", meint seine Ehefrau Ursula. Im Gesetz sind die Aufgaben der Administratoren nicht geregelt, jede Schule kann selbst bestimmen, was genau der Administrator macht.

Das Tätigkeitsprofil ändere sich ständig, vor allem durch die Digitalisierung, sagt Michael Wischounig. "Es muss viel Lernbereitschaft da sein. Nach zwei Jahren sind die Aufgaben schon wieder ganz anders." Das meiste müssten sich die Administratoren selbst aneignen.

Dazu zählt auch die Expertise in Corona-Gesetzgebung. Alle drei Administratoren – Huber-Krimplstätter in Salzburg und die Wischounigs in Wien – sitzen jedes Mal gebannt vor den Schirmen, wenn Bildungsminister Heinz Faßmann eine Pressekonferenz gibt. Vorher wisse man meist gar nichts, alle Infos würden erst über die Medien verbreitet, erzählen die drei unabhängig voneinander. Finde die Pressekonferenz am Montag oder Dienstag statt, sei das Gesetz am Donnerstag oder Freitag fertig, gelte aber schon am Montag.

Notgedrungen flexibel

"Zum Glück funktioniert die Kommunikation mit den Lehrern und Eltern bei uns sehr gut", sagt Huber-Krimplstätter. Mittlerweile hätten alle Verständnis dafür, wenn manche Regelung mit Vorbehalt rausgegeben würden. "Weil wir manchmal einfach noch nicht wissen, wie es tatsächlich sein wird." Das gilt auch für die Öffnung oder Nicht-Öffnung der Schulen in ganz Österreich am 19. Mai. (Lisa Kogelnik, 14.05.2021)