Auch im Sommer 2021 wird Österreich die klare Nummer eins unter unseren Reisezielen bleiben. Das legen zumindest aktuelle Buchungszahlen der größten heimischen Reisebüros nahe. Doch wie sieht es mit Badeurlaub rund ums Mittelmeer aus oder ganz generell mit rein touristischen Auslandsreisen? So gut wie schon lange nicht mehr! Dennoch stellen sich bei der Planung – und mehr noch vor dem Buchen – ein paar Fragen:

Frage: Ab wann werden touristische Auslandsreisen in Europa wieder möglich sein?

Antwort: Urlaubsreife wie Reisebranche hoffen, dass es mit Stichtag 19. Mai Planungssicherheit für den Sommerurlaub geben wird. Mit der angestrebten Novellierung der Einreiseverordnung soll nicht nur für Touristen aus den meisten EU-Ländern, sondern auch für zurückkehrende Österreicher aus diesen Ländern die Quarantänepflicht wegfallen. Ausgenommen davon sind Hochinzidenzgebiete, wobei sich das Gesundheitsministerium an der Corona-Ampel der EU-Gesundheitsagentur ECDC orientieren will. Deutlich einfacher wird es durch die EU-weite Einführung des grünen Passes (Impf-, Test- oder Genesungsnachweis). Der Haken daran ist, dass jedes Land individuelle Kriterien festlegen kann. Theoretisch könnten manche Staaten etwa den testlosen Zutritt erst nach dem zweiten Stich einer Impfung ermöglichen.

Frage: Wo findet man die aktuelle ECDC -Karte, und was sagt sie aus?

Antwort: Die "EU-Corona-Ampel" wird jede Woche donnerstags aktualisiert und ist unter www.ecdc.europa.eu zu finden. Aus Ländern, die auf der ECDC-Karte grün oder orange eingefärbt sind, soll die Einreise bzw. Rückreise nach Österreich auflagenfrei möglich sein. Bei der Einreise aus (hell-)roten Gebieten reicht nach den Plänen des Gesundheitsministeriums künftig ein negativer Corona-Test oder ein Nachweis über Impfung oder Genesung nach einer Corona-Infektion. Für Einreisende aus dunkelroten Gebieten soll dagegen die zehntägige Quarantänepflicht mit einem Freitesten ab dem fünften Tag weiter bestehen. Ob man bei der Einstufung wie die EU-Gesundheitsagentur nach Regionen unterscheiden wird, ist allerdings noch nicht klar.

Der Sommer-Urlaub am Meer rückt in greifbare Nähe. Mit dem grünen Pass werden Auslandsreisen wieder möglich.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Frage: Welche Länder sind laut dieser Karte aktuell vernünftige Reiseziele für Urlauber?

Antwort: Teilweise grün oder orange sind derzeit nur Finnland und Norwegen, Island, Irland, Dänemark sowie Portugal und Malta. (Zu den aktuellen Einreisebestimmungen in einzelnen europäischen Ländern siehe Infokasten unten, Anm.) Die beliebtesten Sommer-Reiseziele der Österreicher sind laut ECDC-Karte großteils hellrot (Griechenland und Italien), Spanien ist halb orange, halb hellrot und Kroatien über wiegend dunkelrot. Nicht berücksichtigt sind Groß britannien, die Schweiz sowie die Nicht-EU-Länder des Westbalkans. Noch eine Schwierigkeit gibt es mit dieser Karte: Sie kann keine Auskunft darüber geben, unter welchen Auflagen die Länder überhaupt Touristen empfangen.

Frage: Wie finde ich dann heraus, wo Urlauber willkommen sind?

Antwort: Erste Anlaufstelle für diese Infos sollte immer die Länderseite unseres Außenministeriums sein. Übersichtlicher und detaillierter fallen sie zum Beispiel unter der-reisemanager.com aus. Auf der Seite können sich Urlauber über die Covid-19-Bestimmungen für Ein- und Ausreise sowie vor Ort in formieren. Eine ganz ähnliche Aufgabe erfüllt der Online-Dienst Sherpa. Der Nachteil dieser beiden Seiten: Sie berücksichtigen nicht die spezifisch österreichischen Bedingungen bei der Rückreise bzw. die von unserem Außenministerium ausgesprochenen Reisewarnungen.

Frage: Und wann fällt dann die Reisewarnung, die noch immer fast weltweit gilt?

Antwort: Eine gute Frage, zumal es dazu vom Außenministerium noch keine Stellungnahme gibt. Es ist davon auszugehen, dass die pauschale Warnung im Rahmen er EU-weiten Umsetzung des grünen Passes gelockert wird oder fällt. De facto besitzt die (fast) globale Reisewarnung, die seit November 2020 gilt, immer weniger Aussagekraft. Sie nimmt keinen Bezug mehr auf regionale Veränderungen, sprich eine Besserung der Lage.

Frage: Aber kann man trotz Reisewarnung eine Reise buchen – oder soll man noch warten?

Antwort: Ja, kann man, denn eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot. Allerdings sollte man gerade jetzt darauf achten, dass es kostenlose Stornomöglichkeiten bis kurz vor der Abreise gibt. Während man 2020 noch argumentieren konnte, dass eine Reise wegen Corona plötzlich unzumutbar war, ist das jetzt nicht mehr so einfach. Die Pandemie ist ein (kalkulierbarer) Teil unseres Lebens geworden. Wer daher ohne Kosten von Reiseplänen zurücktreten will, sollte sich die Möglichkeit dazu bei Vertragsabschluss bestätigen lassen.

Frage: Wird es denn nach der langen Zwangspause genügend Flüge geben?

Antwort: Grundsätzlich ja. Austrian Airlines etwa verzeichnen bereits eine erhöhte Nachfrage für den Sommer und stocken daher das Angebot an Feriendestinationen bis Juli kontinuierlich auf. Insgesamt sollen über 100 Destinationen angeflogen werden. Der Hauptfokus wird auf Griechenland und Zypern liegen, auch Italien, Spanien und die Türkei werden wieder verstärkt von Austrian angeflogen. Allerdings sollte man bedenken, dass in der Krise bereits rund zwei Dutzend andere Airlines, darunter Germanwings und Level, vom Markt verschwunden sind. Die Verfügbarkeit von Charterflügen ist vorerst noch knapp bemessen.

Frage: Und wo in Europa besteht die Gefahr, dass es heuer überlaufen sein könnte?

Antwort: Nirgendwo wirklich, wenngleich es wie schon im Sommer 2020 in Kroatien und Griechenland lokale Hotspots geben könnte. Die spannenderen Fragen lauten: Wo in Europa gelten für Urlauber ähnliche Regeln wie in Österreich, und wo genießen sie gar Vorteile? Und nicht für alle Reiseziele wird voraussichtlich die Quarantänepflicht bei Rückkehr nach Österreich fallen.

Wie es in den fünf beliebtesten Sommer-Reisezielen der Österreicher im Detail aussieht, sehen Sie im Folgenden.

Italien

Zunächst war der Start der Sommersaison in Italien für den 2. Juni veranschlagt. Nun hat Ministerpräsident Mario Draghi bekanntgegeben, dass es bereits Mitte Mai losgehen könnte. Er will dafür den nationalen Impfpass auch ausländischen Gästen zur Verfügung stellen. Ab dem 16. Mai sollen diese damit wieder ohne die obligatorische Quarantäne von fünf Tagen nach Italien einreisen können. Details, wie dieser Pass aussehen wird, blieb er schuldig. Wie die Griechen (siehe unten) konzentriert man sich bei der Impfstrategie vor allem auf beliebte Urlaubsinseln wie Sardinien oder Sizilien. Kleinere Inseln wie Capri, Ischia, die Insel Elba und die Äolischen Inseln vor Sizilien wie Lipari und Pantelleria sollen dank der kompletten Durchimpfung der Bewohner bald Corona-frei sein. Strenge Kon trollen sollen dafür sorgen, dass nur negativ getestete Urlauber die Inseln erreichen. Wie sich das mit dem Impfpass ändert, steht noch nicht fest.

Sardinien möchte bald coronafrei sein.
Foto: imago images/Travel-Stock-Image

Momentan ist das Reisen im Land teils noch eingeschränkt. In Regionen, wo die Corona-Zahlen moderat sind, dürfen Restaurants, Bars und Co auch schon abends im Außenbereich an Tischen servieren. Ab 22 Uhr gilt ein Ausgangsverbot. Ab 1. Juni soll man in Lokalen wieder drinnen sitzen dürfen. Aus heutiger Sicht wird für Italien-Urlauber die in Österreich noch geltende Quarantänepflicht ab 19. Mai fallen.

Griechenland

Aus jetziger Sicht wird die derzeit geltende Quarantänepflicht ab 19. Mai für Griechenland-Rückkehrer wegfallen. Das Land will sich schon vom 15. Mai an vollständig für den Tourismus öffnen. Alle Menschen werden dann wieder frei reisen können. Touristen werden in Griechenland bereits jetzt empfangen, allerdings dürfen sie sich nach der Einreise nur zu ihrem Zielort begeben und nicht tagelang umherreisen. Zudem müssen sie bei der Einreise einen aktuellen negativen PCR-Test oder eine abgeschlossene Impfung vorweisen. Eine Quarantänepflicht besteht für die meisten Länder nicht.

Griechenland will sich schon vom 15. Mai an vollständig für den Tourismus öffnen
Foto: REUTERS/Alkis Konstantinidis

Bereits Anfang Mai durften die Bars und Tavernen in Griechenland wieder öffnen – allerdings mit Auflagen: So muss das Personal zweimal pro Woche einen negativen Corona-Schnelltest vorweisen und immer eine Maske tragen, wie der Staatsrundfunk (ERT) berichtete. Stehende Gäste und Musik sind nicht erlaubt, an einem Tisch dürfen höchstens sechs Personen sitzen. Zudem müssen die Sessel zwischen zwei Tischen einen Abstand von mindestens 1,80 Metern haben. Tavernen und Bars müssen um 22.45 Uhr schließen. Von 23 Uhr bis 5 Uhr gilt weiterhin ein Ausgangsverbot.

Die Fallzahlen gehen in Griechenland nach Angaben der zuständigen Gesundheitsbehörde zurück, mit den Impfungen geht es derweil voran. Die griechische Impfstrategie ist flexibel. So wurden zunächst die ältesten Bürger geimpft, nun aber erhalten zum Teil auch jüngere Inselbewohner das Vakzin, um die griechischen Inseln für die Tourismus-Saison Corona-frei zu machen. Täglich werden nach offiziellen Angaben derzeit mehr als 55.000 Menschen geimpft.

Spanien

Ein weiteres beliebtes Urlaubsland wird demnächst von der Quarantäneliste gestrichen: Spanien. Denn die Lage dort ist relativ stabil. Landesweit liegt die Inzidenz bei rund 90 und ist damit niedriger als in Österreich. In einigen Regionen wurde der Wert von 50 Neuinfizierten je 100.000 Einwohner in den letzten Tagen sogar unterschritten. Etwa auf den Balearen oder den Kanaren. Das deutsche Roland-Koch-Institut hat Spanien deshalb bereits von der Liste der Risikoländer gestrichen, auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes wurde für einige Regionen aufgehoben.

Auch Spanien schlägt sich wacker: Das Land wird von der Quarantäneliste gestrichen.
Foto: imago images/Chris Emil Janßen

Am 9. Mai endet in Spanien der Corona-Notstand und soll wegen der guten Entwicklung nicht verlängert werden. Damit entfällt die Grundlage für die meisten Maßnahmen wie Reisebeschränkungen, nächtliche Ausgangssperren, Obergrenzen bei Versammlungen und Schließung von Gaststätten. Wie es danach weitergehen soll, ist aber noch nicht klar. Alle Hoffnungen des extrem vom Tourismus abhängigen Landes für eine normale Sommersaison richten sich auf den digitalen Impfpass.

Türkei

Angespannt stellt sich die Lage in der Türkei dar. Dort bangt man angesichts der massiven Welle von Corona-Infektionen um die Sommersaison. Die Regierung hat einen Lockdown bis Mitte Mai verhängt, um den wichtigen Wirtschaftszweig vor einem erneuten Einbruch zu bewahren. Man hofft die tägliche Fallzahl bis zum geplanten Ende des Lockdowns ab 17. Mai unter 5.000 zu senken. Aktuell liegt der Inzidenzwert bei 276,1 Infizierten je 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Man steht also ähnlich da wie Kroatien – siehe Kasten rechts.

Die Türkei kämpft momentan gegen eine weitere Coronawelle.
Foto: AP Photo/Burhan Ozbilici

Von den Ausgangsbeschränkungen ausdrücklich ausgenommen sind Touristen. Das geht aus einem Erlass des türkischen Innenministeriums hervor. Schon davor waren Urlauber von den Ausgangsbeschränkungen am Wochenende nicht betroffen. "Ausländische Besucher werden ihren Aktivitäten nachgehen können, sofern sie ihre Pässe dabeihaben", heißt es auf der offiziellen Tourismus-Website goturkiye.com.

Darüber hinaus investiert die Türkei in das "Safe Tourism Certification Program", um einen sicheren Aufenthalt im Land zu gewährleisten. Ein einschlägiges Impfprogramm läuft. Noch vor dem Beginn der Sommersaison sollen Tourismusmitarbeiter geimpft sein. Ab 1. Juni plant man jedenfalls die Reisesaison zu starten.

Kroatien

Mit Quarantäne müssen Kroatien-Rückkehrer aus heutiger Sicht auch nach dem 19. Mai rechnen. Der landesweite Inzidenzwert ist mit über 300 sehr hoch. Während von Istrien mittlerweile Werte unter 50 gemeldet werden, sind die Hauptstadt Zagreb und die dalmatinische Küstenregion besonders stark betroffen.

Kroatien bemüht sich den Sommerurlaub für Gäste so sicher wie möglich zu machen.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Landesweit gilt die Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen und Verkehrsmitteln sowie im Freien überall dort, wo kein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Die Außenbereiche der Gastronomie sind von 6 bis 22 Uhr beschränkt geöffnet. Hotels, Campingplätze und andere Beherbergungsbetriebe sind geöffnet. Von Touristen aus EU -Ländern wird bei der Einreise ein negativer PCR- oder Antigen-Schnelltest verlangt, der nicht älter als 48 Stunden ist. Wer mit einem Schnelltest einreist und sich mehr als zehn Tage in Kroatien aufhält, muss sich zehn Tage nach dem ersten Test erneut testen lassen. Ohne Quarantäne können Geimpfte, die vor mehr als 14 Tagen die zweite Dosis erhalten haben, einreisen. So der aktuelle Stand.

Bei der Einreise wird eine Reiseregistrierung durchgeführt. Unter Safe Stay in Croatia hat man ein nationales Sicherheitslabel etabliert, das einen sicheren Aufenthalt im Land gewährleisten soll. Mitte April hat man damit begonnen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Tourismus zu impfen. Man möchte zudem die Inseln des Landes zu "Covid-freien Zonen" machen. Bekanntmachungen zu aktuellen und genauen Informationen über das Coronavirus findet man unter: www.koronavirus.hr. (Sascha Aumüller, Markus Böhm, 7.5.2021)