Nicht jede menschliche Berührung muss angenehm sein, man denke an einen Knuff, den man von einem Schulkameraden abbekommen hat, an einen unbedachten Rempler auf der Straße, einen allzu forschen Händedruck oder gleich an eine Ohrfeige. Aber der Großteil der Berührungen sind es letztlich doch, und das empfinden auch die allermeisten Menschen so: Laut einer neuen, im Auftrag von NIVEA durchgeführten internationalen Studie wird Berührung von 96 Prozent der Befragten mit Liebe, von ebenso vielen mit Zuneigung und von 95 Prozent mit Fürsorge assoziiert. Neun von zehn Teilnehmern geben sogar an, dass sie der Schlüssel zu einem glücklichen und erfüllten Leben sei. Die Ergebnisse sind umso bemerkenswerter, als sie quasi universal gelten, denn die Befragten kommen von sechs Kontinenten, sind zwischen 16 und 69 Jahre alt und wurden repräsentativ nach Geschlecht, Region und beruflichem Status ausgewählt.

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Die Einigkeit spiegelt sich auch in anderen Zuordnungen von Berührung wider: So stimmen 87 Prozent der Befragten zu, dass zwischenmenschliche Berührung ein wesentlicher Bestandteil von Gemeinschaften ist, und 85 Prozent finden, dass gerade sie uns "menschlich" macht. Umgekehrt glauben 81 Prozent, dass ein Mangel an menschlicher Berührung zu Stress bzw. zu Isolation und Einsamkeit (87 Prozent) führen kann – selbst dann, wenn man von Menschen umgeben ist.

Für viele nicht Teil ihres täglichen Lebens

Nur, die Erkenntnis ist das eine, die Lebenswirklichkeit eine andere. Denn eines der Ergebnisse der Untersuchung ist, dass die meisten Menschen nicht so viel Berührung bekommen, wie sie gerne hätten: 64 Prozent der Interviewten geben an, dass Berührung in ihrem Leben nicht alltäglich ist, und 72 Prozent äußern den Wunsch nach mehr Umarmungen. Die Hälfte erkennt in dem zu geringen Grad an Berührung einen gesamtgesellschaftlichen Trend der letzten Jahre. Die Reaktion darauf wird von Experten als "Berührungshunger" oder "Berührungsmangel" bezeichnet – für den wiederum bestimmte Gruppen anfälliger sind als andere: So leben die Menschen auf der Nordhalbkugel den Studiendaten zufolge im Allgemeinen berührungsärmer als jene im globalen Süden.

Zusätzlich zu den kulturellen Unterschieden zeigen die Daten auch welche nach Altersgruppen. Wenig überraschend haben Millennials im Alter von 20 bis 35 Jahren und Menschen, die mit Kindern zusammenleben, den Berührungstagebüchern zufolge den meisten Körperkontakt. Global berichten 69 Prozent aus diesen Gruppen, dass eine Vielzahl von Berührungen durch andere Menschen – und zwar durch mehrere – Teil ihres täglichen Lebens ist.

Umgekehrt bekommen die Menschen der Generation 50+ die wenigsten Berührungen. Es mag ein Trost sein, dass sie auch das geringste Bedürfnis danach haben: Nur 63 Prozent der interviewten Personen geben an, dass sie sich mehr Umarmungen wünschen, verglichen mit 72 Prozent insgesamt.

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Berührungs- und Wissensdefizite

Vielleicht würde so manch einer, der menschliche Berührungen weniger mag, anders darüber denken, wenn er mehr über ihre physiologischen Auswirkungen wüsste. Unter anderem sind das: ein robusteres Immunsystem, niedrigerer Blutdruck, ein abgesenkter Spiegel von Stresshormonen und geringere körperliche Schmerzen. Ganz zu schweigen von dem Wohl- und Zugehörigkeitsgefühl, das dem Botenstoff Oxytocin – dem so genannten Kuschelhormon – zugeschrieben wird. Ein Gutteil der Teilnehmer an der Befragung waren sich dessen nicht bewusst, nehmen sich aber nun überwiegend (86 Prozent) vor, zukünftig mehr Berührung in ihr Leben zu bringen.