Die Langer Marsch 7 Y3 mit einem Frachtraumschiff an Bord hätte zur neuen Raumstation abheben sollen, doch der Start wurde abgebrochen.
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Im Schatten der erfolgreichen Marslandung mit dem Rover Zhurong werkt China weiter an seiner Raumstation Tiangong 3, deren zentrales Modul am 29. April ins All gebracht worden war. Am Donnerstag hätte ein Cargoflug zum nagelneuen Hauptmodul der künftigen Station abheben sollen. Doch offenbar kurz vor dem Start des unbemannten Raumschiffes Tianzhou 2 ist die Mission verschoben worden.

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch unter Hinweis auf Chinas Raumfahrtprogramm berichtet, stand die Rakete Langer Marsch 7 Y3 startbereit auf dem Raumfahrtbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan, als plötzlich die Absage kam. Als Grund wurden "technische Gründe" genannt. Über den neuen Startzeitpunkt sei noch nicht entschieden worden. Mit einem neuen Versuch in dem möglichen nächsten Startfenster am Donnerstagabend MESZ (Freitagfrüh Ortszeit) wurde nicht gerechnet, da um den Raumfahrtbahnhof auch nicht die dafür sonst üblichen Beschränkungen für den Verkehr erlassen wurden.

Die zweistufige Trägerrakete Langer Marsch 7 Y3 ist in dieser Variante bereits zweimal geflogen – zuletzt vor zehn Monaten mit Tianzhou 1. In einer anderen Konfiguration (7A) gab es mit diesem Raketentyp im März 2020 ein Problem, als ein Satellit wegen eines Problems mit der ersten Raketenstufe nicht in die vorbestimmte Umlaufbahn gebracht werden konnte. Die 7er-Raketen gehören zu einer neuen Familie von Langer Marsch-Raketen, die die alten 2er, 3er und 4er Serien langsam ersetzen sollen.

Erste Crew kommt vielleicht im Juni

Tianzhou 2 sollte rund sechs Tonnen Versorgungsgüter und Treibstoff zu dem Tianhe (Himmlische Harmonie) genannten Kernmodul bringen und automatisch verladen. Es wäre das erste Andockmanöver an Tianhe geworden. Der Flug ist die Voraussetzung für die – nach unbestätigten US-Berichten zumindest bisher für den 10. Juni geplante – Mission von drei Astronauten mit Shenzhou 12 zu dem Kernmodul. Sie sollen drei Monate bleiben. Der Frachtflug soll dafür neben Versorgungsgütern auch zwei Raumanzüge für Weltraumspaziergänge und Ausrüstung für den Bau der Raumstation transportieren. Tianzhou 2 soll angedockt bleiben, solange die Astronauten in dem Kernmodul leben.

Die vordere Hälfte von Tianhe.
Foto: CMSA

Welche anderen Verzögerungen sich durch die vorerst unbestimmte Verschiebung des Fluges ergeben, ist unklar. Die Frachtmissionen mit den Tianzhou-Raumschiffen sind wichtiger Teil der Pläne für den Bau der Raumstation, die bis Ende nächsten Jahres fertiggestellt werden soll. Wegen anfänglicher Probleme mit dem besonders leistungsfähigen neuen Raketentyp Langer Marsch 5B ist das Flugprogramm dafür ohnehin längst dichter gedrängt als vor Jahren noch vorgesehen.

Enger Zeitplan

Verantwortliche hatten vorher schon zu erkennen gegeben, dass der Druck groß ist, damit bei so vielen Flügen nichts schief geht. So soll nach dem Flug der drei Astronauten im Juni schon im September eine weitere Frachtmission starten. Im Oktober sollen drei weitere Astronauten folgen. Nächstes Jahr sollen zwei jeweils gut 20 Tonnen schwere Labormodule ins All gebracht werden, die T-förmig an das Kernmodul anmontiert werden. 2022 sind zusätzlich zwei Frachtflüge sowie zwei bemannte Missionen geplant.

Klappt alles mit dem Bau der Raumstation, wäre China die einzige Nation, die noch einen ständigen Außenposten im All betreibt, wenn die internationale Raumstation ISS in den nächsten Jahren wie geplant ihren Dienst einstellen wird. (red, APA, 20.5.2021)