Sprotzel! Gurgel! Garochl! Die Bialetti, die nur wenige Zentimeter vom Kopf weg ihr Finale anstimmt, lässt das wilde Gebrüll der Vögel kurz in den Hintergrund treten. Auf der Scheibe der offenen Heckklappe tut sich der Dampf zu kleinen Tropfen zusammen. Ich schlage die Decke zurück, richte mir die Boxershort und atme den frischen Duft des Kaffees.

Eiserne Regel

Die Haare stehen wild zerzaust in alle Richtungen. Und auch an die Ringe unter den Augen hat sich meine Frau inzwischen so weit gewöhnt, dass sie es schafft, mir in der Früh einen zärtlichen Kuss zu geben, kurz bevor sie den Espresso eingießt. Auf dem kleinen Tisch neben unserem Mini-Camper stehen schon Teller und Besteck, die florale Servietten festhalten, ein paar Paradeiser, Paprika, frische Handsemmeln und gleich der Kaffee.

Ja, so stell ich mir das vor. So wird es nie sein. Feier- und urlaubstags muss ich den Kaffee machen. Eine unausgesprochene, aber eisern eingehaltene Regel. Während die, nie im Leben campen zu gehen, langsam, aber kontinuierlich ihren Anspruch auf Umsetzung zu verlieren scheint.

Lieferwagen mit Ausblick: eine neue Kategorie an Campern ist entstanden.
Foto: Getty Images

Schuld daran ist vieles. Die Pandemie, das Alter, die kleinen Transporter, die man zu Campern umbauen oder schon fixfertig so kaufen kann – und dann natürlich der Umstand, dass uns irgendwann eingefallen ist, dass man ja ums Verrecken nicht auf einen Campingplatz fahren muss.

Nicht auf den Wohnwagen-Ballermann, wo Ungustln laut grölend mit jedem gut Freund sein wollen. Nicht in die Hausmeister-Zelt-Welt, wo irgendeiner gleich einen Bahöö macht, wenn du nach Sonnenuntergang lauter aufstößt. Nicht zu den hippen Stadtrand-Nomaden, die nur allen ihre neue fahrende Luxusbehausung zeigen wollen, die so groß ist, dass sie beim Einparken zwei Griller und ein Klapprad umfahren, ohne es zu merken.

Riesige Auswahl

Nein, wir nehmen uns einen kleinen Transporter, der gerade so lange ist, dass man darin schlafen kann, ohne dass man fürchten muss, sich in der Nacht mit den Zecherln im Lenkrad oder dem Handschuhfach zu verfangen. Die Auswahl ist riesig. Ford Transit Connect. Renault Kangoo – den gäbe es sogar elektrisch angetrieben. Peugeot Rifter. Citroën Berlingo. Opel Combo Life.

Und natürlich der Volkswagen Caddy. Den gibt es schon ab Werk zum Camper umgebaut. Er heißt dann California oder California Camper. Letzterer hat sogar eine Miniküche mit einem einflammigen Gaskocher – zum Ausziehen unter dem Bett – verbaut. Darunter gibt es eine Besteckschublade und eine weitere für ein, zwei Schüsseln, einen Topf und natürlich eine Bialetti. Daneben sind in einer Tasche ein Campingtisch und zwei Sessel reisetauglich verstaut. Ab 28.884 Euro bekommt man einen California mit Gardinen, Tisch und Sesseln.

Im Kofferraum des VW Caddy California liegt ein Bett.
Foto: VW Nutzfahrzeuge

Der Caddy California Camper mit dem Küchenmodul kostet 31.822 Euro. Und es gäbe sogar einen mit längerem Radstand. Aber den brauchen wir nicht, denn das Bett im California ist soundso immer gleich groß, 198 mal 107 Zentimeter. Ja, das ist zu zweit nicht nur kuschelig, auf die Distanz sieht man ab 40 auch die Augenringe des Partners nicht mehr so genau. Nur Vorteile.

Schlicht

Wer lieber zu einer anderen Automarke greift, muss nicht verzweifeln, wenn einem der Händler nicht gleich eine Campingversion anbieten kann. Es gibt eine ganze Reihe von Herstellern, die genau das richtige Bettsystem für jeden kleinen Familientransporter, Minivan oder Hochdachkombi anbieten – weil ja, die Idee mit dem schlichten Campingurlaub haben derzeit anscheinend mehrere.

So ein Bettgestell kostet dann etwa ab 1.790 Euro, wenn man zu einem Fred – ein Wortspiel aus Frame und Bed – von Qubiq greift. Da ist das Bett dann immer 192 Zentimeter lang. Die Breite richtet sich nach dem Fahrzeug. Und auch da gibt es einen Einschub für Gepäck und sogar für eine Kochnische. Die heißt hier dann aber Koch’Inzl und kostet in der Basisausstattung 1090 Euro.

Neue Möglichkeiten

Mit Maßband, Stichsäge, Pressspanholz, etwas Geduld und ein paar Pflastern kann man sich seinen Van auch selbst zum Camper umbauen. Das ist vor allem dann eine Option, wenn man das Auto wirklich nur zum Campen braucht. Ist es gleichzeitig eine Alltagsrodel, sind die fixfertigen Systeme vermutlich schneller jedes Mal ein- und ausgebaut. Aber wenn man so einen Camper erst einmal hat, tun sich jedes Wochenende neue Möglichkeiten auf.

Wild campen darf man ja kaum wo. Aber wenn man etwa den Weinbauern, dem man über Umwege vermutlich schon den letzten Zubau bezahlt hat, fragt, ob man nach der Weinverkostung bei ihm in seinem Auto schlafen darf, kann man an dem Stellplatz, den er einem in seinem Weingarten anbietet, erkennen, wie dankbar er einem ist.

Und wenn Ihnen Dankbarkeit gefällt, vergessen Sie beim Auto nicht, eine Standheizung mitzubestellen. Vielleicht hören Sie dann in der Früh auch einmal ein Sprotzel-Gurgel-Garochl, obwohl Sie noch auf dem Fred liegen. (Guido Gluschitsch, RONDO, 23.5.2021)

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