Die Ankündigung hatte zuvor für Aufregung gesorgt.

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Eigentlich wollte Whatsapp seine Nutzungsbedingungen bereits Anfang des Jahres aktualisieren. So kommen sollte es aber nicht, denn die Pläne sorgten für einen regelrechten Shitstorm für das Unternehmen: Nach missverständlicher Kommunikation sahen User den Datenschutz eingeschränkt und riefen zu einem Boykott der App auf. Der Mutterkonzern Facebook verschob die Änderung daher um drei Monate: auf den 15. Mai. Ein Überblick.

Whatsapp will, dass man seine neuen Datenschutzbedingungen akzeptiert. Warum?

Für Nutzer ändert sich – zumindest in Europa – relativ wenig, beteuert das Unternehmen. Bei den neuen Bedingungen will man vor allem die rechtlichen Grundlagen ausformulieren, um seinen Messenger zu monetarisieren. So sucht Facebook schon länger Wege, um mit seiner enorm erfolgreichen App auch Geld zu machen. Mit den neuen Bedingungen soll der Austausch zwischen Unternehmen und ihren Kunden via Whatsapp möglich gemacht werden.

Mit Whatsapp Business will Facebook sich nämlich als Schnittstelle zwischen Konsumenten und Firmen etablieren – dabei sollen auch Werbeschaltungen möglich sein. Daher ermöglichen die neuen Regeln dem Unternehmen auch erstmals, in Business-Chats derartige Werbeeinblendungen anzuzeigen. Während es zwar immer wieder Medienberichte über diese Pläne gegeben hat, hat Facebook selbst noch keine Angaben dazu gemacht, in welcher Form Werbung konkret geschaltet werden soll.

Kann man einfach Nein sagen?

Langfristig nicht. Für einige Wochen soll der Dienst noch problemlos funktionieren – dann sollen Nutzer kontinuierlich erinnert werden, die neuen Bedingungen zu akzeptieren. Wer das immer noch nicht tut, verliert den Zugriff auf Chats, soll aber zunächst Benachrichtigungen weiter erhalten. Außerdem werden Sprach- und Videotelefonate weiterhin möglich sein. Auch das soll aber nach einer weiteren Frist – ein genaues Datum gibt der Konzern nicht an – nicht mehr möglich sein. Letzten Endes ist also ausnahmslos eine Zustimmung erforderlich, um Whatsapp weiterverwenden zu können.

Werden künftig mehr Daten mit Facebook ausgetauscht?

Schon jetzt werden die Telefonnummer, die Häufigkeit der Nutzung und Informationen zum jeweiligen Gerät ausgetauscht, weitere Informationen werden nach Angaben des Konzerns nicht gespeichert. Dem kann man zwar widersprechen, allerdings muss das via E-Mail erfolgen und begründet werden (mehr dazu auf der Whatsapp-Website). In Deutschland zeigte sich der zuständige Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar allerdings skeptisch: Er hat dem Unternehmen die Weitergabe von Nutzerdaten von Whatsapp an Facebook explizit in einem Dringlichkeitsverfahren verboten. "Auch nach genauer Analyse lässt sich nicht erkennen, welche Konsequenzen die Zustimmung für die Nutzerinnen und Nutzer hat", lautet die Begründung.

Caspar befürchtet also, dass trotz der Beteuerungen des Unternehmens dennoch eine Datenweitergabe erfolgen würde. Das hat auch damit zu tun, dass das Unternehmen außerhalb der EU andere Bedingungen einführt – und da sehr wohl explizit angibt, seinen Dienst mehr mit Facebook zu verzahnen. In Europa steht allerdings die seit 2018 geltende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) dem im Weg, die eine derartige mehrfache Verarbeitung der Daten verbietet. Daher dürfte Facebook die gesammelten Daten nicht nutzen, um etwa personalisierte Werbung bei Facebook auszuspielen. Die Hamburger Datenschutzbehörde moniert zudem, dass die Zustimmung nicht aus freien Stücken erfolge, da Whatsapp die Einwilligung in die neuen Bestimmungen als Bedingung für die Weiternutzung der Funktionalitäten des Dienstes einfordert.

Was sagt Facebook zu diesen Vorwürfen?

Facebook argumentiert in einer an den STANDARD übermittelten Stellungnahme, dass es für das Verbot keine Grundlage gebe und dieses auf ein Missverständnis der Behörde beruhe. Schließlich würde man eigentlich nur mehr Transparenz liefern, wie Daten gesammelt werden – und "die Optionen erklären", die man habe, um mit Unternehmen bei Whatsapp zu kommunizieren. Die Behauptungen der Hamburger Datenschutzbehörde seien falsch, sagt ein Sprecher, – weswegen die Anordnung "keinen Einfluss auf die Einführung des Updates" habe.

Warum macht Facebook das alles überhaupt?

Einerseits will Facebook, wie zuvor beschrieben, mit seinem Messenger endlich Geld verdienen. Dieser zählt immerhin mehr als zwei Milliarden User, hat aber noch keine Einnahmequellen. Bei der engeren Datenverarbeitung zwischen Facebook und Whatsapp, die dem Konzern innerhalb der EU nicht gestattet ist, dürfte die Überlegung hingegen eine politische sein: schließlich riskiert Facebook damit einen massiven Imageschaden für Whatsapp. Während das soziale Medium Facebook selbst in den vergangenen Jahren immer wieder von Datenskandalen erschüttert wurde, blieb das verschlüsselte Whatsapp bisher davon unberührt. Aktuell sind Ermittlungen der US-Wettbewerbsbehörde im Gange, die Rufe nach einer Zerschlagung der großen IT-Konzerne werden immer lauter. Durch die engere technische Verzahnung dürfte Facebook versuchen, eine künftige Regulierung zu erschweren, da eine eindeutige Trennung der Dienste auf diese Weise verwässert wird.

Gibt es Alternativen?

Die Krux bei Messengern ist, dass sie wenig Sinn haben, wenn sie von den alltäglichen Kontakten nicht verwendet werden. Allerdings hat die Aufregung rund um die Datenschutzbedingungen von Whatsapp dafür gesorgt, dass zahlreiche User abgewandert sind und nun andere Messenger verwenden – etwa Signal, Threema und Telegram. Einen Überblick über die Alternativen finden Sie hier. (Muzayen Al-Youssef, 13.5.2021)