Italiens Zeitungen philosophieren dieser Tage geradezu euphorisch über die symbolische Bedeutung der Farbe Weiß: Es handle sich um die Farbe des Lichts, der Reinheit und – warum auch nicht im schwer gebeutelten Italien mit derzeit rund 125.000 Covid-Toten – der Hoffnung. Also um das Gegenteil dessen, was nun immer weiter zurückzuliegen scheint: die Dunkelheit der Pandemie, die Depression, das Eingeschlossensein.

Einheimische können in Mondello bei Palermo, Sizilien, schon ihre Badefreuden genießen – bald auch Touristen.
Foto: AP / Alberto Lo Bianco

Tatsächlich hat die Regierung von Mario Draghi am Montagabend einen entscheidenden Schritt in Richtung neuer Normalität getan: Bereits ab 1. Juni werden drei der zwanzig italienischen Regionen – Friaul Julisch-Venetien, Molise und Sardinien – weiß sein: niedrigste Gefahrenstufe, keine Restriktionen. Eine Woche später werden Venetien, Ligurien und die Abruzzen folgen. Die übrigen Regionen bleiben vorerst gelb, einzig das Aosta-Tal ist im italienischen Ampelsystem derzeit noch orange, also auf der mittleren Gefahrenstufe.

In den weißen und gelben Regionen gilt Reisefreiheit: Der Sommer kann endlich kommen, die 3.000 Kilometer Sandstrände des Belpaese locken, die Kulturstädte ebenso. Die Quarantänepflicht ist für Gäste aus dem Schengen-Raum, aus Großbritannien und Israel bereits am 16. Mai gefallen. Wer nach Italien einreisen will, muss nun nur noch einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Damit hat die Regierung – zumindest für die Ausländer – auch den nationalen Impfpass still und leise beerdigt, mit dem Premier Draghi schon vor einer Woche Touristen nach Italien locken wollte: Er wird zur Einreise nicht mehr benötigt, es reicht der negative Test.

Sperrstunde fällt schrittweise

Gelockert wurde auch die nächtliche Ausgangssperre: Ab Mittwoch beginnt sie nicht mehr um 22 Uhr, sondern erst um 23 Uhr, sie endet wie bisher um 5 Uhr morgens. Ab dem 7. Juni ist ab 24 Uhr Sperrstunde, am 21. Juni soll die Ausgangssperre laut dem Fahrplan der Regierung ganz aufgehoben werden.

Die Vertreter der Regionen – und vor allem landesweit die rechtsnationale Lega Nord von Matteo Salvini – hätten sie am liebsten gleich abgeschafft. Draghi und sein Gesundheitsminister wollten aber an der Strategie der schrittweisen Öffnung festhalten. In den weißen Zonen gibt es ohnehin keinerlei Ausgehbeschränkungen mehr, erlaubt ist dort auch die Innengastronomie.

Nach wie vor gelten aber im ganzen Land Maskenpflicht (auch im Freien) und die Distanzregeln. Möglich wurden die neuen Lockerungen durch die stetige Abnahme der Fallzahlen in den vergangenen Wochen: Am Montag wurden in Italien 3.400 neue Corona-Infektionen registriert. Vor einem Monat waren es noch 15.000 bis 20.000 Fälle gewesen.

Spürbar nachgelassen hat auch der Druck auf die Krankenhäuser und Covid-Stationen. Große Fortschritte macht außerdem die Impfkampagne: Es werden über eine halbe Million Personen täglich geimpft. Die Zahl der verabreichten Dosen liegt derzeit bei 28 Millionen (bei 60 Millionen Einwohnern); hinzu kommen rund vier Millionen Genesene, die ebenfalls immunisiert sind. (Dominik Straub aus Rom, 18.5.2021)