Hinter den Kulissen von Apple gibt es Unruhe über eine umstrittene Personalentscheidung.

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So schnell kann es gehen: Nur wenige Stunden nachdem die Anstellung des Werbespezialisten Antonio García Martínez durch Apple bekannt wurde, wurde dieser schon wieder gefeuert. Die Umstände, wie es dazu kam, sind gleich in mehrere Hinsicht bemerkenswert.

Offener Brief

Auslöser für diese prompte Kehrtwende scheint dabei interner Druck gewesen zu sein. In einem offenen Brief hatten mehr als 2.000 Mitarbeiter des iPhone-Herstellers gegen diese Personalentscheidung protestiert. Der Grund: Martínez' Buch "Chaos Monkey" enthalte zahlreiche frauenfeindliche Aussagen, die in direktem Widerspruch zu Apples Selbstverpflichtung zu Inklusion und Diversität stünden.

So spricht der ehemalige Facebook-Manager darin etwa davon, dass "die meisten Frauen in der (kalifornischen) Bay Area weich und schwach, verhätschelt und naiv" sowie "generell voller Scheiße" seien. Wenn es wirklich hart auf hart komme, seien diese "nutzloser Ballast", den man besser "gegen eine Munitionsbox oder gegen einen Kanister Diesel" tauschen sollte. An anderen Stellen in dem Buch – das als eine Art autobiografische Abrechnung mit dem Silicon Valley verfasst ist – finden sich ähnliche Formulierungen. Auch rassistische Bemerkungen werden Martínez in dem offenen Brief vorgeworfen.

Premiere

Während sich in den vergangenen Jahren die Angestellten anderer Unternehmen oftmals aktivistisch gezeigt haben – allen voran jene bei Google – ist es das erste Mal, dass es bei Apple zu einem solch massiven Widerspruch gegen eine Entscheidung der Firmenleitung kommt. Trotzdem verblüfft die schnelle Reaktion des Unternehmens. Immerhin ist "Chaos Monkey" ein in der Branche durchaus bekanntes Buch. Dass Apple nicht wusste, wen man hier einstellt, erscheint insofern äußerst unwahrscheinlich. Dies betont auch Martínez selbst auf Twitter. Er sei nicht nur gezielt von Apple angesprochen worden, infolge seien die von ihm angegebenen Referenzen auch explizit zu seinem Buch und seiner restlichen Berufsgeschichte befragt worden. Trotzdem betont Apple nun in einer Stellungnahme gegenüber The Verge, dass man immer versucht habe, eine inklusive Firma zu sein, und dass dies auch bedeute, dass die Herabsetzung und Diskriminierung anderer keinen Platz habe.

Werbe-Tracking

Doch die Geschichte hat noch einen anderen Aspekt: War Martínez doch in den Jahren 2011 bis 2013 maßgeblich an der Entwicklung jenes auf der detaillierten Überwachung der eigenen Nutzer basierenden Werbegeschäfts beteiligt, das Apple öffentlich so gerne kritisiert. Und genau für die Expertise im Bereich personalisierte Werbung wurde er auch von dem iPhone-Hersteller angeheuert. Dies passt wiederum zu einem anderen, wenig beachteten Umstand: Während Apple zuletzt für Anti-Tracking-Maßnahmen bei iOS viel öffentlichen Applaus erhalten hat, ist man gerade eifrig dabei, das eigene Geschäft mit – personalisierter – Werbung kräftig auszubauen. (apo, 15.05.2021)