Tomislav Tomašević will Bürgermeister von Zagreb werden.

Foto: AP /Darko Bandic

Sie nannten ihn Senf. Im Gymnasium in Zagreb war Tomislav Tomašević – also Tommy – dieser Spitzname wegen einer gleichnamigen Würzpaste zugedacht worden. Der heute 39-Jährige legte am vergangenen Sonntag eine fulminante erste Runde im Rennen um das Bürgermeisteramt der Hauptstadt Kroatiens hin. Über 45 Prozent der Bürger Zagrebs wollen, dass der links-grüne Tomašević die Geschicke der Stadt künftig leitet.

Tomašević muss sich zwar in einer zweiten Runde dem zweitgereihten Herausforderer Miroslav Škoro stellen, doch dieser wurde am Sonntag nur von zwölf Prozent gewählt und polarisiert außerdem durch seine rechtspopulistischen Positionen. Manche Wähler werden wohl Ende Mai gerade wegen Škoro zur Wahl gehen und Tomašević wählen.

Korruptionsskandale

Der Politologe, der sich beim Studium in Cambridge auf Ökologie spezialisiert hat, spricht vor allem jenes urbane Publikum an, das die jahrzehntelange Vorherrschaft einer Clique beenden will, die sich rund um den Ende Februar verstorbenen Bürgermeister Milan Bandić gebildet hat. Dieses Netzwerk schanzte sich öffentliche Aufträge zu und sorgte immer wieder für Korruptionsskandale.

Offen ist allerdings, ob Tomašević und sein Team der 2019 gegründeten Partei Možemo ("Wir schaffen das") tatsächlich die "Krake der Korruption" besiegen können wird, wie dies der neue Bürgermeister vorhat. Denn die Beamtenschaft ist treu den alten Netzwerken ergeben, zudem tauchen immer mehr Löcher im Budget der Stadt mit 800.000 Einwohnern auf.

Die große Zustimmung für Tomašević zeigt aber eine gewisse Emanzipation und ein Selbstbewusstsein von Bürgern, die endlich mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und Rechtsstaatlichkeit fordern, die auch in anderen großen Städten wie Rijeka oder Split zu bemerken sind. Dort haben ebenfalls bürgerorientierte, unabhängige Kandidaten viel Zuspruch erhalten.

HDZ bleibt auf Siegerspur

Alles in allem hat aber die Regierungspartei HDZ erneut zeigen können, dass sie fest im Sattel sitzt. Die allermeisten Vertreter von Gemeinden und Landkreisen gehören zu der konservativen Partei, die von Premier Andrej Plenković in eine moderate und europäische Richtung geführt wurde. Sogar das slawonische Osijek wird künftig vom HDZ-Mann Ivan Radić geführt werden. Offen ist noch, ob am 30. Mai in Split und Rijeka die unabhängigen Kandidaten siegen können. (Adelheid Wölfl, 18.5.2021)