Zur Abwechslung ein weißer Löwe: Siegfried Fischbacher und Roy Horn.

Foto: Arte/Getty Images

Den Tigerbiss hat er überlebt, Corona nicht: Roy Horn, ein Teil des deutschen Magierduos Siegfried und Roy, ist im Mai 2020 im Alter von 76 Jahren an Covid-19 gestorben. Viele Jahre davor, im Jahr 2003, passierte dem Wildkatzenzüchter das Unvorstellbare: Er wurde bei einer Show in Las Vegas von einem seiner geliebten Tiger gebissen und lebensgefährlich verletzt. Roy blieb halbseitig gelähmt, der Lebenstraum zerbrach.

Später sollte Roy erklären, dass der Tiger ihm eigentlich das Leben gerettet habe. Die Raubkatze habe gespürt, dass er, der Dompteur und Magier, bei dem gemeinsamen Kunststück einen Schlaganfall erlitten habe und habe ihn – wie das bei Katzen halt so üblich sei – in den Nacken gebissen, um ihn wegzubringen.

Illusion war ihr Geschäft

Das Erzeugen von Illusionen war schließlich ihr Geschäft, die Liebe zu weißen Tigern und Löwen die Leidenschaft. Nur diese Geschichte vom Tiger als Lebensretter wollte man Roy nicht so recht abnehmen. Dass er sie trotzdem trommelte, ist kein Wunder, zerstörte ihre Demaskierung doch Siegfried & Roys Lebenswerk: die Illusion vom wilden Tiger, der zum Kuscheltier mutiert, wenn man ihm nur den Willen bricht.

Siegfrieds – er starb im Jänner 2021 an Krebs – und Roys legendäre Show im Mirage Hotel in Las Vegas galt jahrelang als die beste der Welt. Zu den 5.700 Vorstellungen strömten mehr als zehn Millionen Besucher. Sehr beeindruckend!

Ihren keineswegs leichten Weg, der das Duo dorthin führte, zeichnet Arte am Freitag um 22.05 Uhr in Siegfried und Roy – Ein Leben für die Illusion nach. Zu kurz kommen allerdings Fragen zum Tierschutz. "The show must go on" war wichtiger. Und dennoch: sehenswert! (Oliver Mark, 14.5.2021)