Wien – In Deutschland kochte die Debatte über Nachhaltigkeit und Fliegen jüngst hoch, als die grüne Co-Parteichefin und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock erklärt hatte, sie wolle im Falle einer Regierungsübernahme Flugreisen teurer machen und auf die komplette Abschaffung von Kurzstreckenflügen hinarbeiten.

Parteikollege und Grünen-Chef Robert Habeck konterte mit der Warnung, den Klimaschutz zu einer Frage des Lebensstils zu machen. "Wenn wir in diese Dimension abgleiten, dann kann man nicht mehr rational diskutieren, geschweige denn Lösungen finden", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Grünen hätten nichts gegen niedrige Preise, sofern umweltschädlicher Konsum nicht mit Steuergeld subventioniert werde. Hierzulande wurde das Thema rund um die AUA-Rettung im Vorjahr diskutiert.

In der Luft und auf dem Boden lasse sich jede Menge CO2 einsparen, sagen manche Experten.
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Am Donnerstag rückte Luftfahrts-Staatssekretär Magnus Brunner (ÖVP) gemeinsam mit Austro-Control-Geschäftsführerin Valerie Hackl aus, um darauf hinzuweisen, dass es auch Spielraum in weiteren Bereichen gebe – und dass "Nachhaltigkeit und Fliegen einander nicht ausschließen", so Brunner bei einer Pressekonferenz. Hackl präsentierte eine ganze Reihe von Maßnahmen, mithilfe derer allein in Österreich jährlich 100.000 Tonnen CO2 eingespart werden könnten.

Klimaschonend starten und landen

Demnach arbeitet die Austro Control gemeinsam mit dem europäischen Pendant, der Eurocontrol, schon länger an einem Maßnahmenmix, um den Flugverkehr klimaschonender zu gestalten, teilweise würden diese Maßnahmen auch schon umgesetzt, hieß es. Dabei geht es um kürzere Flugrouten, treibstoffsparende Starts und Sinkflüge und eine Reduktion der Warteschleifen vor dem Abflug, zählte Hackl auf. So wurde etwa gemeinsam mit der Eurocontrol ein innereuropäischer Luftraum geschaffen, der Flugstrecken verkürzen soll. Bis 2024 erwarten Experten dadurch eine Einsparung der Flugstrecken um 900.000 Kilometer pro Tag. "Dem Free-Route-Luftraum sollen bald auch Albanien und Nordmazedonien beitreten", sagt Hackl.

Effizientere und damit treibstoffsparende Flugrouten sind eine Idee.
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Gemeinsam mit den genannten Maßnahmen bei Starts und Landungen hält Hackl damit 100.000 Tonnen CO2-Einsparungen für möglich – das entspreche immerhin in etwa 2.000 Mittelmeerflügen. Auch auf dem Boden solle effizienter gearbeitet werden und damit Energie gespart werden: So könnten etwa Radarsysteme reduziert, die verbliebenen dann mithilfe von Photovoltaikanlagen betrieben werden.

Comeback der Reisefreiheit

Staatssekretär Brunner zeigt sich erfreut über das bevorstehende "Comeback der Reisefreiheit", das auch der gebeutelten Reisebranche bei der Wiederauferstehung helfen werde. "Die Einführung des grünen Passes war dabei eine wichtige Entscheidung", sagte Brunner. Nun gelte es, das absehbare Wachstum mit "Ökologie im Fokus" zu fördern.

Die für das fliegende Personal zuständige Gewerkschaft Vida hatte Brunner im Vorfeld der Pressekonferenz aufgefordert, sich neben den ökologischen Aspekten auch den sozialen Fragen in der Flugbranche zu widmen. Zwar hätte die Bundesregierung "auf europäischer Ebene die großen Fragen wie einheitliche Sozialstandards richtigerweise in Angriff genommen", im Einflussbereich Brunners, auf nationaler Ebene, sei aber "bis heute nahezu nichts geschehen", hieß es in einer Aussendung der Gewerkschaft, in der nachhaltige und soziale Maßnahmen für einen "fairen Umgang mit dem fliegenden Personal" gefordert werden. Zudem fragt sich die Gewerkschaft: "Was wurde aus dem Mindestticketpreis in Höhe von 40 Euro?" Die Antwort aus Brüssel, ob die heimischen Ideen für eine Umsetzung des Projekts dem Europäischen Recht standhalten, steht bekanntlich noch aus. (rebu, 27.5.2021)