Das legendäre Sturm-Stadion "Gruabn" war bei den Spielern gefürchtet.

Foto: Fischer/SK Sturm

Graz – Es war Österreichs Horrorstätte des Fußballs, eine gefürchtete, tief liegende, unebene und unberechenbare Rasenarena namens "Gruabn" am Rande der Grazer Innenstadt. In der steirischen Landessprache läuft sie unter "Gruam".

Die Fußballlegende Herbert Prohaska erinnert sich im 2019 herausgekommenen Gruabn-Buch an sein Debüt auf dem Grazer Platz: "Was habe ich nicht im Vorfeld alles für Schauermärchen über die Gruabn gehört? Die Fans seien martialisch, das Spielfeld eng, die Sturm-Spieler überhart. Ich hatte gehörigen Respekt, als ich die Stufen auf den Rasen hinunterging."

Der spätere Sturm-Präsident Hannes Kartnig gab in dieser Publikation, die zum Anlass des 100-jährigen Bestehens des Fußballplatzes veröffentlicht wurde, zu Protokoll: "Die Gruabn war eigentlich sensationell, die Stimmung, die Atmosphäre: Wödklasse. 10.000 Leute haben Platz gehabt. 13.000 haben wir manchmal reingebracht, damit wir Geld verdienen. Wenn da was passiert wäre, hätt ich lebenslänglich kriegt."

Bis 1997 spielte Sturm Graz in seiner "Lahmgruam", schließlich wechselte der Verein ins Liebenauer Stadion, das zwischenzeitlich auch Schwarzenegger-Stadion hieß. Ehe "Arnies" Namenstafel nach politischen Querelen wieder abmontiert wurde.

Es ging um grüne Kritik an Schwarzenegger, als dieser Gouverneur Kaliforniens war und nach Meinung der Grünen nicht vehement gegen die Todesstrafe aufgetreten sei.

Ein verstaubter Pokal

Das Stadion am Südrand der Grazer Altstadt, das heute dem 1.-Klasse-Verein GSC als Spielstätte dient, hat sich in seiner Substanz all die Jahre kaum verändert. Die alte Holzkonstruktion aus den 1930er-Jahren blieb nahezu unberührt.

Es ist noch gar nicht so lange her, da entdeckten "Sturm Graz"-Historiker" in der alten Kantine noch einen verstaubten Pokal in einer dortigen Vitrine – mit eingraviertem Datum für den Turniersieg 1938.

Immer wieder bangten die Sturmfans wegen diverser Immobilienprojekte um ihre alte Gruam. Einige Hardcore-Fans bemühten sich, zumindest die alte Holzkonstruktion der Tribüne vor dem Abriss zu bewahren. Nun ist ihnen sogar mehr gelungen: Das alte Sturm-Stadion, die legendäre Gruabn, ist unter Denkmalschutz des Bundesdenkmalamts gestellt worden. Damit soll die Bedeutung der historischen Stätte mit ihrer 1934 errichteten Holztribüne gewürdigt werden.

Nun wird nicht nur, wie von den Fans gefordert, die Holztribüne, sondern auch das Spielfeld, die restliche Tribüne und die "Gmeindl-Kantine" geschützt. Teile des Areals müssen laut Bundesdenkmalamt sogar in ihren "Urzustand" zurückversetzt werden.

Auf der Sturm-Homepage wird entsprechend gefeiert. Sturm-Präsident Christian Jauk: "Unser emotionales Herz, unsere Gruabn ist gesichert. Jetzt muss sich der Fokus auch auf unsere Zukunft richten. Sturm braucht eine Heimat." Was Jauk meint: Sturm Graz will endlich ein eigenes Stadion. (Walter Mülller, 11.5.2021)