Tesla-CEO Elon Musk wird von seinen Fans auf Twitter regelrecht gefeiert.

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Der Tweet oder TV-Auftritt eines einzelnen Menschen kann das Finanzleben anderer Investoren auf den Kopf stellen – so etwa im Fall von Tesla-CEO Elon Musk, der zuletzt für einen Höhenflug der Kryptowährung Dogecoin mitverantwortlich war, bevor diese im Zuge seines Auftritts bei der US-Show Saturday Night Live um rund 30 Prozent einbrach. Was war geschehen? Und wie stark ist der Multimilliardär sonst noch mit Kryptowährungen verbunden?

Frage: Was ist Dogecoin?

Antwort: Dogecoin ist eine Kryptowährung, die 2013 von Billy Markus und Jackson Palmer als Parodie auf andere Kryptowährungen geschaffen wurde. Das Logo ist das Gesicht eines Shiba-Inu-Hundes, der damals als Vorlage für beliebte Memes diente. Sie startete also als Witz, ist aber heute eine der größten Kryptowährungen der Welt mit einer Marktkapitalisierung von rund 68 Milliarden US-Dollar (56 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Die Deutsche Bank ist an der Börse knapp 24 Milliarden Euro wert.

Frage: Und wie viel kostet eine einzelne Dogecoin?

Antwort: Am Montag lag der Preis bei rund 50 US-Cent. Zu Jahresanfang lag der Preis noch bei 0,4 Cent, bevor er regelrecht explodierte und am Samstag mit 68 Cent einen Höhepunkt erreichte. Dann stürzte der Kurs über Nacht ab.

Frage: Wie konnte das passieren?

Antwort: Im Lauf der vergangenen Monate ist rund um die Dogecoin ein regelrechter Internetkult entbrannt. Befeuert wurde dieser vor allem durch Tweets von Elon Musk im Vorfeld seines Auftritts in der US-Show S aturday Night Live. Viele erwarteten, dass er dort den Kurs weiter befeuern würde. Stattdessen bezeichnete er die Dogecoin aber vor laufender Kamera als "Hustle" ("Abzocke"). Und die Investoren verkauften en masse.

Frage: Wer Krypto sagt, der muss auch Bitcoin sagen. Gibt es hier auch eine Verbindung?

Antwort: Ja. Im Februar hatte Tesla erklärt, 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin investiert zu haben. Außerdem akzeptiert Tesla in den USA Bitcoin als Zahlungsmittel beim Kauf eines Autos. In der jüngsten Tesla-Quartalsbilanz wurde ersichtlich, dass von den 438 Millionen Dollar Gewinn 101 Millionen Dollar durch Bitcoin-Verkäufe zustande kamen. Zwischendurch hatte Musk in Tweets öfter die Werbetrommel für Bitcoin gerührt.

Frage: Fällt das nicht unter den Tatbestand der Kursmanipulation?

Antwort: Das Thema ist schwierig, zumal der Bitcoin per se nicht börsennotiert ist. Er hat zudem keinen Eigentümer, die Urheber des Bitcoins sind nach wie vor anonym. Außerdem beeinflusste Musk nicht den Kurs seines eigenen Unternehmens, sondern die Entwicklung eines externen Assets. Und er selbst argumentiert, dass er selbst keine Bitcoins verkaufe, sondern dass das Unternehmen Tesla zehn Prozent des Bestands veräußert habe – vor allem, um die Liquidität des Assets und die Tauglichkeit als Alternative zu Bargeld in der Bilanz zu demonstrieren.

Frage: Elon Musk und die Börsenaufsicht – war da nicht einmal was?

Antwort: Ja, genau. Im Sommer 2018 hatte Elon Musk via Twitter angekündigt, Tesla zu einem Preis von 420 Dollar pro Aktie von der Börse nehmen zu wollen. Diese Angaben erwiesen sich als falsch. Die US-Börsenaufsicht ortete versuchte Kursmanipulation. Musk musste daraufhin seine Rolle als Chairman für drei Jahre abgeben, durfte aber CEO von Tesla bleiben. In puncto Bitcoin und Dogecoin lässt ihn die Börsenaufsicht vorerst noch in Ruhe.

Frage: Bitcoins werden auch für ihren hohen Energieverbrauch kritisiert. Was bedeutet das für Teslas CO2-Bilanz?

Antwort: Bitcoins werden von Klimaschützern stark kritisiert, da die Produktion der virtuellen Währung viel Strom verbraucht. Eine aktuelle Studie der Bank of America hat versucht, den CO2-Ausstoß von Bitcoin-Investments in Bezug zu Autos mit Verbrennungsmotoren zu setzen – mit dem Ergebnis, dass Teslas jüngster Bitcoin-Kauf dem jährlichen CO2-Ausstoß von 1,8 Millionen herkömmlichen Pkws entspricht.

Frage: Sollte man also nun in Kryptowährungen investieren?

Antwort: Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Elon Musk twitterte am Donnerstag, dass Kryptowährungen zwar vielversprechend seien, man aber vorsichtig investieren solle. Es ist seinen Fans zu wünschen, dass sie diesen Ratschlag befolgen. (Stefan Mey, 10.5.2021)