Foto: Reuters / Tony Gentile

Pro
von Michael Steingruber

Ein plump geratener Eiffelturm, ein kitschiger Airbrush-Sonnenuntergang oder "lustige" Sprüche – die Motive der meisten Kühlschrankmagneten sind so gar nicht nach meinem Geschmack, deswegen verzichte ich auf diese ästhetisch fragwürdigen Deko-Elemente in der Küche.

Anders meine Eltern: Von jedem Urlaub bringen sie sich selbst einen Kühlschrankmagneten als Souvenir mit. Die Suche nach dem richtigen Stück ist fester Bestandteil einer jeden Reise. Es muss ein Magnet gekauft werden! Mittlerweile ist dadurch eine beachtliche Sammlung aus aller Welt entstanden.

Was mir früher bloß ein Augenrollen oder müdes Lächeln entlockte, ergibt plötzlich Sinn. Zurzeit ist es nicht weit her mit dem Reisen. Da sind kleine Erinnerungshilfen an schöne Zeiten in der Ferne sehr willkommen. Sie machen auch Vorfreude auf den nächsten Urlaub. In dem werde ich vielleicht sogar über meinen Schatten springen und mir einen Kühlschrankmagneten kaufen.

Kontra
von Anne Feldkamp

Wer kennt sie nicht, die müden Magneten? Irgendwann taumeln sie kraftlos zu Boden. Dass nach jahrelangem Rumhängen der eine oder andere Kandidat in Depressionen verfällt, ist nachvollziehbar. Die Tragik eines weitgereisten "I love New York"-Magneten, der an einem Nullachtfünfzehn-Kühlschrank in der Wiener Leopoldstadt versauert, liegt auf der Hand: Wo, wenn nicht hier, hängen Traum und Realität, die große weite Welt und der glanzlose Alltag, so dicht beieinander?

Wer nun meint, gegen Fernweh könne die Gesellschaft magnetischer Leidensgenossen helfen, irrt. Keine Schweizer Kuhglocke, keine bayerische Brezn, kein Mailänder Miniaturdom werden dem "I love New York"-Magneten zu alter Stärke verhelfen. Sie machen die Sache nur schlimmer. Den Souvenirjägerinnen und -jägern, die schon da draußen in den Startlöchern stehen, sei deshalb gesagt: Finger weg von den Magneten, überall in der Welt ist es schöner als an eurer kalten Kühlschranktür! (RONDO, 14.5.2021)