Während der Eiszeit vor mehr als 20.000 Jahren waren große Teile der Nordhalbkugel von Eisschilden bedeckt.
Foto: Martin Meissner/AP

Um mit den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des Klimawandels umzugehen, lohnt sich oft ein Blick in die Vergangenheit – etwa auf das Letzteiszeitliche Maximum (englisch "Last Glacial Maximum" oder LGM) vor rund 20.000 bis 26.000 Jahren. Eine aktuelle Studie fand heraus, dass es damals noch kälter war als bisher angenommen.

Wie das Forschungsteam aus der Schweiz, Deutschland und den USA im Fachblatt "Nature" berichtet, konnten neue Informationen über die damalige globale Durchschnittstemperatur gewonnen werden. Zuverlässige Temperaturrekonstruktionen beruhen meist auf Daten aus Eisbohrkernen in hohen Breiten. Doch die Temperaturen für mittlere und niedere Breiten sind mit großen Unsicherheiten behaftet. Stattdessen benutzten die Forschenden nun ein "Edelgas-Thermometer".

Bisherige Schätzungen unterboten

Dafür machten sie sich an die Aufgabe, uralte Grundwässer genauer zu untersuchen. Denn die hierin gelösten, chemisch inerten Edelgase zeichnen nach, welche Temperaturen herrschten, als das Wasser im Boden versickerte. Zusammengetragen wurden vorhandene und neu erhobene Grundwasserdaten aus aller Welt, die systematisch und nach einem weltweiten Standard analysiert wurden. Mit relativen Datierungsmethoden erstellten die Forschenden eine Temperaturkurve. Der tiefste Wert in dieser Kurve entspricht dem Höhepunkt der zuletzt erfolgten Eiszeit.

Demnach lag die globale Durchschnittstemperatur rund sechs Grad tiefer als heute, also statt bei wohligen 14 Grad bei rund acht Grad. Bisher gingen Fachkundige davon aus, dass die Temperaturen damals nur etwa zwischen drei und fünf Grad tiefer als heute lagen.

Keine gute Nachricht zur globalen Erwärmung

Die Resultate der Studie, die unter der Leitung von Alan Seltzer von der US-amerikanischen Woods Hole Oceanographic Institution und mit Beteiligung des Schweizer Wasserforschungsinstituts Eawaq lief, decken sich mit neuen Auswertungen aus fossilem Meeresplankton. Diese gehen auch davon aus, dass das Klima gegenüber dem CO2-Gehalt in der Atmosphäre empfindlicher ist, als frühere Studien vermuten ließen. Das sei keine gute Nachricht in Bezug auf die künftige globale Erwärmung, sagt der Umweltphysiker Werner Aeschbach von der Universität Heidelberg. Denn die Erde dürfte sich demnach noch stärker aufheizen, als bisherige Schätzungen erwarten ließen.

Die neuen Ergebnisse stärkten das Vertrauen in neue Klimamodelle, die von einer starken Abkühlung während der letzten Eiszeit ausgehen, sagt der Umweltchemiker Rolf Kipfer von der Eawag. (red, APA, 13.5.2021)