Lavaströme des Vulkans Mount Nyiragongo seien hauptsächlich durch den Virunga-Nationalpark geflossen – dieser gilt als Afrikas artenreichstes Schutzgebiet.

Foto: Stringer

Die Region um Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist eine der gewalttätigsten Gegenden der Welt. In den vergangenen 25 Jahren wurde die Region von zahllosen Rebellengruppen in ein Bürgerkriegsgebiet verwandelt, fünf Millionen Menschen haben ihr Zuhause verloren. Selbst die spektakuläre Seen- und Bergwelt zeigt sich gelegentlich von ihrer gewalttätigsten Seite: Etwa wenn, wie an diesem Samstag, der fast 3500 Meter hohe Vulkan Nyiragongo ausbricht. Bei seinem jüngsten Ausbruch vor 19 Jahren waren 25 Millionen Kubikmeter Lava bis ins Zentrum der weit über eine Million Einwohner zählenden Provinzhauptstadt Goma geflossen, hatten zahllose Häuser und den Flughafen zerstört und mehr als 250 Menschen getötet. Bei einem früheren Ausbruch vor 44 Jahren waren sogar bis zu 2000 Menschen ums Leben gekommen.

Die Lavaströme drangen bis in die Vororte Gomas vor.
Foto: irunga National Park/Anthony Caer/via REUTERS

Daran gemessen hatten die Bewohner von Goma dieses Mal Glück. Der Lavafluss kam gut einen Kilometer vor den Toren der Stadt zum Stillstand: Auch der Flughafen wurde verschont. Fachleuten zufolge handelte es sich diesmal auch nicht um einen wirklichen Ausbruch. Es soll "lediglich" zu einem Riss im Krater des Vulkans gekommen sein, heißt es: Daraufhin lief der Lavasee aus.

Der Virunga-Nationalpark befindet sich nur 20 Kilometer nördlich der Zwei-Millionen-Stadt Goma.
Foto: APA

Hunderte Häuser zerstört

Immerhin vernichteten die beiden Lava-Ströme insgesamt 17 Dörfer und mehr als 500 Häuser – vor allem in einem Buhene genannten Vorort von Goma. Dort sollen auch mehrere zur Flucht zu schwache ältere Menschen ums Leben gekommen sein. "Ich habe versucht, ihn noch wegzutragen", berichtete die 68-jährige Ernestine Kabuo von ihrem kranken Mann gegenüber Reuters: "Aber ich schaffte es nicht, er verbrannte mit unserem Haus." Derzeit ist von 15 Todesopfern im Zusammenhang mit der Feuersbrunst die Rede: Allein neun Personen kamen bei einem von Flüchtenden verursachten Verkehrsunfall ums Leben. Insgesamt suchten mehr als 30.000 Menschen die Flucht: Ein Teil von ihnen rettete sich ins Nachbarland Ruanda. Allerdings wird befürchtet, dass unter der inzwischen erkalteten Lava noch wesentlich mehr Opfer begraben sind. Das Kinderhilfswerk Unicef spricht von 170 vermissten Kindern sowie von 150 Kindern, die ihre Eltern vermissen.

Foto: REUTERS/Djaffar Al Katanty

"Wir hatten großes Glück, dass nur der Lava-See ausfloss und kein neues Material aus dem Schlot kam", sagte der in Goma stationierte Vulkanologe Dario Tedesco. Deswegen sei auch die Geschwindigkeit der Lavaflüsse eher gering gewesen: Bei vorigen Ausbrüchen des Nyiragongo waren diese bis zu 100 Kilometer schnell. Der im Virunga-Park gelegene Vulkan gilt deshalb als einer der gefährlichsten der Welt. Dass der Ausfluss des sich zuvor schnell füllenden Lava-Sees von Wissenschaftlern nicht vorausgesagt wurde, liegt offenbar zumindest auch daran, dass die Finanzierung von Gomas Vulkan-Observatorium (OVG) durch die Weltbank seit einem halben Jahr nicht mehr gesichert ist, weil es zu Korruptionsvorwürfen gekommen war. Seit vergangenem Oktober habe das Zentrum über keine Internetverbindung mehr verfügt, sagte dessen wissenschaftlicher Leiter Celestin Kasereka Mahinda: Deshalb hätten auch keine seismischen Aufzeichnungen mehr stattgefunden. (Johannes Dieterich, 24.5.2021)

Zahlreiche Menschen flüchteten über die Grenze nach Ruanda und wurden zum Teil in einem Stadion untergebracht.
Foto: EPA(Uwimana