GELD SPIELT KEINE ROLLE! Tut es natürlich doch, zumindest bei einer Personalvermittlerin für Superreiche.

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Die Mietpreise für Villen im sonnigen Saint-Tropez haben sich für diesen Sommer bereits vervierfacht, und einfach im Hotel zu urlauben, das will ihr Kunde nicht, also hat er sich stattdessen lieber eine Yacht zugelegt. Deswegen räumt Sabina Witt-Pambalk, Eigentümerin der Agentur A&P Arbeit und Personal, noch kurzfristig einen Termin für ihn frei. Yachtpersonal zu vermitteln, das überlässt sie eigentlich den Spezialisten, und mit so wenig Vorlauf ist normalerweise gar nichts frei bei ihr.

Aber wie manche von Frau Witt-Pambalks Kunden reicher als reich sind, so sind einige wenige eben auch gleicher als gleich. Darum wird "der sehr sympathische Wiener Industrielle" neben seinem "Spitzenkoch, der nicht seekrank wird", rechtzeitig vor Urlaubsantritt auch alles übrige Personal an Bord haben, das er für seine Yacht wünscht. Denn das, sagt die Chefin, wäre das Wichtigste überhaupt: dass am Ende alles so ist, wie der Kunde es will.

Den Fünftwohnsitz aktivieren

Die Urlaubsplanung, erzählt Witt-Pambalk, sei heuer auch für ihre Kunden teils so schwierig, dass manche sogar ihren Zweit- oder Fünftwohnsitz, der lang nicht genutzt wurde, aktivieren. Dort sitzt das stationäre Personal oft jahrelang, ohne dass die Herrschaften sich blicken lassen. Ähnlich verhält es sich mit den Yachten, die oft nur von Hafen zu Hafen bewegt oder verchartert werden.

Während manche Kunden also dieses Jahr wieder mal im Château vorbeischauen werden, von dem sie vielleicht gar nicht mehr wussten, dass es ihnen gehört, oder eben am Schiffernakel, wird Witt-Pambalk ihren Arbeitsplatz auch heuer wieder an den Wörthersee verlegen, wo sich der heimische Geldadel bräunen lässt und das Gerangel um Immobilien mit Seezugang seine Fortsetzung findet.

Dort am See begann für Witt-Pambalk, die ursprünglich aus dem Produktmarketing kam und Kunst mit exklusiven Produkten zusammenbrachte, auch das Geschäft mit ihrer Personalvermittlung für Superreiche. Während einer Veranstaltung in der Eventlocation Casineum 1997, zu der die reichsten Österreicher strömten, brachte sie eigenes Personal mit, das sie zuvor perfekt geschult hatte: "drei Tschick schlecht, zwei Tschick gut", sprich: Wer den Aschenbecher mit zwei Stummeln ausleerte, war brav, wer drei drinnen ließ, war schlimm.

Richtig viel Geld

Diese Form der Motivation und Reinlichkeit wussten die anwesenden Gäste zu schätzen, wie überhaupt Gesprächsthema an jenem Abend, so Witt-Pambalks Beobachtung, das "eigene Personal" war. Als man sie fragte, wo sie denn bittschön ihres gefunden habe, bot sie einfach an, welches zu vermitteln – und vorbei war’s mit Produktmarketing.

Vermittelt wurde zunächst von München aus, wo sie auf altes Geld, Künstlergeld, Ärztegeld, Fußballergeld, Starnberger-See-Geld sowie Yuppie-Geld traf, also auch damals schon auf richtig viel Geld, aber natürlich nichts im Vergleich zum Schotter heute. Dort mietete sie sich mit ihren wenigen ersparten eigenen Netsch ein Büro, schaltete ein Inserat in der Süddeutschen Zeitung, und die Türen ihrer Agentur gingen nicht mehr zu – sehr zum Ärger der Konkurrenz.

Anonyme und offene Drohungen steckte sie jedoch mit Wiener Charme weg, und mit absoluter Seriosität sowie ungespielter Freundlichkeit begegnete sie den Reichen von Anfang an auf Augenhöhe. Auch weil sie ihnen nie etwas neidig war.

Sabina Witt-Pambalk vermittelt mit ihrer Agentur A&P das Personal für Superreiche – für die Yacht oder auch den Fünftwohnsitz.
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Schauspielstars und Scheichs

"Das ist die Welt meiner Kunden", sagt sie, "nicht meine." So baute sie ihre Agentur zu einem Hub für hunderte "Kunden" (die Reichen) einerseits und ebenso viele "Bewerber" (das Personal) andererseits auf, bewegt sich seither in einem Weltmarkt, der, so sagt sie, gut bezahlte Jobs generiere mit Gehältern, die mindestens um 30 Prozent höher lägen als in der Gastronomie. Und oft sogar noch deutlich darüber.

Zu ihren Kunden zählen Botschafter ebenso wie Topschauspieler in Hollywood. Der arabische Markt wird jedes Jahr wichtiger, Deutschland und die Schweiz sind es immer noch, aber die mit Abstand meisten Kunden betreut sie in Österreich, wo ihre Agentur längst ansässig ist. Das mag an der freundlichen Steuergesetzgebung für Vermögende liegen, ihrer Beobachtung nach aber auch daran, dass man hier in Ruhe und größtmöglicher Sicherheit bei bester Infrastruktur leben könne.

Es gebe daher keine Tricksereien bei der Fakturierung, die praktisch zu hundert Prozent an Privatpersonen ginge und nicht an deren Stiftungen. Wobei sie zugeben muss, dass sie neuerdings die Namen ihrer Kunden des Öfteren gar nicht mehr sofort erfahre, sondern nur die der Anwälte, die alles für ihre Auftraggeber abwickelten.

Im arabischen und russischen Raum, sagt sie, drehe sich nach wie vor vieles um "mehr" und "groß", oder, um es mit dem Namen einer Yacht, die sie 2017 im Hafen von Saint-Tropez gesehen hat, zu sagen: "Justanothertoy".

Hierzulande hingegen setze man eher auf Understatement, dafür sei aber auch die Neidkultur ausgeprägter als in anderen Kulturen. Natürlich kenne sie auch noch Milliardäre der alten Schule, die ihr Glück in der Arbeit fanden und guten Stil sowie bestes Service zu schätzen wüssten, auch das ihres Personals.

Regel 1: Nichts persönlich nehmen

Dieses sollte jedenfalls gut ausgebildet sein "oder einen Herkunftsberuf haben, der affin ist: Hotellerie, Gastwirtschaft, Koch, Service". Hauswirtschaft könne man in Deutschland mittlerweile studieren, "ganz toll sind Absolventinnen und Absolventen von Landwirtschaftsschulen oder HBLAs". Komme man von einer Hotelfachschule wie Klessheim, habe man schier unglaubliche Jobperspektiven. Ideal seien Bewerberinnen und Bewerber ab 25 Jahren mit Erfahrung und Referenz.

Psychologen beraten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Hinblick auf "worst" und "best case", wie man sich verhält, selbst zurücknimmt, Verletzungen wegsteckt und sich behauptet. Oder auch: Welche Tricks wende ich an, um den Zustand einer Toilette nicht persönlich zu nehmen. In jedem Fall gilt: Geredet wird darüber nicht, denn wichtigstes Papier des Arbeitsvertrages ist die Verschwiegenheitsvereinbarung.

Riecht wiederum ein Bewerber streng, so muss Witt-Pambalk auch das im Vorfeld besprechen, "denn die scharwenzeln dann ja den ganzen Tag um die Leute herum, und da darfst du nicht geruchsmäßig präsent sein, auch nicht mit einem starken Parfum". Oft sucht sie ganze Teams aus und schaut, dass sich Gärtner und Hausmädchen grün sind: "Weil wenn ich Ellbogenleute habe – das brauche ich gar nicht!"

Was sie will, ist Erfolg bei der ersten Vermittlung, für die sie dann zwischen 19 und 21 Prozent der Jahresbruttogage als Provision kassiert. Zu 80 Prozent klappt das auch (früher zu 90 Prozent), zunehmende Fluktuation habe mit zunehmender "Schnelllebigkeit" zu tun, aber halt auch mit der ewig gültigen Jammerei, wonach gutes Personal einfach schwer zu finden sei.

Regel 2: Durchatmen

Heute sogar noch schwerer, "weil dieses Dienen nicht mehr in den Menschen drin ist wie noch im letzten Jahrhundert. ‚Frau Mizzi, tun S’ mir nachher noch die Zehennägel schneiden und dann die Socken anziehen!‘ – diese Zeiten sind vorbei."

Die letzten Mizzis, sagt sie, gingen gerade mit ihren alten Kochbüchern ins Kloster. Und heute brauche man sowieso keine Leute mehr, die die Kleidung rauslegten, sondern solche, die mit dem iPad die Vorhänge oder die Bewässerungsanlagen programmieren und einen Dienstplan schreiben können.

Und mit den Leuten umgehen: "Susi, du atmest jetzt mal kräftig durch, bevor du durchdrehst", spricht der erfahrene Hausmanager zur Hausdame. Die Probleme würden ja nicht weniger, nur weil man reich sei, sagt sie, sondern im Gegenteil steige die Verantwortung mit dem Besitz.

Privaten Einladungen der Kunden folgt die Vermittlerin nur sehr selten. "Endlich sehe ich Sie!", ist kein Satz, auf den sie wartet. Am liebsten agiert sie im Hintergrund, wo sie alles für ihre Kunden tut, aber nie über die Qualität ihrer Arbeit verhandelt.

Rufe ein potenzieller Kunde an und meine, dass Geld für ihn keine Rolle spiele, dann wisse sie schon, dass das nichts mit ihnen beiden werde, weil eben in Wahrheit Geld verständlicherweise immer eine Rolle spiele. Zur Verdeutlichung von Anspruch und Wirklichkeit redet sie dann gerne in der Autosprache: "Erwarten Sie einen Maybach oder einen Škoda?" Škoda reicht in den meisten Fällen nicht.

Regel 3: Alles ist möglich

Dass Personal trotz gründlichster Vorbereitung nach zwei Wochen beim Kunden hinschmeiße, das komme vor, aber selten. Beschwerden, die an sie herangetragen würden, müssten aber von beiden Seiten glaubwürdig sein. Und Übergriffe, wie sie vor 100 Jahren in höheren Kreisen noch durchaus üblich waren ("Der Sohn des Hauses, der das Hausmädchen schwängerte, weil er ja irgendwo Erfahrung sammeln musste"), kommen heute nicht mehr vor.

Zeitlos hingegen sind die Schrulligkeiten mancher Promis: Der bekannte Hollywoodschauspieler, der nicht erträgt, wenn jemand in seinem Haus isst, aber gleichzeitig darauf besteht, dass sein Personal bei ihm lebt, was die Sache schwierig macht.

Oder die Diva, die stets mit Hunden und Physiotherapeut verreist – der Therapeut ist für die Hunde, wohlgemerkt. Sollte die Diva es wünschen, dann organisiert Sabina Witt-Pambalk gerne einen Surflehrer für die Vierbeiner. Es soll ja alles passen unter dem azurblauen Himmel von Saint-Tropez. (Manfred Rebhandl, 16.5.2021)