Noch nie zuvor waren so viele Menschen binnen eines Tages in die spanische Enklave Ceuta gekommen.

Foto: Reduan Ben Zakouor/El Faro de Ceuta/Handout via REUTERS

Madrid/Ceuta – In der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta sind bis Dienstagfrüh etwa 6.000 Migranten aus Marokko angekommen. Davon seien bereits 1.600 in das Nachbarland zurückgebracht worden, sagte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska dem TV-Sender RTVE. Bei etwa 1.500 der seit Montag angekommenen Menschen handle es sich um Minderjährige. Auf marokkanischer Seite gebe es immer noch Menschen, die versuchen wollten, illegal nach Ceuta zu kommen, sagte der Minister.

Noch nie zuvor waren so viele Menschen binnen eines Tages in die kleine Exklave mit rund 85.000 Einwohnern gekommen. Marokko hatte die Kontrolle der angrenzenden Strände ohne Erklärung ausgesetzt. Tausende nutzten die Chance, um an der Küste bis an den Grenzzaun zu Ceuta zu gehen. Von dort mussten sie nur um eine Mole herumschwimmen, um nach Ceuta zu gelangen.

80 Flüchtlinge erreichten Melilla

Die Behörden der Exklave waren völlig überfordert und konnten nicht mehr tun, als Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Ein Mensch starb dennoch. Die Erwachsenen, die zunächst in der Stadt umherirrten, wurden in ein Stadion gebracht. Die Minderjährigen wurden in einem inzwischen völlig überfüllten Auffanglager untergebracht.

Indes erreichten zudem über 80 Flüchtlinge die spanische Exklave Melilla. Nach Angaben der örtlichen Behörden versuchten dort mehr als 300 Menschen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara, von Marokko aus den Grenzzaun zu überwinden. Den Behörden sei es gelungen, rund 200 Menschen zurückzuhalten. 85 Männer und eine Frau konnten die Absperrung überwinden.

Nach Einschätzung spanischer Medien ließ Marokko die Menschen nach Ceuta passieren, weil es darüber verärgert ist, dass Spanien die medizinische Behandlung des Chefs der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für Westsahara, Brahim Ghali, in einem Krankenhaus in Logroño erlaubte. Marokko beansprucht das Gebiet an seiner Südgrenze als Teil seines Staatsgebietes.

Spanien hat unterdessen nach eigenen Angaben inzwischen fast die Hälfte der Menschen nach Marokko zurückgeschickt. Innenminister Fernando Grande-Marlaska sprach am Dienstag von 2.700 der mehr als 6.000 Menschen, die abgeschoben worden seien. Die Zahl der Polizisten an der Grenze werde von gegenwärtig 1.200 um 200 erhöht, sagte er. Zudem würden bei den Patrouillen nun auch Soldaten eingesetzt. Auf Fernsehbildern waren gepanzerte Fahrzeuge am Strand zu sehen, während weitere Menschen aus dem Wasser stiegen. Ein Regierungssprecher sagte, die Sicherheitskräfte würden auch in der Exklave für Ordnung sorgen. (APA, 18.5.2021)